Solistitium Records
☠ 2026 ☠
Als Schattenvald kurz nach der Veröffentlichung ihres sechsten Demo-Albums (in der Tat, die Band betrachtet eigentlich alles, was von ihr vor 2026 mit dem für sie typischen „schwammigen“ Sound eingespielt wurde, als Demo-Aufnahmen!) die schattigen Pfade verließen, um ihr musikalisches Lebenswerk auf noch breitere und um einiges dunklere Spur zu bringen, war das Ziel ganz klar definiert: Mit Hilfe des kultigen und schlagkräftigeren Labels Solistitium Records endlich den perfekten und vor allem professionell aufgenommen Studio-Sound zu finden, der Nachtsturm seit den Anfangstagen der Band im Jahre 1998 vorschwebte. Gesagt, von allen abgesegnet und getan! So dürft ihr mit „Alle hernach“ tatsächlich nun das erste richtige Schattenvald-Album in den Händen halten. Und da es sich hierbei um die Neuaufnahme des kompletten Demo-Albums „I“ inklusive des Songs „Im Nachtenschein“ vom Demo „Nachtvolk“ handelt, kann und darf und muss es sogar in jedweder Hinsicht als das allererste Album von Schattenvald betrachtet werden. Und das diesen alten Songs zugrundeliegende volkstümliche Konzept um den Seher Mühlhiasl, der in dieser restaurierten Fassung den Hörer in Form einer Erzählstimme durch das gesamte Album hindurch begleitet, ist nach wie vor sehr fesselnd und spannend und beinahe schon wie ein Theaterstück inszeniert. Gleichermaßen wie schon in der Frühphase, also quasi seit eh und je, gibt es in der Soundlandschaf von Schattenvald sehr viel zu entdecken, zahlreiche feine Nuancen, fetzige Melodien, krude Wechsel und überraschende Wendungen und Windungen, und das alles von einem vollflächigen Schleier aus grazilen Keyboards überschattet. Kenner der alten Demo-Aufnahmen wissen, wovon hier die Rede ist. Dieses dichte und hochmelodische Dickicht aus undifferenzierten Klängen wurde auch zum Markenzeichen dieser symphonischen und sympathischen Black-Metal-Band aus Oberfranken. Und genau dies, was einigen schwächlich geformten Ohren jedoch zu viel des Guten ward, wussten alle Biersommeliere und Liebhaber von Schattenvald aufs Äußerste zu schätzen. Ob dieses unantastbare Gefühl allerdings in der Neuaufnahme etwas verlorenen ging, das bleibt natürlich noch zu klären…
Zunächst muss man festhalten, dass bei „Alle hernach“ alles auf herkömmliche Art und Weise neu eingespielt wurde (die mühsame Nachbearbeitung des alten Materials würde wohl selbst jeden professionellen Meister der Tontechnik in den puren Wahnsinn treiben!), auch das Schlagzeug, das bisher stets aus der Konserve gepullt wurde. Der Gesang wurde dieses Mal natürlich von Iskharian eingesungen, der seit 2011 fester und unzertrennlicher Bestandteil von Schattenvald ist (davor hat Nachtsturm auch noch die Vocals erledigt). Und obwohl der Sound erwartungsgemäß jetzt um einiges klarer und differenzierter aus den Boxen tönt, muss der Band attestiert werden, dass diese Schönheitsoperation absolut gelungen ist. Alles wurde an den richtigen Stellen gestrafft, die alten Säckle baumeln jederzeit perfekt zum Takt, während die Schnelligkeit und Vielschichtigkeit der Songstrukturen im Großen und Ganzen beibehalten wurden. Kleine zusätzliche Eingriffe, wie die Entfernung kleiner, dem Hörer der ersten Stunde nicht aufgefallenen Soundwarzen und so machen das Gesamtbild trotz anfänglicher Skepsis letztendlich einfach nur perfekt. Ganz großes Lob also an Schattenvald und das Nightside Audio Studio, in welchem die sicherlich nicht leicht umzusetzenden Wünsche von Nachtsturm mit Bravour gemeistert wurden. Und natürlich auch an das neue Label Solistitium Records, das neben der klassischen Digipak-CD auch eine wirklich sehr hochwertige schwarze Vinyl-Pressung mit voll hübschem Silberdruck, einem absolut stimmigen Artwork aus der Sperber-Illustrationen-Schmiede von Benjamin König wie einem Booklet in LP-Größe realisierte. Einfach nur ein Traum!
Was bleibt also noch zu sagen? Nur noch soviel: Holt euch dieses althergebrachte und dennoch erfrischend neue Schattenvald-Album! Denn diese deutsche Band muss man als Black-Metal-Enthusiast einfach kennen! Sie geht nämlich mindestens genauso beherzt wie einst Lunar Aurora zur Sache. Und das will schon was heißen! Und bei willentlicher Verweigerung gilt: Bitte sich direkt die von uns ausgestellte Diagnose „Überbelichteter Schwarzmetaller“ auf die Kutte sticken lassen! Ah ja, ein kleines Anliegen noch: Die anderen Demo-Alben „II“ bis „VI“ möchte man nach diesem Aperitifhappen auch so schnell wie möglich in neuer Fassung in seiner Sammlung stehen haben! Also Schattenvald, von nun an bitte Vollgas geben und am besten im Halbjahrestakt raushauen! Das schafft ihr doch, oder?
☠ Tracklist ☠
1. Dämmertage
2. Auf alten Pfaden
3. Die alte Mühl‘ im wilden Wald
4. Der Nachtwanderer
5. Im Nachtenschein
6. Wenn dereinst der Berg rief
7. Winterland / Alle hernach
