Ols - Poswiaty

Ols – Poswiaty

Pagan Records
2025

Mit dem bereits fünften Langspielalbum verfolgt Anna weiterhin und unbeirrt den von ihr einmal mit eisenfester Entschlossenheit eingeschlagenen Weg, immer vorwärts in die große und weite Welt hinaus, die, je weiter sie kommt, immer mehr von immer tieferen und dunkleren Schatten umhüllt zu sein scheint. Während die Lieder auf ihrem selbstbetitelten Debüt noch ganz unbefangen erklangen, wurden sie mit jeder weiteren Veröffentlichung immer trüber und ernster, immer mehr von den weltlichen, die Vergänglichkeit reflektierenden Dingen eingefasst. So könnte man meinen, dass aus der herzlichen Fröhlichkeit des Frühlings erst Sommer („Mszarna“), dann langsam Herbst („Widma“) und schließlich der frostige Winter („Pustkowia“) wurde. Und mit „Poswiaty“ dauert der Winter mit den dazugehörigen langen Nächten und dunklen Gedanken in Annas Herzen scheinbar noch weiterhin an. Die grüne rituelle Welt von Ols hat sich nun viel mehr ins Innere gekehrt, vielleicht sich sogar auch ein Stück weit von unser aller Mutter Natur entfernt, womöglich von den überall lauernden Zweifeln ein wenig angenagt. Es ist wahrscheinlich das bisher persönlichste Album von Anna, durchwoben von vielerlei Überlegungen zu dem Überthema Existenz. Die dauerhafte Unwissenheit, der unbekannte Grund unseres Daseins und Tuns (An welchem Ufer stranden wir? Selbst Religionen spiegeln nur unsere Wunschvorstellungen wider, doch wirkliche Antworten haben auch sie nicht!), das beschäftigt zwangsläufig alle irgendwann im Laufe ihres irdischen Lebens. Somit lassen sich so negativ behaftete Wörter wie Tod oder Leere immer häufiger in den Lyrics der Songs ausmachen, und sie kulminieren letztlich im achten und letzten Stück „Bez Nas“ (übersetzt „Ohne uns“). Irgendwann wird garantiert alles vorbei sein, keine menschliche Erinnerung, kein Name wird bleiben, keine Spur von unser einstiger Existenz Zeugnis ablegen… Nur das Licht der Sterne, das dann vielleicht ganz neue Welten und Geschichten beleuchten wird, vermag evtl. ewig zu bestehen…

Musikalisch setzt Anna – wie gehabt – auf teils recht einfach erzeugte, dafür aber sehr ausdrucksstarke und sich vielmals wiederholende Klangmuster sowie polyphone Gesangsarrangements, die sich stets zu absolut wohlklingenden Melodie-Fragmenten und starken Refrains auftürmen. Annas Gesänge sind auch nach wie vor das markanteste Erkennungszeichen von Ols, was ihre Kompositionen einzigartig und unnachahmlich macht. Bis jetzt gibt es wahrscheinlich kein weiteres Projekt in dem breiten Umfeld des zeremoniellen Neofolks, das ähnliche Schwingungen verbreiten könnte. Und obwohl diese erneut sehr melancholisch gefärbt sind, ist die zarte Hoffnung doch immer irgendwo in dem teilweise äußerst zerbrechlichen Klangbild versteckt. „Poswiaty“ ist gewissermaßen der Inbegriff einer bezaubernden Melancholie!

Tracklist
1. O Niej
2. Proch Kosc lisc
3. Swiatlo III
4. Pierwszy Mit
5. Mow Do Mnie
6. Marzec
7. Matka Krew
8. Bez Nas

Geschrieben von Adam am 9. Juli 2026