Furis Ignis - Turm

Furis Ignis – Turm

Iron Bonehead Productions
2022

Die EP „Turm“ ist das zweite Output des Einzelkämpfers Tyrst, das dem Debütalbum „Decapitate the Aging World“ folgt. Beide Releases kamen 2022 heraus, was schon ca. vier ganze Jahre zurückliegt, in denen scheinbar nichts weiter bei Furis Ignis passiert ist. Aber egal, Qualität braucht schließlich ihre Zeit, und die Songs dieser EP lassen sich ganz klar in die obere Kategorie des deutschen Black Metals einordnen. Dabei ist es schon anhand der Cover-Optik offensichtlich, dass sich die schwarze Schaffenskunst von Tyrst an die zweite, von nahezu allen Schwarzmetallern extrem wertgeschätzte Welle des Black Metals anschmiegt. Doch bei allen Ähnlichkeiten zu einigen wegweisenden Vorreitern des Genres, weiß er sehr geschickt seine eigenen, ein wenig anders geschmiedeten Brücken über die tiefen sowie zerrütteten Klüfte und bodenlosen Schluchten der endlosen Finsternis zu schlagen. Der geniale Opener „Vanguard of Black Years“ fährt kurzerhand und ohne zu fackeln gleich so ziemlich alles auf, was einen furiosen Black Metal ausmacht, wie scharfkantige sowie leidenschaftlich vorgetragene Riffs, die selbst so einer Band wie Darkthrone besser zu Gesicht stünden als all das, was sie aktuell unter dem Mantel ihrer glorreichen Vergangenheit verzapft. Tyrst bedient sich aber bei Furis Ignis nicht nur bei der zweiten Welle, auch die erste schimmert hier in einigen spürbaren Vibes definitiv hindurch, bevorzugt an den Stellen, wenn die Gitarrenklänge ein wenig an den Thrash der 80er Jahre erinnern, oder wenn das Tempo, wie im zweiten Song „To Trespass the Commandments of Tangible Being“ deutlich herabfällt und der Gesamtsound dadurch spürbar asketischer, doch keineswegs langweiliger wird. Nur die Überleitung zum Titeltrack, das Intermezzo „From Unremembered Dark Pagan Dreams“, wirkt recht austauschbar, doch der deutschsprachige und längste, über elfminütige „Turm“ legt anschließend noch so einige Schippen drauf und verzaubert mit einer noch größeren Vielfalt sowie spannenden Lyrics. Hier kommen, ca. im letzten Viertel, zusätzlich sogar noch stimmungsvolle Keyboards zum Erklingen, was den Sound insgesamt noch ein wenig abrundet und aufwertet. Der letzte Track „Die Enthauptung der alternden Welt“, der eine offensichtliche Verbindung zu dem Debütalbum herstellt, ist dann überraschenderweise auch kein Black-Metal- sondern ein reinrassiges Dark-Ambient- bzw. Dungeon-Synth-Stück. Aber einer von der Sorte, den man nicht skippt, denn auch dieser ist sehr durchdacht und dürfte so manch einen Dungeon-Synthetiker vor Neid erblassen lassen. Alles in allem ist „Turm“ ein absolut gelungenes Mini-Album, mit dem man gar nichts falsch machen kann.

Tracklist
1. Vanguard of Black Years
2. To Trespass the Commandments of Tangible Being
3. From Unremembered Dark Pagan Dreams
4. Turm
5. Die Enthauptung der alternden Welt

Geschrieben von Adam am 28. Juni 2026