Thiudareiks - Tyrant of the Raven Throne

Thiudareiks – Tyrant of the Raven Throne

Thundra Records
2025

Dem Albumtitel nach zu urteilen, könnte man meinen, mit „Tyrant of the Raven Throne“ eine brandneue Immortal-Scheibe in den Händen zu halten. Und zugegeben: Einige Soundeskapaden dieses Werkes tangieren zwar die berühmten Norweger, wie etwa der Beginn des Songs „Vae Victis“, der an die „Battles in the North“ erinnert, doch Thiudareiks kommen aus Finnland und orientieren sich dementsprechend viel stärker am Black Metal aus dem Land der tausend Seen. Und das relativ schnörkellos und ziemlich klassisch, ganz im Geiste des Back Metals der kultigen 90er Jahre. Die Wurzeln der Bandgründung von Thiudareiks reichen sogar auch bis in das Jahr 1997. Irgendwann um die Jahrtausendwende wurden dann die ersten Demo-Songs eingespielt und auf einigen ausgewählten Konzerten (wohl nur) dem lokalen Publikum live dargeboten, doch danach kam – aus Line-Up- und welchen weiteren Gründen auch immer – eine extrem lange Zeit der absoluten Stille. Die Glut im Herzen der Thiudareiks-Streiter ist aber scheinbar nie wirklich zum Erlöschen gekommen, und so wurde im Februar des Jahres 2022 mit „Of Entering the Endless Plains“ endlich die erste offizielle EP, die mehr oder weniger schon lange fertig auf Eis lag, über Foul Death Productions veröffentlicht. Und dieser folgt nun dieses Debütalbum, das über Thundra Records auf CD und Tape (66 Stück) herausgegeben wurde.

Die sechs (die beiden das Album einrahmenden Interludien „Raven“ und „Runen“ nicht mitgezählt) für den „Tyrant of the Raven Throne“ geschmiedeten Songs zeigen von Anfang an Zähne und zeugen von einer entschlossenen Kompromisslosigkeit, die keinerlei Abweichungen duldet. „The Moors Receive What’s Theirs“ bedeckt den Himmel sogleich mit tiefhängenden Regenwolken und entführt mit seinem stampfenden Rhythmus den Hörer auf relativ unwegsames Gelände. Die permanent kreischende Stimme von Balaur untermalt diese aufkommende Düsternis auf eine passable Art und Weise, während die sich immer mehr zu einem Geschwindigkeitsrausch steigenden und in spannenden Akustikmustern aufheulenden Gitarren eine regelrechte Hetzjagd veranstalten. Dabei werden zyklisch sowohl thrashig wie auch melodisch motivierte Abstecher getätigt, ohne jedoch die lupenreinen Black-Metal-Pfade zu verlassen. Dass sie nicht einfallsreich wären, das kann man den finnischen Jungs (wobei der Gitarrist Rigurwothis Rex seine Wurzeln in Deutschland hat) definitiv nicht absprechen. Ihr Erfindungsreichtum liegt aber bevorzugt in den vielen feineren Nuancen verborgen, und diese lassen sich nicht jedem Ohr sofort erschließen. Dass Thiudareiks aber auch anders können, das beweisen sie mit dem Song „Pre-Armageddic Death“. Dieser trumpft mit einer zielsicheren und alles niedermähenden, für den finnischen Black Metal charakteristischen Melodieführung auf, ähnlich wie man es von so einer Band wie z. B. Totenwache (ja, diese Band kommt aus Deutschland, orientiert sich aber am finnischen Black Metal und klingt dabei finnischer als so manch eine finnische Band) her kennt. Dieser Song holt zumindest jeden gleich beim ersten Mal ab. Doch als Vergleich für Thiudareiks würde ich eher so eine Band wie Rimfrost nennen wollen (eine von vielen Bands, denen leider nicht wirklich die ihnen gebührende Anerkennung zuteilwird), da dies von der rein kompositorischen Herangehensweise viel besser zu dem hier vorgestellten Liedgut passt.

Zum Schluss bleibt noch die große offene Frage, ob die Band nach so vielen Jahren der Abwesenheit jetzt noch den Anschluss findet und sich in die Herzen der noch vorhandenen Schwarzmetaller – der mickrig aufgestellte, kaum sichtbare bzw. quasi nichtexistente Black-Metal-Nachwuchs kann eigentlich komplett vernachlässigt werden – spielen kann. Verdient hätte sie es allemal! Denn wäre dieses Album in den 90ern erschienen, würde man hier jetzt womöglich über eine Kultscheibe oder zumindest einen Hidden Gem sprechen können.

Tracklist
1. Raven
2. The Moors Receive What’s Theirs
3. A Throne for You
4. Fertile Funeral Ground
5. Necromaidian Flesh
6. Pre-Armageddic Death
7. Vae Victis
8. Runen

Geschrieben von Adam am 3. Juni 2026