Urisk - Shrivelling Lights

Urisk – Shrivelling Lights

Eigenproduktion
2025

Die Bonner Band Urisk ist aktuell in dem vielfach verschachtelten und undurchdringlichen Black-Metal-Underground voll angesagt. Der Grund dafür dürfte nicht nur die starke Demo-Aufnahme – welcher nun dieses erste Full-Length-Album folgt – sein, sondern auch die sympathische, jedoch recht unscheinbar wirkende – ja, die Band kommt ganz ohne der im Black Metal üblichen Kriegsbemalung wie aggressiven Künstlernamen aus – Fronterin Marleen Bügener. Mit ihrer stark emotional aufgeladenen Stimme vermag sie ganz bestimmt selbst noch so manch einen erfahrenen Schreihalsveteranen erblassen zu lassen (was man hinter dem Corpsepaint zum Glück nicht sehen kann). Der urwüchsig dichte, das Blut in Wallung bringende Instrumentalsound der zweiten Urisk-Säule, namentlich Benedikt Brixius, bietet aber auch den absolut stimmig aufbereiteten Nährboden, um sich in diesem sehr extremen wie expressiven Genre vollkommen ungeniert entfalten zu können. Deshalb geht auf „Shrivelling Lights“ natürlich auch für jeden Hörer sofort die schwarze Sonne auf, kaum dass das erste Stück „Moonburnt“ mit vollster Wucht des nach allen Regeln der Kunst komponierten Black Metals nach vorne prescht.

Obwohl man hier thematisch voll auf schottischen Pfaden umherwandelt: Die leicht norwegische Ausprägung von „Moonburnt“ lässt sich wohl nicht leugnen, schimmert sie doch teils durch die sehr atmosphärischen, schon fast Ulver-artigen Gitarrenarrangements hindurch, teils durch die etwas ruhigeren, vor naturnaher und sakraler Anspannung knisternden und dem Bass mehr Raum zur Entfaltung gebenden Momente, in denen der volle Mond mit seiner ganzen Intensität am geistigen Himmel steht und einen erleuchtet. Marleen wechselt dabei mehrmals von ihrem furiosen Keif- zu helltönenden Klargesang, der an den Folk-Metal-Klassiker „Nordavind“ von Storm bzw. entfernt auch an die alten Tristania-Scheiben erinnert. „Grip of Fog“ ist dagegen etwas progressiver unterwegs, es gibt mehr holprige Strukturen und nicht vorhersehbare Überraschungen sowie Wendungen, also etwas, was einige vielleicht ganz klar als den musikalischen Overload bezeichnen werden, doch für andere wiederum die schon länger gesuchte und so dringend benötigte Overdose ist. In diesen vorgezeichneten Schattierungen geht es mit den vier weiteren Songs des Albums dann ähnlich weiter. „Urisk“ – darunter versteht man übrigens das das Cover-Artwork zierende schottische, Musik liebende und gutherzige Mischwesen aus Tier und Mensch – setzt dabei auf weniger Tempo als die beiden Tracks davor und wirkt dadurch über weite Strecken arg verregnet und etwas melancholisch. „Harbinger of Despair“ zeichnet zur Beginn erst noch ein verspieltes und von daher sehr spannendes Intro, „Shadow of My Lunacy“ entwickelt sich im Verlauf zu einem total lichtlosen Nachteinbruch, während das letzte Stück „An Eala Bhàn“ mit etwas abstrakt klingenden Piano-Anschlägen freudig aufhorchen lässt. Alles in allem bieten die „Shrivelling Lights“ enorm viele interessante Ansätze, die es zu entdecken und erforschen gilt, nicht zuletzt in den interessanten Lyrics.

Urisk beweisen auf ihrem eine erdige Tristesse versprühenden Debüt, dass in Zukunft fest mit ihnen gerechnet werden muss. Ihre Melange aus norwegischer, schottischer und klassisch deutscher Black-Metal-Schule überzeugt auf Anhieb und macht sie zu einem der vielversprechendsten Newcomer des Jahres 2025!

Tracklist
1. Moonburnt
2. Grip of Fog
3. Urisk
4. Harbinger of Despair
5. Shadow of My Lunacy
6. An Eala Bhàn

Geschrieben von Adam am 22. November 2025