Drudensang-Interview

Interview mit Drudensang

Die Authentizität betreffend gibt es gewiss nur wenige Ausnahmebands, die nach außen hin dermaßen in sich gefestigt und ehrlich erscheinen wie Drudensang es tun. Wasser predigen, aber Wein saufen, das können und praktizieren nämlich ganz viele. Doch Feuer predigen und in diesem kompromisslos auf- und, falls es der Sache absolut dienlich ist, auch untergehen, das können bzw. wagen nur die allerwenigsten. Dies ist aber mit Sicherheit mit der gewichtigster Grund, warum die bayerische Band überall den vollsten Zuspruch erntet, egal wo sie aufschlägt. Was es nun aber genau damit auf sich hat, das erzählt uns Krámpn, Bassist und Vokalist dieser Black-Metal-Horde, nun in allen Einzelheiten.

Krámpn, ich grüße Dich und hoffe, Dich in bester Gesundheit vorzufinden! Ihr seid gerade auf Tour gewesen, unter anderem auch in unseren nordwestlichen Breitengraden. Wie war denn die Stimmung dort, wie wurdet Ihr vom Publikum auf- und wahrgenommen?

Das Publikum befand sich überwiegend auf demselben Level wie wir. Die Leute waren bereit für Inspiration, sie waren bereit Herz und Wahrnehmung zu öffnen. Es herrschte eine aggressive Atmosphäre, was extrem wichtig ist, denn Aggression ist eine der Quellen, aus der wir unsere Energie schöpfen. Vergleichbar in etwa mit dem Zustand der mystischen „Compunctio“, wenn Energien empfangen und kanalisiert werden. Ein Zustand, der jenseits des Menschlichen liegt. Die Konzerte waren ein mächtiges Ereignis, es war Magie.

Das kann ich mir wirklich sehr gut vorstellen! Überall, wo ihr mit Drudensang aufkreuzt, da knistert die Luft ganz sicher vor archaischer Kraft. Schließlich speist sich Euer Black Metal aus traditionellem Brauchtum, aus Riten und Sitten, die in Euren heimatlichen Regionen die Zeit bis heute überdauert haben. Habt Ihr Euch schon dafür interessiert, bevor Ihr die Band gegründet habt? Oder habt Ihr womöglich erst nach der Bandgründung nach einem geeigneten, noch kaum bis wenig beackerten Betätigungsfeld gesucht und seid auf die Idee mit den Druden, dem Krampus und den ganzen dazugehörenden Kontext gekommen?

Nun, wir haben uns schon Jahre vorher damit auseinandergesetzt und dies auch ausgelebt. In unserer Region wird man ja mehr oder weniger in diese Riten hineingeboren und wächst damit auf; somit hätte man generell eine sehr gute Voraussetzung, sich damit intensiver zu befassen, aber es sind leider nur wenige, die dieses Feuer am Lodern halten. Viele wenden sich auch davon ab, weil die Gesellschaft große Angst und Abscheu vor teuflischen Berührungspunkten besitzt. Wir hatten also in jüngeren Jahren demnach schon starke Verbindungen, haben diese intensiviert und beschlossen, diesen Pfad einzuschlagen; und sind dann auch ein Teil davon geworden. Parallel dazu ist auch unsere Passion für die Musik stetig gewachsen, und als Drudensang aus den tiefen Abgründen gekrochen ist, sind regionale Riten, Mythen und Teufelsanbetung mit dem Blut und Feuer unserer Musik verschmolzen.

Du hast also schon als Kind eine starke Faszination für diese dunklen Brauchtumsriten und Geschichten gespürt? Hast also keine Angst vor den „bösen“ Teufelsgestalten gespürt und bist quasi von der dunklen Seite der Macht direkt und einvernehmlich verführt worden? Oder kann diese Anziehungskraft auf etwas ganz Bestimmtes bezogen werden?

Angst? Nein, die Teufelsgestalten waren nie eine Bedrohung, sie waren eine Offenbarung. Der Tod lügt nicht, der Teufel verschweigt nichts, und der Krampus zeigt das Tierische, das wir alle verbergen. Schon als Kind wusste ich: Die Dunkelheit verführt nicht, sie ist schlicht ehrlicher als das Licht.

Angst war auch nie das richtige Wort dafür. Schon als Kind habe ich gespürt, dass hinter all diesen Gestalten – ob Teufel, Tod oder Krampus – viel mehr Wahrheit steckt als in all den frommen Lügen, die man uns immer erzählt. Die sogenannten „bösen“ Mächte waren für mich nie Bestien, die man fürchten muss, sondern Spiegelbilder des Unausweichlichen. Der Tod ist ehrlicher als jedes Versprechen auf ein Paradies, und der Teufel ist näher an der menschlichen Natur als jeder Heilige.

Der Krampusbrauch hat mich deshalb auch nicht abgeschreckt, sondern fasziniert. Dieses archaische Ritual, bei dem Angst und Lust ineinanderfließen, wo Menschen erzittern, aber gleichzeitig gebannt sind. Das ist keine banale Folklore, sondern ein Tor zu einer uralten Wahrheit, welche besagt, dass wir in unserem Innersten ebenso von der Dunkelheit wie vom Licht angezogen werden. Wenn Du es so willst, habe ich die Hand der „dunklen Seite“ nicht widerwillig ergriffen. Sie hat mir einfach nur gezeigt, dass sie schon immer ein Teil von mir war.

Dass Menschen, die sich zum Licht hingezogen fühlen und die Dunkelheit verteufeln, oftmals (aber nicht immer!) heuchlerisch rüberkommen, dem kann nicht widersprochen werden. Aber es gibt sicherlich auf beiden Seiten der Dualität – das ist die Kraft, welche die uns bekannte Vielfalt erst möglich macht – schwarze Schafe. Nachahmer oder Musiker, die ohne echtes Herzblut ans Werk gehen, Menschen, die alles nur fürs Geld machen, um nur die armseligsten zu nennen. Auf welchem ideologischen Pfad seht Ihr Euch selber wandern? Und was tut Ihr sonst noch so, um die Fackel des Brauchtums am Leuchten zu halten? Perchtenläufe? Nimmt Ihr vielleicht auch aktiv an diesen teil?

Wir wandern jenseits des Pfades, den Licht oder Schatten allein zu zeichnen vermögen. Denn dort, wo sich beide in ewiger Umarmung verzehren, liegt die wahre Quelle – das schwarze Herz der Schöpfung, der göttliche Funke, den die alten Gnostiker im Abgrund suchten. Der schmale Grat zwischen Geburt und Verwesung, zwischen Erkenntnis und Wahnsinn. Dort erhebt sich unser Kult. Nicht als Pose, nicht als Kunstgriff, sondern als Opferfeuer, das sich selbst verzehrt.

Drudensang ist keine Flucht in das Finstere, sondern eine Rückkehr in das Heilige, das der Mensch längst vergessen hat. Wir verehren nicht den Teufel als Feind, sondern als Spiegel des göttlichen Ursprungs – den ersten Funken der Rebellion, aus dem alles Bewusstsein geboren wurde. In seinem Schatten lodert die wahre Sonne, jene, die nur durch die Nacht hindurch sichtbar wird.

Diejenigen, die vom „Licht“ sprechen und sich dabei für „rein“ halten, sind oft nur geblendet vom Schein ihrer eigenen Feigheit. Ebenso verachten wir jene, die die Dunkelheit zum Spielzeug machen – leer, ästhetisch, markttauglich. Beide sind Teil derselben Krankheit: Entfremdung vom Heiligen.

Wir selbst finden unsere Wurzeln in den alten Riten, im Atem der Rauhnächte, im Läuten der Glocken, die das Winterdunkel zerschneiden. Der Krampus- und Perchtenlauf, das Stampfen der Hufe, das Knurren der Hörner – all das ist für uns kein folkloristischer Rest, sondern ein lebendiges Sakrament. Der Krampus- und Perchtenlauf ist für uns kein Spektakel, sondern ein Opferritual, ein Durchgang zwischen den Welten. Wenn die Masken fallen und der Dampf aus den Mäulern steigt, dann sind Mensch und Dämon/Teufel eins, und das Feuer der tiefsten Abgründe brennt in uns weiter.

So halten wir die Fackel des Brauchtums nicht durch Nostalgie am Leuchten, sondern durch Blut, durch Rauch und durch den Klang, der wie ein Schwur über die Gipfel hallt. Wir sind keine Bewahrer – wir sind die Flamme selbst. Und solange sie brennt, wird der Winter niemals enden. Unser Weg ist jener, der zwischen den Sternen und den Knochen verläuft. Wir folgen ihm, bis die Nacht uns wieder verschlingt.

Ein Brauch, der bloß gepflegt wird, um nicht zu sterben, ist längst verfault. Sein Herz schlägt nicht mehr, sein Rauch steigt kalt auf – ein toter Kult, geschändet durch Routine. Denn was einst als lebendige Flamme geboren ward, darf nicht durch blinde Hände weitergereicht, sondern muss in Fleisch und Geist wiedergeboren werden. Nur wer sich selbst in das Opfer verwandelt, dem der Brauch einst diente, nur wer brennt im gleichen Feuer, das ihn erschuf, kann ihn wahrhaft lebendig halten. Alles andere ist nur das Rascheln trockener Haut im Wind – ein Schatten, dem das Blut entzogen wurde.

Viele mögen sich jetzt womöglich fragen, wie man von einer Sache überhaupt dermaßen – ich nenn es mal absichtlich so – besessen werden kann. Schließlich regiert prüde Halbherzigkeit die gesamte Szene, Poser, wo man nur hinschaut, nicht nur auf der Bühne, sondern vor allem auf der anderen Seite der Black-Metal-Welt. Siehst Du das auch so ähnlich, oder wie sieht diese Szene durch Deine Augen aus?

Besessenheit… Das ist kein Zustand, den man wählt. Es ist etwas, das einen wählt. Etwas, das einen findet, einen verschlingt und neu gebärt – gereinigt im Feuer des Chaos. Wer das nicht erlebt hat, kann niemals verstehen, was Black Metal wirklich ist. Diese Musik, diese Kunst, diese Macht – sie ist ein Werkzeug, um den Kontakt zu Kräften herzustellen, die älter und wahrer sind als die Welt selbst. Wenn wir spielen, dann öffnen wir Tore, nicht Bühnen. Es ist ein Akt der Opferung, ein brennendes Gebet an das, was jenseits von Fleisch und Licht liegt.

Dass heute so viele die Szene mit Halbherzigkeit erfüllen, ist keine Überraschung, es ist der Lauf der Dinge. Wo es Licht gibt, da kriechen die Schatten, und wo ein echtes Feuer brennt, da kommen die Motten. Diese sogenannte „Szene“ besteht größtenteils aus Leuten, die sich nur an der Ästhetik berauschen, aber nie Blut gekostet haben – im übertragenen wie im wörtlichen Sinn.

Dass viele heute die Szene mit leerem Stolz und Pose füllen, ist unbedeutend. Sie dienen unbewusst der gleichen Flamme, indem sie zeigen, wer nicht dazu gehört. Denn Black Metal war nie für die Masse gedacht. Es ist ein schmaler Pfad, auf dem man leicht verbrennt, wenn man ihn nicht mit ganzem Herzen geht. Die Existenz der Halbherzigen macht die Wahrhaftigen nur umso deutlicher sichtbar.

In dieser Hinsicht ist „die Szene“ für uns eine Illusion. Wir gehören keinem Kreis aus Menschen an – wir gehören einem Kreis aus Geistern, aus Blut, aus Feuer. Drudensang ist keine Band im gewöhnlichen Sinn. Es ist ein Gefäß. Und wenn dieses Gefäß überläuft, dann fließt es als Opfergabe an das Chaos, an den Tod, an den Teufel selbst.

Black Metal ist kein Spiel, kein Kostüm, keine Subkultur. Es ist ein Ritus. Und nur wer bereit ist, sich darin zu verlieren, kann überhaupt begreifen, was es bedeutet, besessen zu sein.

Da sagst Du was Wahres! Gerade im Netz tummeln sich echt viele Möchtegerns und Alles-Besserwisser, die aber stets nur aus den hintersten Reihen auf alles feuern, was ihrer Meinung nach irgendwo falsch läuft. Doch in erster Reihe zu stehen, die Flamme des Black Metals auf irgendeine Art und Weise am Leben zu erhalten, das tun nur die allerwenigsten. Es ist ja auch viel einfacher, sich etwa über eine Band, die krankheitsbedingt ausfällt, lustig zu machen und ihr irgendwelche sinnfreien Untrue-Attitüden vorzuwerfen, als selber irgendwelche Opfer zu bringen und etwas auf die Beine zu stellen, anstatt den Black Metal nur zu konsumieren und kostümieren. Solche Leute sind – wie Du schon sagt – nur das Brennholz, das als Opfergabe zu Asche verbrennt… Doch solche falschen Kerzen sind oftmals auch diejenigen, die vielen musikalisch minderwertigen wie fragwürdigen bis hin zu braunen Bands eine Existenzgrundlage bieten. Und diese ziehen wiederum den gesamten Black Metal in den braunen Sumpf hinein. Ihr müsst Euch mittlerweile auch damit auseinandersetzen, dass man Euch einen brauen Anstrich verpassen möchte und Eure Konzerte deswegen boykottiert werden, wenn ich richtig informiert bin. Stimmt das? Dabei müsste es jedem, der sich Eure Ästhetik, Lyrics usw. anschaut, sofort einleuchten, dass Ihr aber auch gar nichts mit NSBM zu tun habt.

Wenn du das Feuer in der Dunkelheit entzündest, wirst du automatisch jene anziehen, die nur Schatten sehen. Der Mensch hat die Tendenz, alles, was er nicht versteht, mit dem Dreck seiner eigenen Angst zu bemalen. Und so versucht man, auch uns in Farben zu tauchen, die mit unserer Essenz nichts zu tun haben. Aber Drudensang war nie dazu bestimmt, in irdische Kategorien zu passen. Wir sprechen eine Sprache, die älter ist als Politik, älter als Ideologie – eine Sprache aus Blut, Schwefel und Geist.

Es ist leicht, vom sicheren Ufer aus mit dem Finger zu zeigen und das Chaos zu deuten, ohne jemals im Sturm gestanden zu haben. Der Mensch hat Angst vor dem, was ihn an seine eigene Dunkelheit erinnert. Und Drudensang war nie dafür da, ihn zu trösten. Wir sind ein Spiegel, geschmiedet aus Schwefel und Blut – und wer hineinsieht, erblickt nicht uns, sondern sich selbst.

Was diese oberflächlichen Anfeindungen betrifft: Sie sind das Echo einer Zeit, in der alles kategorisiert, vereinfacht und entwaffnet werden muss, damit es gefahrlos konsumierbar bleibt. Aber Black Metal, wie wir ihn leben, ist kein Konsumgut. Er ist eine sakrale Praxis, ein Ritus des Willens, geboren aus Tod, Leidenschaft und dem Willen zur Transzendenz.

Diejenigen, die uns Brandzeichen aufdrücken wollen, handeln aus einem tiefen Bedürfnis nach Kontrolle. Doch das, was wir repräsentieren, entzieht sich jeglicher Kontrolle. Black Metal ist für uns kein Genre, sondern ein alchemistischer Prozess: Die Verwandlung von Schmerz in Macht, von Tod in Leben, von Chaos in Offenbarung. Diese Kraft ist gefährlich, weil sie die Seele zwingt sich zu erkennen, und genau das wollen die meisten vermeiden.

Natürlich gibt es Menschen, die in diesem Strom nur die Oberfläche sehen, die Pose, den Lärm. Sie verbrennen nicht mit, sie stehen daneben und wärmen sich kurz an der Glut, bevor sie wieder in ihre sterile Welt zurückkehren. Aber das Feuer verlangt Opfer, und wer sich ihm wirklich nähert, wird verändert, gezeichnet, vielleicht sogar zerstört.

Dass man uns deshalb boykottiert, ist fast eine logische Konsequenz. Denn was wir tun, ist kein Spektakel. Es ist ein Ritus. Und Rituale, die aufrichtig sind, zerschneiden die Masken dieser Welt. Das wird immer jene beunruhigen, die ihre Identität aus Angst gebaut haben.

Dass manche uns mit ideologischen Farben beschmieren wollen, zeigt nur, wie wenig sie verstehen, dass wir längst jenseits dieser weltlichen Schablonen existieren. Drudensang ist kein politisches Wesen oder eine politische Bewegung – Drudensang ist eine Flamme. Und diese Flamme frisst jede Lüge, jedes Etikett, jedes Missverständnis, bis nur noch Asche bleibt.

Drudensang ist ein Gefäß, durch das der Geist des Chaos atmet. Ein Instrument, um den Schleier zu zerreißen, der die Menschen von ihrer eigenen Dunkelheit trennt. Wir dienen nicht den Mächten dieser Erde, sondern dem, was jenseits davon brennt.

Wer das begreift, wird verstehen, dass wir nicht gegen etwas stehen, sondern für etwas, das größer, älter und schrecklicher ist, als alle Systeme des Menschen. Und solange diese Flamme in uns lebt, wird sie alles verzehren, was faul, feige und falsch ist. Denn das ist der Sinn des Feuers.

Exakt, der omnipräsente Teufel schert sich sowieso nicht um irgendeine von Menschen erdachte, egal ob aus Minder- oder Höherwertigkeitskomplexen geborene Ideologie oder Einstellung. Er erfreut sich an der allgemeinen Einfältigkeit des Menschen und reibt sich dabei die Hände. Aber war dieses Boykott nur ein Einzelfall, oder häuft sich das mittlerweile womöglich? Und angefangen hat das Ganze nach Eurem Auftritt auf dem UTBS, richtig? Under the Black Sun möchte man anscheinend als Pendant zum finnischen Steelfest abgestempelt wissen, scheint es mir…

Ja, Du hast recht, der Teufel lacht über all diese kleinen Ideologien, über die moralischen Panikattacken der Menschen. Es ist immer wieder dasselbe Schauspiel: Wenn etwas auftaucht, das sie nicht verstehen oder kontrollieren können, dann beginnen sie, es zu etikettieren, zu diffamieren, zu bannen. Boykott, Shitstorm, Cancel Culture – es sind moderne Formen des Exorzismus, ausgeführt von Leuten, die längst keine Seele mehr haben.

Nach dem UTBS 2019, oder vielleicht sogar schon früher, tauchten solche Reaktionen immer wieder mal auf, aber sie sind keine Welle, kein sich häufendes Phänomen. Es sind vereinzelte Stimmen, die hin und wieder aus der Dunkelheit schreien und mit dem Finger zeigen, aus denselben Gründen wie immer: Angst, Missverständnis, geistige Schwäche. Solche Dinge kommen und gehen. Sie sind zyklisch, nicht kumulativ.

Was allerdings gesagt werden muss: Das UTBS-Festival selbst hat mit dieser ganzen Thematik nichts zu tun. Dieses Festival ist kein politisches Statement und nie eines gewesen. Es ist ein Ort, an dem Black Metal in seiner reinen Form zelebriert wird, ohne ideologische Fesseln, ohne diese menschlichen Deutungsmuster, die alles verflachen. Dass manche versuchen, es in irgendeine politische Ecke zu drängen, sagt mehr über sie selbst aus als über das Festival.

Was diese Leute nie verstehen werden, ist, dass Drudensang keine politische Entität ist, keine soziale Bewegung, kein Kommentar zur Gegenwart. Drudensang ist ein Werkzeug von Tod und Teufel, von Chaos. Ein Kanal für das, was jenseits von Moral, jenseits von Ideologie, jenseits von Menschlichkeit existiert.

Der Teufel braucht keine Fürsprecher. Er existiert nicht, um irgendeine Agenda zu stützen. Er ist der Atem hinter allen Dingen, die leben und vergehen. Und wenn Menschen sich an unserer Präsenz stoßen, dann nur, weil sie etwas in sich selbst erkennen, das sie lieber vergessen würden. Das Feuer in unseren Herzen ist älter als ihre Angst, und es brennt weiter, unabhängig davon, wer applaudiert oder wer mit Steinen wirft.

Eindeutiger kann man es nicht sagen! Eure tiefsitzende Überzeugung und die Manifestation dieser in Eurer Musik ist stärker als die ganzen sozialen, gesellschaftlichen und – so muss man es sagen – im Kern eigentlich ganz banalen Stürme dieser Welt. Das bringt mich zu der Frage, ob Ihr nicht vielleicht einen Rat für all jene Streichhölzer parat habt, die ebenso wie Ihr dauerhaft für eine Sache würden brennen wollen, es aber aus irgendwelchen Gründen nicht schaffen. Gibt es da etwas, was man aus Deiner Sicht tun könnte? Und zum anderen noch eine persönliche Frage: Welchen Stellenwert nimmt Drudensang in Deinem Leben ein? Würdest Du evtl. eine Beziehung zu einem wichtigen Menschen oder eine andere gesellschaftliche Konvention opfern, wenn der „Weg des Teufels“ es Dir abverlangen würde?

Das Feuer, von dem Du sprichst, ist kein Geschenk, das man einfach empfängt – es ist ein Fluch, der einen wählt.

Wer dauerhaft für etwas brennen will, darf sich keine Illusionen machen – es ist kein bequemer Weg. Das Feuer, das wir in unserer Musik manifestieren, kommt aus einer inneren Überzeugung, die keine Kompromisse kennt. Wer selbst brennen will, muss zuerst bereit sein, alles loszulassen, was ihn bindet: Gesellschaftliche Erwartungen, Sicherheit, Komfort… Also alles, was den Geist trübt und die Flamme dämpft. Inspiration ist keine Quelle, die man anzapfen kann, sie findet nur die, die sich selbst entblößen und die Welt in ihrer ganzen Kälte und Tiefe akzeptieren.

Drudensang ist für mich weit mehr als ein musikalisches Geflecht. Es ist ein Ausdruck von Überzeugung, ein Bekenntnis, ein Ritual, das mich mit etwas größerem, fast unnahbarem verbindet, mit Kräften, die älter sind als jedes Wort. Eine Brücke zwischen der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Auf diesem Weg sind persönliche Bindungen, gesellschaftliche Konventionen oder der Wunsch nach Normalität zweitrangig. Wenn der Weg des Teufels ein Opfer verlangt, sei es eine Beziehung, oder eine Norm, dann ist das Teil der Wahrheit, der man sich stellt. Es ist kein Verlust, sondern eine Bedingung des Feuers, das einen erfüllt.

Wer brennen will, muss alles ablegen, was die Flamme dämpft, und muss bereit sein alles andere zu verbrennen und zu Asche werden zu lassen. Opfer sind unvermeidlich!

Das Feuer bleibt, unaufhörlich und unbarmherzig.

Dass Ihr ein Dauerbrenner seid, das wird nicht nur durch den starken Zuspruch, den Ihr überall erhaltet, bestätigt, sondern auch durch die durchweg sehr hohe Qualität all Eurer Releases. Doch obwohl Ihr schon seit 2013 aktiv seid, habt Ihr neben einigen Demo-Aufnahmen, Splits und EPs erst ein einziges Album herausgebracht. Woran liegt das? Mögt Ihr lieber kurze und knackige Formate wie etwa die EP? Oder liegt dies womöglich daran, dass Ihr Euch nicht so regelmäßig treffen, proben und neues Material ausarbeiten könnt, wie Ihr es gerne hättet?

Drudensang existiert in einer Sphäre, in der Zeit keine Rolle spielt. Es gibt kein Konzept von „zu früh“ oder „zu spät“. Ein Werk entsteht, wenn der Schleier dünn genug geworden ist, dass etwas hindurchdringen kann. Das ist kein kreativer Prozess im herkömmlichen Sinne, sondern eine Art alchemistischer Wandel. Und solche Dinge geschehen wenn sie geschehen müssen, nicht, wenn jemand es erwartet.

Ein Werk, das aus unserem Kreis hervorkriecht, entsteht niemals aus einer bewussten Entscheidung. Es ist das Resultat einer inneren Erschütterung, die sich zwingend Bahn bricht. Wenn der Druck des inneren Feuers stark genug an unseren Knochen nagt, sucht er seinen Ausweg. Und manchmal führt dieser Weg zu einer EP, manchmal zu einem Album, manchmal zu einem einzelnen, pulsierenden Fragment.

Die äußere Form bedeutet uns nichts, solange die Essenz unverdorben bleibt. Eine EP kann dieselbe vernichtende Kraft tragen wie ein Album, vielleicht sogar eine schärfer gebündelte, wie ein Dolch statt einer langen Klinge.

Unsere Veröffentlichungen sind Gefäße für Geister. Manche verlangen Raum, Zeit, ein weites Feld, um ihren Hunger zu entfalten. Andere wollen nur explodieren – sofort, hell, tötend. Dass unsere Werke also nicht in regelmäßigen Abständen erscheinen, hat nichts mit mangelnden Proben oder fehlender Routine zu tun. Es liegt daran, dass solche Werke nicht geplant werden. Sie sind nicht entstanden, weil wir es so wollten, es ist aus uns herausgebrochen wie Blut aus einer frischen Wunde, roh, zwingend, unausweichlich.

Also bleibt uns jetzt nur eines zu tun: Euch ständig im Auge und natürlich auch im Ohr behalten, um ja nicht das nächste dunkle Drudenritual zu verpassen. „Geysterzvvang“, Eure brandneue, sehr melodisch sowie im Kern äußerst atmosphärisch ausgeartete EP kann absolut jedem Schwarzmetaller ans Herz gelegt werden. Ich wüsste zumindest keinen Grund, warum sie jemanden missfallen könnte. Das bringt mich gleich noch zu der Frage: Wie wichtig ist für Euch Melodie in der Musik? Man hört schon mal gelegentlich irgendwelche Black-Metal Kenner behaupten, dass Melodie nichts im Black Metal verloren hat, was aus meiner Sicht der Dinge totaler Unsinn ist. Gleichzeitig bedanke ich mich schon für das spannende und sehr ausführliche Interview, Krámpn! Euch weiterhin viele großartige Rituale und alles Gute für die Zukunft! Irgendwelche letzte Worte noch vielleicht?

Melodie ist kein Gnadenbrot, das wir unserer Musik freiwillig reichen. Sie ist ein Messer, das sich seinen Weg sucht, ob man will oder nicht. Für uns ist sie ein Träger des Feuers, ein Kanal, durch den sich das Unsichtbare manifestiert. Wer behauptet, Melodie habe im Black Metal nichts verloren, hat entweder Angst vor ihrer Kraft, oder derjenige hat nie begriffen, dass der Ursprung dieser Musik immer im Rausch, in der Ekstase, im Überschlag der Emotion lag. Der Wolf heult nicht monoton, und auch das Dunkle kennt unzählige Schattierungen.

Wenn Melodie ehrlichen Ursprungs ist, wenn sie nicht aus Berechnung, sondern aus Notwendigkeit geboren wird, dann ist sie ein Werkzeug des Willens – nicht weniger teuflisch als jede Raserei, nicht weniger makaber als jede dissonante Flamme. Das Entscheidende ist immer die Intention dahinter, nicht das Ornament.

Stay morbid!

Geschrieben von Adam am 9. Dezember 2025