Nordlys - Lichterglanz Finsternis

Nordlys – Lichterglanz Finsternis

Solstitium Records
2026

Schwer und stampfend bricht „Lichterglanz Finsternis“ von Nordlys über einen herein. Ganze unglaubliche 32 Jahre nach Bandgründung ist dies erst das erste Album des Trios aus Memmingen, das zur ersten Welle des deutschen Schwarzmetalls gezählt werden darf.

Wuchtig wummernd gehen Nordlys mit „Heimgang“ sogleich ans Eingemachte, einem Stück, das aus den Tiefen der Vergangenheit ein Licht in der Dunkelheit aufzeigt und atmosphärisch treibend ein Fortschreiten in die Zukunft besingt. Hiernach folgt der „Wolf“, zunächst mit mächtig krachenden Beats, die, als er die Witterung aufnimmt, etwas langsamer werden, nur um unmittelbar wieder anzuschwellen und die gnadenlose Hatz zu entfachen. Melodisch und gewaltig ist dieser Song, so wie die Geschichte des besungenen Fenrir von melancholischer Schönheit und roher Brutalität. Mit einer kurzen Gitarrenmelodie wird der Hörer sodann in die „Wilde Natur“ hineingetrieben. Schnelle, stampfende Drums, atmosphärische Gitarren und gezielt gesetzte Breaks erschaffen eine einzigartige Stimmung wie ein Sturm im Wald oder die krachende Brandung am Meer. Und dann bricht „Night!“ wie ein tosendes Gewitter über die Welt herein! Unerbittliche Beats bringen die absolute Finsternis, während der Gesang darum fleht, in ihren Schoß aufgenommen zu werden. Schleppend errichtet wird daraufhin das „Monument der Tränen“. Wahrhaft schwermütig getragen, doch von klaren Gitarrenklängen aufgehellt, welche aufleuchtenden Blitzen am schwarzen Himmel gleichen. Die folgende „Totenweihe“ gleicht dagegen einem Aufbegehren. Trotzig, widerstreitend und doch verzweifelt wie hilflos wird der Wunsch nach Verbundenheit geäußert, dem jedoch die bewusste Erkenntnis innewohnt, dass jedweder Hoffnungsgedanke vergeblich ist. Dieser wird dennoch auf „Disobey the One“ eingeprügelt und mit deftigem Groove verbreitet. Danach wieder eine kurze Abenddämmerung von Bass und Gitarre, und schon bricht die omnipräsente Nacht mit einem rockigen Riff auch bei den „Northern Lights“ herein. Dieser Track ist enorm abwechslungsreich und mit gewaltigen Soundgewittern und groovigen sowie ruhigeren Parts versehen, die alle sehr harmonisch ineinanderfließen.

„Lichterglanz Finsternis“ ist letztlich exakt so düster und dicht wie das Cover-Artwork es verspricht. Die Musik ist durchwegs atmosphärisch wie eine Sturmfront am Nachthimmel, von vielen aufblitzenden Soundelementen durchzogen. Ganz im Sinne der alten Schule wurde das Album überwiegend in Handarbeit produziert, die Aufnahmen im Studio angefertigt und richtige Amps statt Amp-Modeler verwendet. Manche Riffs stammen noch aus den 90ern, andere sind im Laufe der letzten drei Jahrzehnte entstanden. Ebenso zeigt das Songwriting eine große Vielfalt und lyrische Qualität, was die Reife des Albums zum Ausdruck bringt. Sämtliche Songs wurden in Freihand-Kalligraphie im Booklet abgedruckt, wodurch noch deutlicher die Wertschätzung sichtbar wird, welche die Band selbst ihrem Werk entgegenbringt.

Mit „Lichterglanz Finsternis“ schreiben Nordlys nicht nur ein Stück Bandgeschichte, sondern vereinen Erfahrung und Einflüsse, die das Album auch zur Black-Metal-Geschichte werden lassen. Von daher unbedingt supporten!

Tracklist
1. Heimgang
2. Wolf
3. Wilde Natur
4. Night!
5. Monument der Tränen
6. Totenweihe
7. Disobey the One
8. Northern Lights

Geschrieben von Jan am 15. September 2026