Skognatt - Of Mountains, Rivers and the Moon at Night / Andromeda

Skognatt – Of Mountains, Rivers and the Moon at Night / Andromeda

Fiadh Productions
2025

Mit „Of Mountains, Rivers and the Moon at Night“ und „Andromeda“ hat das Projekt Skognatt zwei EPs kreiert, die perfekt ineinandergreifen – zugleich naturverbunden und kosmisch, melancholisch und doch voller Weite. Sie wirken wie zwei Kapitel einer einzigen, größeren Reise: Erst durch neblige Wälder, dann hinaus in die sternenlose Leere.

„Of Mountains, Rivers and the Moon at Night“ trägt eine stille, ja nachdenkliche Energie in sich, die Art von Ruhe, die man nur in einsamen Momenten in der Natur spürt. Die Musik ist zunächst eher kontemplativ, im Laufe der EP wird jedoch auch echte Verzweiflung hörbar. Stimmungsbildlich fällt besonders der wiederverwendete Song „The River“ auf. Es ist ein Stück, das seinem Namen gerecht wird und in der Tat einen fließenden, stoischen Charakter besitzt, mit einer fast hypnotischen Dynamik. Die Gitarrenmelodien – deutlich von alten Katatonia beeinflusst – bauen sich langsam auf, immer wiederkehrend und doch nie ermüdend. Zwischen den härteren Passagen öffnen sich immer wieder akustische Zwischenräume, die an frühe Ulver oder Drudkh erinnern und jene Erhabenheit erreichen, ohne je zum bloßen Derivat zu verkommen. Für mich ist „The River“ der stärkste Titel dieser dreispurigen EP – zumindest bis ins letzte Viertel, wo einige etwas generisch anmutende Riffs kurzzeitig an der Atmosphäre reißen. Dennoch bleibt der Gesamteindruck stark und emotional nachvollziehbar; das Stück trägt den Geist der Veröffentlichung in sich wie kein anderes.

Ebenso bemerkenswert ist der Track „Moon“, der sich thematisch als eine perfekte Überleitung zum Konzept von „Andromeda“ erweist. Schon hier schimmert etwas von der kosmischen Stimmung durch, die auf der folgenden Veröffentlichung im Mittelpunkt steht. Die zunehmend trostloseren Gitarrenmelodien und Akustikpassagen sprechen von undefinierbarer Sehnsucht und Weltabgewandtheit; eine Resignation macht sich breit, die bereits andeutet, dass der Blick sich bald vollends von der Erde lösen wird. „Moon“ ist damit nicht nur ein würdiges Finale, sondern auch der erste Schritt hinaus ins All. Wo die erste EP noch von Erde und Wasser sprach, ist hier alles von Sternenlicht und Leere erfüllt. Der Sound ist weiter, synthetischer, das All eine Projektion der inneren Leere – eine natürliche Fortsetzung des bereits in „Moon“ Angedeuteten. Besonders „Alpha Centauri“ sticht hervor: Ein Stück, das zwischen treibendem Black-Metal-Schlagzeug, kalt pulsierendem Bass und Ambient-Passagen pendelt. Dabei tauchen punktuell die bereits aus „Of Mountains, Rivers and the Moon at Night“ bekannten flehenden Gitarrenmelodien wieder auf. Wenn dieser emotionale Eindruck im meditativen Outro „Nebula“ langsam verklingt, bleibt das Gefühl, irgendwo zwischen Bewusstsein und Auflösung des Selbst zu schweben.

Beide EPs sind durch ein ausgeprägtes Gespür für Atmosphäre verbunden. Die Musik setzt nicht auf Extreme, sondern auf Stimmung. „Of Mountains, Rivers and the Moon at Night“ zieht einen hinab in die Tiefe der Natur, „Andromeda“ hinaus in die unendliche Weite des Kosmos. Zusammen erzählen sie eine eindringliche Geschichte von Einsamkeit, Entfremdung, Schönheit und dem Staunen über das Unbegreifliche und ewig Unerforschte. DZ beweist damit erneut, dass Black Metal eigentlich erst ohne übertriebenes Pathos oder Dauerfeuer seine wahre Eindringlichkeit erreicht, und dass wahre, authentische Dunkelheit manchmal am leisesten klingt.

Tracklist
1. Mountains
2. The River
3. Moon
4. Andromeda
5. Cosmos
6. Alpha Centauri
7. Nebula

Geschrieben von Benni am 11. November 2025