Siechknecht - Pestmond

Siechknecht – Pestmond

Purity Through Fire
2025

Wer dem melodischen sowie atmosphärischen Black Metal verfallen ist, der kann sich von nun an auch noch den Namen Siechknecht fest in die Seele schreiben. Denn in Sachen Melodieführung sind die hier agierenden vier Herren einfach nur unerbittlich! Die ersten Akkorde der Leadgitarre beim Opener „Verbrannte Reigen“ zaubern ohne Vorwarnung jedem Knilch eine derart großartige Melodie in die Gehörgänge, dass man nicht umhinkommt, sich sofort heimisch in der pestgetränkten Klangwelt des Siechknechts zu fühlen. Andere, ebenso alles auf die Melodie-Karte setzende Bands, wie etwa Mavorim und ähnliche Acts sowie Bands, deren Namen man nicht aussprechen darf, müssen deshalb ab sofort höllisch aufpassen, um von den Newcomern (wobei hier erfahrene Recken an der musikalischen Werkbank stehen) nicht in die Schachmatt-Position gedrängt zu werden. Und auch das gesamte lyrische Konzept, das sich einer allgemeingültigen, mittelalterlich getränkten Thematik zuwendet, und das ohne mit dem erhobenen Finger auf irgendwen oder irgendetwas zu zeigen, ist künstlerisch definitiv um einiges wertvoller als beispielsweise die mittlerweile oft besungene, stets zu Fehldeutungen und indirekten Problemen führende und auf Dauer sich doch stark abnutzende, ermüdende wie langweilende Geisteshaltung à la „Mein-kleines-missverstandenes-Ich-gegen-die-große-böse-Welt“.

Der zweitplatzierte Titelsong „Pestmond“ nimmt das Tempo zwar etwas raus, setzt dafür aber auf einen gnadenlos treibenden und mitreißenden Rhythmus, der einer stürmischen und schicksalhaften Nacht gleichkommt und mit dem dazwischen eingestreuten Melodiefetzen jedem die Sinne für die unverhüllte Schönheit des Black Metals öffnet. Die gekreischten Lyrics sind dabei immer gut verständlich, so dass man ihnen selbst mit ungeübten Ohren noch mühelos folgen kann. Dadurch wird sicherlich so einigen die Zugänglichkeit – was auch als ein Pluspunkt gewertet werden kann, auch wenn man jetzt alle Trueheimer in ihre Bärte gemurmelt meckern hören kann – zu der Musik erleichtert, denn nicht wenigen ist es wichtig, das Gesungene auch richtig verstehen zu können. Der nächste und längste Song „Sieben Nägel und ein Gebet“ fängt eher typisch klassisch – nun gut, das fundamentale Gerüst ist freilich nichts neu Erfundenes und gehört mehr oder weniger in die „Hat-man-schon-mal-so-ähnlich-gehört“-Kiste, also solides Black-Metal-Handwerk ohne jegliche Überraschungen – und straight edged an, doch nur, um im Refrain erneut die allerfeinste Melodie von der Kette loszulassen. Und diese wird dann solange gerädert, bis jedem die Ohren bluten, aber selbst dann kriegt man noch nicht genug davon. Und das ist die wirklich große Stärke dieser EP! Unnötig zu erwähnen, dass das letzte Stück „Segler der Nordmeere“ in exakt gleiche Kerbe schlägt und euch nochmals gehörig durchrüttelt, bevor man anschließend musiktrunken aber zielsicher auf die Repeat-Taste zusteuern wird.

Mit ihrem äußerst motivierten Erstschlag lassen Siechknecht einen extrem frischen Wind in der mit dicker Staubschicht überzogenen Black-Metal-Gruft wehen. Ob das Quartett anderen Bands aber wirklich den Rang ablaufen kann, das wird sich erst noch in Zukunft zeigen müssen. Warten wir also den ersten Longplayer ab. Doch falls es oben nicht deutlich genug rübergekommen sein sollte: Wer auf fetzige Melodien im Black-Metal-Gewand steht, der muss hier augenblicklich zuschlagen!

Tracklist
1. Verbrannte Reigen
2. Pestmond
3. Sieben Nägel und ein Gebet
4. Segler der Nordmeere

Geschrieben von Adam am 10. Dezember 2025