Bleeding Heart Nihilist Productions
☠ 2025 ☠
„Under Teargas Fire“, das zweite Album der Berliner/Brandenburger Norkh, passt zum morgendlichen Butterbrot-Ritual ebenso gut wie schon das Output davor, vor allem, wenn man sich den andauernden und immer krudere Ausmaße annehmenden Poilt-Shit von der Seele schütteln möchte. Dass Norkh eine politisch motivierte Band sind, das steht außer Frage und ist schon am Albumtitel – so klar wie Kloßbrühe – ersichtlich, schließlich sind Stacheldraht-Hugs und Tränengas-Romantik keine klassischen Black- und Death-Metal-Themen. Und dem politischen Klima ist es wohl auch zu verdanken, dass Norkh nun um einiges verstimmter und mehr auf Krawall gebürstet klingen als noch auf „Tides of Acid/Piles of Dirt“. Dies macht sich insbesondere in den viel stärker nach unverwüstlichem Death Metal riechenden Songstrukturen bemerkbar, die viele ausschmückende Spielereien der Crust- und Thrash-Schule gar nicht erst zum Zuge kommen lassen wollen. So hängen hier von Anfang an, kaum dass der erstplatzierte Titeltrack losbricht, dunkle und schwerstgesättigte Gewitterwolken über den Köpfen der geneigten Zuhörer, die Stimmung schwenkt durchgehend zwischen Aggressivität und Hoffnungslosigkeit, hier und da auch schon fast ins Depressive übergehend. Auch die doomigen Einflüsse, wenn auch mehr ins Tiefschwarze gehüllt, sind überall präsent und drücken die Stimmung noch zusätzlich nach unten, direkt unter die Stiefel der grauen Masse, wo die noch leicht glimmende, um ihre Existenz kämpfende Vernunft gleich einem Zigarettenstummel ausgetreten und somit endgültig ausgelöscht wird. „The Grey Old Ones“, ein Song über die grauen alten Säcke an der politischen Spitze, die einfach nicht abtreten wollen und mit ihren veralteten Methoden die Welt weiterhin ins Chaos stürzen, ist das Paradebeispiel solch eines Songs. Viele sich wiederholende, lang dahinziehende Tonabfolgen, die nichts als Tristesse heraufbeschwören und jeglichen Anflug von Frohsinn im Keim ersticken. In solchen Passagen wird aber gerade das sehr visierte Schlagzeugspiel zur voller Blüte gebracht. Neben dem amtlichen Geschepper punkten die Gitarren mit hervorragendem Handwerk und teils spitzfindigen Melodien, wie etwa zu Beginn von „Unleashed Existence“ oder bei „Aimless Swarm“, wo man wohl irrtümlich den Weg in schon beinahe atmosphärische Gefilde einschlägt. Da wird aber schnell wieder eine 180-Grad-Wende vollzogen, und man kehrt (f)räudig knüppelnd zum Tagesgeschäft zurück, zum dreckigen und schmierigen Kerngeschehen, voller Maschinenöl-, Nasenblut- und Kotzspuren. Letztere sind vor allem am Gesang auszumachen, der passend zum Rest auch viel weniger abwechslungsreich ausgefallen ist, auch wenn man hier den ein oder anderen, aus der Dunkelheit herausstechenden Shout dennoch zu hören bekommt. „Under Teargas Fire“ ist definitiv eine Scheibe für düstere sowie hartgesottene Gemüter, die sofort allergisch auf jedwede bunte Weihnachtsdeko im Metal reagieren. Fröhlichere, Wollpullis mit Rentiermotiven tragende Naturen werden dagegen nicht wirklich glücklich mit dieser Art von Mucke werden, so viel ist sicher.
☠ Tracklist ☠
1. Under Teargas Fire
2. Liquid Sculptures
3. Unleashed Existence
4. White Queen
5. The Grey Old Ones
6. Aimless Swarm
7. Simplicity of Man
8. Asset in Blood
