Vegvisir Distribution
☠ 2024 ☠
Mit „Woolgatherings“ haben uns die drei Jungs von Trollband aus dem kanadischen Vancouver bereits ihr drittes Full-Length-Album vorgelegt. Und bei den vier Tracks mit insgesamt einer guten halben Stunde Laufzeit ist der Albumtitel Programm: Der lautmalerische Ausdruck „Woolgathering“ stand nämlich ursprünglich für das Einsammeln der Wolle, die Schafe beim Vorbeistreifen an Zäunen und Hecken verloren haben (um sie entsprechend noch zu verwerten). Mittlerweile meint er aber das ziellose Umherschweifen des Geistes, verloren in Gedanken, vielleicht jedoch auch ein bisschen in der Welt.
Der Opener „Dualities“ steigt ohne viel Federlesens nach einem kurzen Intro ein. Rifflastiger und melodischer Black Metal mit Melo-Death-Einschlägen und folk-orientierten Groove-Schemata bestimmt das Klangbild. „Northern Son“ kommt etwas melodischer daher, ein At-the-Gates-Einschlag bei Vocals und Leadgitarren wird deutlicher, gleichzeitig werden die Folk-Elemente vor allem durch die nun etwas dominanteren Keyboards und cleanen Gitarrenparts hochgefahren. „Woolgathering“ ist dagegen etwas epischer und schwerfälliger und kann darüber hinaus mit einem aparten, träumerisch-tänzerischem Bass-Solo beeindrucken. „Catharsis“ ist dann wieder etwas schwermütiger; der mit fast zehn Minuten Laufzeit längste Track des Albums bringt alle Elemente von „Woolgatherings“ auf den Punkt: Die melodisch-melancholischen Gitarren, folkige, aber nicht dudelige Keyboards, schleppende Grooves, Blasts und das charmante, nicht allzu vorhersehbare, aber eben auch nicht zu vertrackte Songwriting. In diesem Timbre befinden sich auch die Texte des Albums: Ein bisschen melancholisch, ein bisschen depressiv wird in recht expressiver Bildsprache die Festgefahrenheit des Lebens kontempliert. Ob sich im letzten Track „Catharsis“ eine Lösung dieser ganzen Misere findet, bleibt allerdings offen.
Musikalisch sind Reminiszenzen an Finntroll, Dissection und At the Gates allgegenwärtig, wenn auch diese Vergleiche der Musik von Trollband nicht ganz gerecht werden. Dafür sind die drei Kanadier in Sachen Bandsound sowie Songwriting nämlich zu eigenständig unterwegs. Und auch in Sachen Produktion präsentiert sich „Woolgatherings“ genrebewusst: Der sehr klare, bissige Sound frisst sich direkt ins Ohr, ist aber vielleicht einen kleinen Ticken zu platt produziert, so dass dem Album ein wenig die Dynamik verloren geht. Das soll aber nicht den hervorragenden Gesamteindruck schmälern: Trollband haben hier ein völlig stimmiges und griffiges Album vorgelegt. Auch wenn alle Tracks gepflegt um die Acht- bis Zehn-Minuten-Marke angesiedelt sind, hat „Woolgatherings“ wenig Längen, überzeugt dafür mit abwechslungsreichem Songwriting, vielen schönen Ideen und einer wunderbar dunklen Grundstimmung sowie melancholischen Folk-Arrangements.
☠ Tracklist ☠
1. Dualities
2. Northern Son
3. Woolgathering
4. Catharsis
