Dauthuz - Grubenfall 1727

Dauþuz – Grubenfall 1727

Sol Records (Tape)
Amor Fati Productions (CD & LP)

2020

Die beiden, sich mit Vorliebe Untertage aufhaltenden Musiker von Dauþuz dürften mittlerweile weitläufig von Ost nach West und von Nord nach Süd bekannt sein, so dass man deren Werke eigentlich niemandem mehr vorstellen muss. Ihre Tonträger verkaufen sich auch so wie warme Semmeln und sind auch immer sehr schnell vergriffen. So auch die noch recht aktuelle EP „Grubenfall 1727“, die auf allen gängigen Formaten veröffentlicht wurde und mit einem sehr schönen, zweigeteilten Artwork das Auge sofort mit einer Fülle an Details umschmeichelt. Der handwerkliche Zeichenstil von Alaun, dem vielseitig kreativen Kopf hinter der Mäxxenwerk-Schmiede, der zu dieser EP sogar auch noch einige Gastvocals beisteuern konnte, passt perfekt zum Black Metal und macht sofort Laune auf die bevorstehende musikalische Wanderung in das finstre Reich unter den Baumwurzeln. Diese besteht zwar nur aus drei Songs, doch diese versprühen den unverkennbaren Dauþuz-Charme, dem man sich als Black Metaller kaum entziehen kann und auch nicht möchte. Auf leisen Sohlen, mit langsam dahinsäuselnder Akustikgitarre und chorartigem Singsang geht es beim erstplatzierten Titeltrack hinab in den stockdunklen Stollen, wo man ganz abrupt von einer niedersausenden E-Gitarre überrascht und unter den darauffolgenden Schlagzeugausbrüchen begraben wird. Dieser Song ist keine Neukomposition, sondern gleichfalls wie das sich anschließende Lied „Kerker der Ewigkeit“ eine leicht veränderte, aber gelungene Neueinspielung aus dem mittlerweile sehr reichhaltigen Dauþuz-Fundus. Im Gegensatz zu den Originalaufnahmen sind hier die Instrumente dank der besseren Produktion nun etwas differenzierter herauszuhören, und der Sound wirkt insgesamt viel „sauberer“, also ohne den Staub und Ruß des tiefsten Undergrounds, der noch den ersten beiden Alben, auf denen die beiden Songs zu finden sind, anhaftet. Ob das besser oder schlechter ist, das darf jeder selbst für sich herausfinden. Ich für meinen Teil mag beide Aufnahmen gleichermaßen. Das fast 20-minütige Stück „Die letzte Fahrt“ ist dagegen die einzige neue Komposition auf dieser EP, sie hält aber einiges für den Hörer bereit! Mit sehr epischen Leads geht es hier gleich ans Tageswerk, so dass es eine Freude ist, die beiden „Bergzwerge“ zu belauschen, während sie tüchtig ihrem Handwerk nachgehen. Sie geben alles, werden auch schon mal rabiat und wüten wahnwitzig herum, stets auf der Suche nach einer unübertroffenen musikalischen Kostbarkeit. Und sie werden auch fündig und kredenzen sie uns in Form eines genialen atmosphärischen Parts in der Mitte des Songs. Dieser wird von einer akustischen Schneise eingeleitet, welche einen gekonnten Spannungsbogen aufbaut und den Puls direkt beschleunigt, bis dann der Goldbrocken von einer Melodie das Gemüt bis aufs Innerste erheitert. Das ist – anders kann man es wohl nicht sagen – so ein Moment, den man als Hörer in jedem Song zu finden erhofft. Und hier ist er zum Greifen nah… Bedauerlicherweise lassen sich Töne nicht greifen, doch dafür kann man sich den Song immer und immer wieder anhören. Dieser Song ist wahrlich eine reife Leistung, die ganz locker an das letzte Album „Monvmentvm“ anknüpft. Und dem Titel entgegen ist dies auch nicht die letzte Fahrt von Dauþuz gewesen, wie es der bereits veröffentlichte Nachschlag auf der Split-LP „Quintessenz“ beweist. Es bleibt also wie immer spannend!

Tracklist
1. Grubenfall 1727
2. Kerker der Ewigkeit
3. Die letzte Fahrt

Geschrieben von Adam am 16. Dezember 2020