Streams of Blood - Vermaledeit

Streams of Blood – Vermaledeit

The Hidden Art
2025

Vier Schläge auf die Hi-Hat, Trommelwirbel, gefolgt von dissonanten, sägenden Mid-Tempo-Gitarren, zunächst von stampfenden Drums untermalt, dann von rollendem Double Bass. Ein kurzer Break: Und ein alles verschlingender Mahlstrom aus Nihilismus bricht los. Man merkt Streams of Blood ab der ersten Minute an, dass „Vermaledeit“ nicht ihr erster Gehversuch in Sachen misanthropischer Black Metal ist. Und so verschlingt der Opener „Shitstained Cuirass“ sein Auditorium direkt in einem Strudel aus Abscheu und Ekel.

Rasendes Schlagzeug, rasende Rhythmusgitarren, sehr viel Dissonanz und wenig Melodie, aber immer wieder unterbrochen von rhythmisch spannenden Breaks, getragenen Tremolo-Passagen und kurzen Ruhemomenten. Nur dass diese Ruhemomente gar keine Erholung bieten, sondern eher weitere Lebensenergie beim Zuhören aussaugen. Kein Zuckerbrot, nur Peitsche, und zwar eine aus Stacheldraht.

Jeder Break, mit dem Streams of Blood auf „Vermaledeit“ eine kleine Verschnaufpause vortäuschen, dient nur dazu, die Zuhörenden in falscher Sicherheit zu wiegen, um sie dann wieder in einem Strom aus Fatalismus und Verderben mitzureißen. „Vermaledeit“ gibt sich nicht mit so banalen Dingen wie melodischen Hooklines oder groovigen Kopfnick-Passagen ab. Stattdessen nur pechschwarze Düsternis, atmosphärisch dicht produziert wie zähflüssiger Teer. Kleine Akzente und Schmankerl, wie die stampfenden Trommelbeats in „Leichenlager“ oder die groovig crustigen Einsprengsel in „Fading Warmth“ und „Egocentric Pessimism“ durchbrechen die nachtschwarze Atmosphäre genauso wenig wie das nur disparat angedeutete Tremolo-Picking der Leadgitarren.

Der Mahlstrom endet nach einer guten halben Stunde so abrupt, wie er eingesetzt hat. Es bleibt ein Gefühl der Leere, weil „Vermaledeit“ – ohne viel Federlesen und ohne groß aufwendiges Instrumentarium – allen Lebenswillen, alles Gute und Schöne aus seinem Publikum gequetscht und herauszentrifugiert hat. Ist dieses Album einzigartig und bahnbrechend neu? Wahrscheinlich nicht. Aber wer klassisch bösen Black Metal aus Innovationsgründen hört, der ist eh nicht zu retten. „Vermaledeit“ ist ein kleines pechschwarzes Juwel, geradezu „vermaledeit“ gut!

Tracklist
1. Shitstained Cuirass
2. Paralyzed by Life
3. Der Körper vergibt, die Seele nicht
4. Leichenlager
5. E(r)gotism
6. Tötungsglas
7. Fading Warmth (The End of a Melancholic Summer)
8. Egocentric Pessimism

Geschrieben von Jonas am 28. April 2026