Japanese Folk Metal - S/T

Japanese Folk Metal – S/T

Heathen Tribes
2020

Wer auf japanischen Livestyle, Kultur und natürlich auch japanische Musik steht, X-Japan, Malice Mizer oder auch Sabbat, Sigh und Co. schon bis zum Erbrechen durchgenudelt hat und von daher stets auf neuen Soundstoff aus dem Land der aufgehenden Sonne angewiesen ist, dem sei die lustige, Sake-Becher schwenkende Formation mit dem bezeichnenden Namen Japanese Folk Metal ans Herz gelegt. Ihr gleichnamiges, bereits seit vier Jahren erhältliches Debütalbum (wobei die hier abgebildete physikalische Digipak-Fassung erst zwei Jahre später realisiert wurde) ist eine gepflegte Mischung aus den metallisch getrimmten, finnischen Humppa-Klängen der Marke Korpiklaani und traditionell japanischer Melodieführung wie Instrumentierung. Und so verrückt wie sich diese Beschreibung anhört, ist auch der musikalische Ausdrucksdrang der sechsköpfigen Truppe, die sich dabei selbst auf die Hörner und alles andere als bierernst nimmt. Von daher dürften bei den japanischen Folk-Metallern Kirin- und Asahi-Bier wohl in Strömen fließen. Und auch thematisch verknüpfen sie gezielt Folkloristiches und Geschichtliches mit Alkohol und feinstem Klamauk. So ist es nicht verwunderlich, dass bei den sieben Songs (in der Digipak-Version noch um Intro und Outro ergänzt) die Fetzen nur so fliegen! Ungelogen: vor lauter Spielfreude kann hier einem sogar schwindelig im Kopf werden! Die Musiker sind allesamt Meister ihres Fachs, und so lassen sie natürlich ihre (ganz typisch japanischen) Perfektionsadern zu jeder Zeit mächtig anschwellen. Regelrecht schnell gespielte musikalische Katana- und Naginata-Hiebe setzt es hier zuhauf, immer treffsicher und oft groovig aus dem Sound herausstechend. Die stimmliche Gewalt wird dabei auf fast alle Bandmitglieder verteilt, was auf dieser Ebene ebenfalls zu willkommener, mehrstimmiger Abwechslung führt, die nicht selten in spaßigen, sich lustig anhörenden, ja fast schon urkomischen Ausdrucksformen mündet, die jedoch nie irgendwie deplatziert wirken. Der ganz normale, liebenswerte japanische Wahnsinn eben, den alle Japan-Freaks insgeheim sehr wertschätzen. Und weil dies noch nicht abgefahren genug ist, stimmen auch noch weitere „farbenfrohe“ Gäste mit in die Songs ein, wie etwa die Princess of Beer Serving im Song „Sengoku Aika“, was die Stimmung noch mehr anheizt. Das gesamte Konzept der Japaner steht auf torkelnden Füßen, ist aber durchgeplant und bereitet ungehemmte Freude beim Hören. Echt gute genießbares Zeug! Kanpai! Hoch die Kannen!

Noch ein Wort zu der Digipak-Fassung: Neben den regulären Songs enthält die CD auch noch alle in instrumentaler Form. Diese sollen wohl beim Karaoke, dem allseits bekannten „Nationalsport“ No. 1 in Japan, zum Zuge kommen. Probiert es auch mal aus. Mit viel Bīru im Blut geht das auch ganz leicht…

Tracklist
1. Otogi Zishi
2. Ōeyama no Tsuki
3. Sengoku Aika
4. The Unsung Brewers
5. Saki Hokoru
6. Inaka no Bōrei
7. Ryugu Drinking Party
8. Omatsuri Sawagi
9. Horai no Ryu

Geschrieben von Adam am 7. Mai 2022