Schattenkult Produktionen
☠ 2025 ☠
„World Within the World“ ist der Titel der aktuellen Scheibe des Quartetts Grave Circles aus der Ukraine. Und ein Blick auf die ungeschönten Bilder des Frontcovers lässt uns direkt wissen, was damit gemeint ist: Der Tod in all seinen Facetten und Farben. Dieser ist seit dem Anfang des immer noch währenden Krieges gegen die Invasionsnation Russland stets präsent in den Köpfen der gesamten ukrainischen Bevölkerung. Er zieht sich buchstäblich wie ein roter Faden, er ist wie ein kollektives Bewusstsein, denn jeder, der in der Ukraine wohnt, muss damit rechnen, jederzeit von einer Rakete oder Drohne in Tausend Stücke zerfetzt zu werden. Auch Grave Circles mussten bereits ein blutiges Opfer darbringen, denn ihr Gitarrist Kosty ist dieses Jahr im Krieg gefallen. Ruhe in Frieden, tapferer Krieger! Somit kann diese zweite Langrille der Band auch als das Vermächtnis von Kosty angesehen werden, und das alleine dürfte für jeden Schwarzmetaller ein zusätzlicher Grund sein, sich diese Scheibe unverzüglich zulegen zu müssen.
Zulegen sollte man sich das Album ohnehin, wenn man auf echt gut gemachte schwarzmetallische Handwerkskunst steht. Vorrangig die Gitarrenarbeit, die oft sehr atmosphärisch taktierend in einem gewissen, jedoch stets harmonischen Kontrast zu der schwergewichtigen Rhythmusfraktion steht (im dritten Song „Yielding to the Embrace of the Ground“ sehr intensiv spürbar), hat einen erzählerischen Charakter und führt uns sicher durch die acht vorhandenen Minenfelder. Die Songs lassen sich als eine logische Konsequenz der gemachten Kriegserfahrungen nur als solche wahrnehmen, obwohl sich anhand der Lyrics nicht unbedingt immer ein direkter Bezug zum aktuellen Kriegsgeschehen ableiten lassen will. Vielmehr geht es auch hier um die im Black Metal beliebten Themengebiete wie die Anbetung des Bösen, Glaube, Hass, Schmerz und Misanthropie. Dennoch gibt es zwischen den Zeilen genügend Anspielungen, die zweifelsohne nur die Verarbeitung der in Ukraine zu Realität gewordenen Unvorstellbarkeit sein können. Die Musik wird auf dem höchsten spielerischen wie technischen Niveau dargeboten, in ihren Grundzügen zum Beispiel mit solchen Bands wie etwa Pestilential Shadows aus Australien vergleichbar. Der Gesangsstil ist naturgemäß aggressiv, aber stellenweise gleichermaßen verzweifelt angestimmt. Zum Ende des vierten Stücks „The Die is Cast“ wird auch eine emotionell aufgeladene Klargesangspassage ausgespielt, die einen notwendigen Ruhepol zum ansonsten vorherrschenden Sturmklima darstellt. Gelegentlich kommen hier noch Blechblassinstrumente zum Einsatz, etwas, das eher untypisch für den Black Metal ist, aber dennoch super gut mit den E-Gitarren harmoniert und eine heroische Note in den Gesamtklang integriert, wie man es z. B. im zweiten Song „The Last of Us“ hören kann. Und habe ich schon erwähnt, dass die Gitarren einfach nur gut klingen? Stellenweise wirklich sehr melodramatisch. Also worauf warten? Schnappt euch das Ding!
☠ Tracklist ☠
1. Feral Instinct
2. The Last of Us
3. Yielding to the Embrace of the Ground
4. The Die is Cast
5. Antithesis
6. Mournful Will Be That Day of Doom
7. The Wavering Radiant
8. One More Drop
