Drengskapur - Was der Morast verschlang

Drengskapur – Was der Morast verschlang

Eigenproduktion
2020

Drengskapur sind in der Black-Metal-Szene schon lange keine Unbekannten mehr, doch mit „Was der Morast verschlang“, ihrem aktuellen vierten Langspielalbum, wird sich ihr Bekanntheitsgrad sicherlich noch um einiges vergrößern. Denn diese Musik verkörpert genau das, was die meisten in solch einer kargen Musiklandschaft zu finden hoffen: Die Schönheit der nächtlichen Schwärze und schneidenden Eiseskälte mit der von waldiger Atmosphäre beflügelter Sehnsucht nach einem im Einklang mit der Natur stehenden Leben. Zumindest ist dies ein Empfinden, welches mich jedes Mal befällt, wenn ich solch einen Tonträger in den Händen halte und dem sich darauf befindenden Edelkrach lausche. Und diese beiden, miteinander scheinbar unvereinbaren Gefühlselemente bilden die Grundlage dieses unwegsamen Musikmorasts, in dem jeder Liebhaber solcher Klänge überglücklich versinken wird. Diese bekommt man hier gleich zuhauf und in geballter Ladung geliefert. Jeder einzelne Song bildet eine Collage aus scheinbar unzähligen verschiedenen kraftvollen Riffs und verzweigten Gitarrenfragmenten, die von der vertrackten und sehr intensiven Trommelarbeit zu einem stark wirkenden akustischen Kunstwerk zusammennagelt werden. Dabei spielen die beiden Drengskapur-Musiker Wintergrimm und Hiverfroid (beide übrigens in gleicher Konstellation auch bei Rimruna aktiv) geschickt mit Höhen und Tiefen, mit unterschiedlichen Tempos und Rhythmen, oftmals scharf die Spielrichtung wechselnd und in neue verschnörkelte, melodiebehaftete Ornamente übergehend, neue Wipfel der Kreativität auf diese Weise erklimmend. Nicht selten wird dabei gekonnt in malerische, sehr atmosphärische Gefilde abgedriftet, was sich immer besonders gut anhört. Und egal zu welchem Song man greift, ob „Mit kalten Fängen“, „Im Morast“ oder „Where Ancient Lords Gather“, alle sind gleichermaßen gelungen. Das ganze Album gleicht einem phonetischen Schatz, so vollgepackt mit frischen Ideen ist es. Da stellst sich mir wieder die Frage, wie man sich solche komplizierten und dazu noch überlangen Songstrukturen überhaupt merken und dann auch noch live darbieten kann… Andere Bands würden aus der Essenz eines einzigen hier vorhandenen Drengskapur-Songs gewiss ein ganzes Album zusammenstellen können…

Der Wind streicht übers tote Moor
Mit roter Glut der Mond sich zeigt
Und es steigt der Dunst hervor
Im Nebel fern ein Irrlicht glimmt.

Zu den fünf recht langen Black-Metal-Liedern gesellen sich hier auch noch die beiden kürzeren sowie ruhigeren, Empyrium-artigen Akustikstücke „Schummerlicht“ und „Geistersang“. Das erste, als Intro fungierende, überzeugt mit einer ganz tollen, irgendwie angespannten Atmosphäre, welche mit simplen Stilmitteln auf ein nahezu höchstmögliches Maß kulminiert wird. Großartige Leistung! Das zweite ist dagegen mit dezentem Chorgesang unterlegt, was dem Drengskapur-Sound wirklich gut zu Gesicht steht und eine willkommene Abwechslung zu Wintergrimms unheilvoll tönender Rabenstimme ist. Zukünftig kann dies ruhig in verstärkter Weise zum Einsatz kommen, denn es bereichert die ohnehin schon sehr reichhaltige Musik von Drengskapur noch mehr. So stellt „Was der Morast verschlang“ für mich die bisher beste Drengskapur-Arbeit dar, wenn auch sie meiner Ansicht nach an Rimrunas Debüt nicht ganz herankommt (für mich sind die beiden Zwillingsprojekte stets zusammengehörend). Aber es kommt verdammt nah an „Frostbann“ dran. Aber vollkommen egal, wie man es sieht: Das Teil muss man definitiv auch haben!

Tracklist
1. Schummerlicht
2. Mit kalten Fängen
3. Irrwisch
4. Im Morast
5. Moorwanderer
6. Geistersang
7. Where Ancient Lords Gather

Geschrieben von Adam am 1. September 2020