Eigenproduktion
☠ 2024 ☠
Bei den deutschen Black-Metallern von Convictive hat es in den letzten Jahren recht viele weitreichende Richtungskorrekturen und tiefschneidende Veränderungen gegeben. Nicht nur, dass nach dem ersten Longplayer „Schemen“ von 2018 das Bandlogo gleich zweimal neu designt und ausgewechselt wurde, auch an der Leadgitarre und Schlagzeug gab es Neubesetzungen und selbst der Aushängeschildposten am Mikro wurde ebenfalls zweimal neu vergeben. Nach dem Abschied der recht beliebten Fronterin Jalina trat zunächst Jay in ihre Fußstapfen, doch nach ihrem wiederum nur (leider) recht kurzen Gastauftritt bei Convictive steht nun Nova in der ersten Reihe des Bühnengeschehens. Diese Wechsel am Gesang dürften wohl am meisten die Supporter der Band gespalten, vor den Kopf gestoßen und/oder zumindest einige Unsicherheiten bei ihnen ausgelöst haben. Doch nun, nach zahlreichen erfolgreich bestandenen Feuerproben der sich neu zusammengefundenen Crew, kann definitiv eine Entwarnung ausgesprochen werden: Convictive haben nun ganz ersichtlich und hoffentlich auch endgültig ihre bevorzugte Spur gefunden. Auf dieser geht es, wie schon auf der Split-Aufnahme mit Krähenfeld davor, wieder hoch hinaus, nämlich in den Weltraum. Zumindest was die optische Ausgestaltung mit dem neuen, jetzt wirklich nur nach reinem Black Metal ausschauenden Logo, anbelangt. Denn inhaltlich lässt sich das turbulente kosmische Spiel der Kräfte wohl auch auf die gesamte Menschheit oder gar das Leben eines jeden einzelnen Individuums überstülpen, frei nach dem Motto „Beständig ersuchen wir Ewigkeit, Sinn und Bedeutung“, wie es zum Beispiel im ersten Song „Genesis“ heißt. Wir alle sind nur ein winziges Stück Sternenstaub im Wirken der alles umfassenden Wahrheit, in den Mühlen der stetig in Bewegung kreisenden und unbegreiflichen Urgewalten, welche musikalisch wohl am besten im vierten Stück eingefangen sind. „Rastlose Jagd“, die tägliche Hatz durch das Leben – denn nur dafür kann dieser Titel stehen – ist eine richtig wuchtige und rhythmische Nummer, ein Power-Song zum Mitgehen, zum in ihm Aufgehen, der Convictive von der allerbesten Facette zeigt. Und auch wenn die anderen Songs allesamt eine ebenso gute Figur abgeben, sind sie doch im Vergleich zu „Rastlose Jagd“ einen kleinen Tick farbloser; ihnen fehlt das gewisse Etwas, eine unbestimmte eruptive Kraft, die den kleinen Unterschied zwischen sehr gutem und einem Hammer-Song ausmacht, auch wenn Nova natürlich zu jeder Zeit bissig ihr schwarzes Gift in die Welt hinausschreit und alles gibt, die atmosphärischer wütende Gitarrenfraktion sich ihre Fingernägel bis aufs Blut wegschrubbt und das Schlagwerk hier und da den Urknall zu imitieren versucht. Aber vielleicht ist hier nur die Produktion etwas zu steril ausgefallen, oder vielleicht täuschen nur die Erinnerungen an Convictives Demo-Tage, als deren Sound noch ein wenig kantig, dafür jedoch organischer war. Das ist jetzt aber kein Meckern auf hohem Niveau, denn das Album befindet sich auf einem recht hohen Level; es ist nur ein ganz feines Differenzieren, das immer zwanghaft stattfindet, wenn viele tieferliegende Bewertungskriterien automatisch wegfallen.
Alle, die Convictive bisher verfolgt oder gar gestalkt haben, dürfen sich „Rastlos“ direkt ohne Bedenken auslösende Bedenken holen. Alle anderen, vielleicht auch solche, die nur für eine bestimmte Sängern schwärm(t)en, hören definitiv vorher rein. Nicht wenige werden auf Anhieb überzeugt sein.
☠ Tracklist ☠
1. Genesis
2. Epos
3. Nachtwandel
4. Rastlose Jagd
5. Gezeiten
6. Reinheit des Verfalls
7. Lichtlos
8. Exodus
