Eigenproduktion
☠ 2025 ☠
Nach ihrem genialen Demo-Tape „Oidhche“ und dem darauffolgenden starken Debütalbum „Shrivelling Lights“ sind Urisk überraschenderweise immer noch ohne ein Label im Rücken unterwegs und haben erst kürzlich eine zweite Demo-Aufnahme herausgebracht. „Oidhche II“ beinhaltet zwei stimmungsvolle Intermezzos und zwei Songs, welche zweifelsohne als das bisher stärkste Material dieser noch sehr jungen Band durchgehen können. Und wenn man sich vor Augen führt, wie stark die Substanz der vorangegangenen Kompositionen eigentlich schon ist, dann darf man sich hier auf einen Black Metal der Extraklasse freuen!
Das ruhige, rein instrumentale Startstück „Beul na h-Oidhche“ oder „Der Schlund der Nacht“ wenn man es freiheraus aus dem Schottisch-Gälischen übersetzt, ist ganz schnell wieder vergessen, wenn die tatsächliche, finstere und verregnete Nacht, nämlich der Song „Oidhche“, wie aus dem Nichts mit vollster Wucht über einen hereinbricht: Eine superschnelle Schlagzeug-Bass-Raserei gepaart mit einem wie Blitze zuckenden Gitarrenspiel, und dazu das grollende wie angriffslustige Fauchen von Marleen, das ebenso gut der Kehle eines wilden, des wohl auf dem Cover dargestellten Wolfes entsprungen sein könnte, laden jeden Staubkorn im Wirkungsbereich dieser Musik mit purer Energie auf. Doch schon bald flaut der Sturm merklich ab, die Wogen werden geglättet und die Leadgitarre schlägt feinere und unmissverständlich keltisch klingende Nuancen an. Verschwommene Reminiszenzen an die alten und glorreichen Heldentaten von Suidakra werden augenblicklich wach, als die Band ihren Stil noch Celtic Black Metal nannte, ebenso als der helle Vollmond kurzzeitig zum Vorschein kommt, wo Marleen mit ihrer klaren und sanften Stimme die dunklen Wolken komplett wegzufegen vermag, bevor die lichtlose Nacht erneut die Oberhand gewinnt. Das zweite, nur aus Wind- und Naturgeräuschen bestehende und überleitende Zwischenstück „Far Am Bi Mi Fhìn“ greift den feenhaft verspielten und lieblichen, pure Fröhlichkeit verbreitenden Klargesang – wobei, wenn nur für einen flüchtigen Moment, ein im Nebel der Zeit verborgenes Tor zu einer mythischen Märchenwelt aufgeschlagen wird – wieder auf, und setzt einen extrem scharfen Kontrast zu dem, was anschließend mit „Beul an Latha“ folgt. Das „Morgengrauen“ ringelt sich auf der Stelle zu einem giftig-melodischen Ohrlindwurm zusammen, der ohne zu fackeln zielsicher zubeißt und niemanden mehr aus den Klauen der Nacht entlässt, auch nicht, wenn der erwartete Morgen letztlich doch noch anbricht und das Sonnenlicht den infizierten Körper zu liebkosen beginnt. Und: Der sehr dezente Einsatz von stimmungsdienlichen Synth-Klängen im Hintergrund tut dem akustischen Gesamtbild ebenso gut wie die teils schnell scheppernden Schlagzeugbecken, die wie Glück verheißende Regentropfen fallen und alles mit Lebhaftigkeit erfüllen.
Mit „Oidhche II“ beweisen Urisk ein weiteres Mal, dass sie mit großem Abstand die talentiertesten sowie aufrichtigsten Black-Metal-Newcomer der letzten Jahre sind. Noch sechs weitere solch geniale Nachthymen, und Ulvers „Nattens Madrigal“ ist definitiv auf den zweiten Platz verwiesen!
☠ Tracklist ☠
1. Beul na h-Oidhche
2. Oidhche
3. Far Am Bi Mi Fhìn
4. Beul an Latha
