Under Victoria - Love and Death

Under Victoria – Love and Death

Northern Void Records
2025

Das erste in physikalischer Form erhältliche, doch insgesamt bereits vierte Output des australischen Einzelkämpfers von Under Victoria, über den und seine Motive, von seinem Namen mal abgesehen, so gut wie nichts in Erfahrung gebracht werden kann, ist eines dieser seltenen Ausnahmewerke, welche sich in ihrer gänzlichen Erscheinung absolut rund zu präsentieren wissen. Schon das sehr stimmige Artwork mit dem stachelbesetzten, das Logo einfassenden Rahmen sowie der einen Kandelaber haltenden Schönheit mit den weiten weißen Gewändern, scheinbar bereit sich augenblicklich in die Fluten zu ihren Füßen zu stürzen, lässt sofort eine ganz bestimmte, schattige und intensive, viktorianisch (und womöglich sogar auch vampirisch) aufgeladene Atmosphäre aufkommen. Der wohlgewählte Titel „Love and Death“ passt natürlich ebenso bestens dazu, so dass der Vorstellung einer vor Herzschmerz nur so blutenden Dramaturgie ungeahnten Ausmaßes nichts im Wege steht.
 
Auch musikalisch entspricht „Love and Death“ gänzlich der optischen Ausgestaltung, wobei man sich hier auf eine Crossover-Erfahrung der ganz besonderen Art gefasst machen muss. Denn während „Divinations/Autumnal“, der erste, mit einem ruhigen und äußerst stimmungsvollen Gitarrengeplänkel beginnende Song, und nachfolgend „Embrace of Winter Cold“ glasklar der allerbesten und ergreifendsten Art des atmosphärischen Black Metals, in etwa ähnlich wie ihn beispielsweise so eine Band wie Hulder zelebriert, zugeordnet werden können, vollführt „Wake from the Deep“ eine geschickt eingefädelte Wende hin zum Gothic und Doom Metal im Stile der Kultband Type 0 Negative oder The 69 Eyes. Die Gitarren werden langsamer, jedoch eindringlicher, die Riffs schwerer, von Dauerregen und Tränen durchtränkter. Der schwarzmetallische Krächzgesang wechselt in einen Klargesang über, der in der Art der Intonation entfernt an den Gesang von Peter Steele erinnert und mit einer ganz persönlichen Note besticht, die das Besondere dieser Veröffentlichung zur Geltung bringt. Die klare Stimmlage transportiert die in zerbrechliche Melodien verpackten Emotionen ganz anders als der Black Metal es vermag, die Kulisse wird dabei irgendwie geläuterter, vor allem in der zweiten Hälfte des Albums, die nach dem fast schon Funeral-Doom-artigen und das Gemüt zermürbenden Track „Fields of Plenty“ beginnt. Dabei ist „Into the Void“ im Kern wieder schwarzmetallisch, der Gesang wirkt sehr wütend, wie ein Aufbäumen gegen die scheinbare Ungerechtigkeit und Hilfslosigkeit des Lebens, während der sanfte Refrain die Akzeptanz der Resignation widerzuspiegeln scheint, ein Gefühl, welches im vorletzten, von fetten Riffs und hellen Keyboard-Klängen getriebenen Song „Crestfalen“ noch etwas stärker ausgeprägt wirkt. Nach diesem kurzen Hammer-Song wird mit „In the Shade of Your Light II“ zu guter Letzt noch einmal ein meisterlicher Spagat vollzogen, mit dem, ähnlich dem Anfang des Albums, ein oberatmosphärischer Abschluss gefunden wird.
 
Under Victoria ist ein sehr vielversprechendes Projekt, das gekonnt mit mehreren Genres jongliert, ohne dabei einen Riss zwischen ihnen entstehen zu lassen. Es ist einfach nur genial, wie leicht das alles klingt und welch eine Wirkung es hinterlässt. So etwas schafft nicht jede Musik. Ob dies aber noch von Eric Martuccio getoppt werden kann, das bleibt vorerst in den Sternen stehen. Aber vollkommen egal was da noch kommen mag, „Love and Death“ bleibt ein musikalisches – wahrscheinlich aber leider nur ein unscheinbares – Monument für die Ewigkeit!

Tracklist
1. Divinations/Autumnal
2. Embrace of Winter Cold
3. Wake from the Deep
4. Fields of Plenty
5. Into the Void
6. Of Love and Death
7. Crestfallen
8. In the Shade of Your Light II

Geschrieben von Adam am 29. Januar 2026