Ulvehyrde - Dodsdomt

Ulvehyrde – Dodsdomt

Solistitium Records
2025

Die norwegische Horde Ulvehyrde hat mit ihrem Debüt „Englemakersken“ sofort klargestellt, dass die Geschicke des echten norwegischen Black Metals zukünftig auch von ihr prägend mitgestaltet werden. Und um diesem erklärten Ziel noch einen gewaltigeren Schritt näher zu kommen, hat man sich nun von Dusktone verabschiedet und das Lager bei dem kultigen deutschen, kürzlich erst aus der Asche der Vergangenheit neu auferstandenem Label Solistitium Records aufgeschlagen. Eine mutige, aber sicherlich die richtige Entscheidung, wird doch in Moormerland noch mehr mit dem (blutenden) Herzen und umso weniger mit dem (berechnenden) Kopf gedacht. So wurde das zweite Ulvehyrde-Album „Dødsdømt“ neben der standardisierten Digi-CD-Auskopplung auch gleich mit einer sehr stimmigen und hochwertigen Vinyl-Ausgabe bedacht.
 
Wer sich in der Annahme verrennt, bei Ulvehyrde einen vollauf klassisch ausgerichteten norwegischen Black Metal im Stile von z. B. „A Blaze in the Northern Sky“ vorzufinden, der wird hier nicht total bedient werden. Das musikalische Fundament der fünf Norweger ist nämlich stets stampfender, sich gerne im Mid-Tempo bewegender Natur. Wenn man einen hochkarätigen Vergleich heranziehen wollte, würden sich am ehesten vielleicht noch die neueren Werke von Satyricon dafür eignen. Doch selbst diese Ähnlichkeit hinkt, denn das Material von Ulvehyrde ist unmissverständlich mit einem flächendeckenden mystischen Kultschleier der 90er Jahre überzogen. Weitestgehend ist es also unverkennbar norwegischer Black Metal, der jedoch von vielen modernen Einflüssen gespeist wird.
 
Schon der Einstig mit „Merraflåer“ setzt den Hörer auf festgestampften Pfaden in einer dunklen und grimmigen Soundwaldlandschaft ab, auf ziemlich schroffem Untergrund, wo nur wenig zu gedeihen scheint und es kaum etwas zu erkunden gibt. Doch das Gesamtbild ändert sich alsbald mit dem schon zuvor ausgekoppelten Track „Jammerdalen“. Die Instrumente nehmen stellenweise merklich Tempo und Melodie auf, es wird noch düsterer und vertrackter, doch stellenweise auch wieder lichter, wenn etwa weiblicher Sprachgesang wie aus dem Nichts einen unverhofften Break einläutet oder man mit einem gelungenen Rundumschlag zu einer massenweise Häupter abschlagenden Passage ausholt. Die darauffolgenden Tracks bezirzen zuweilen noch mit schnellen und schon durchaus atmosphärischen Gitarren, wie auch mit archaisch anmutendem Sprechgesang und anfeuernden, punktuell gesetzten Zwischenrufen. Das Schlagzeugspiel, das den Rhythmus quasi regelrecht durchprügelt, bewegt sich oft vordergründig und ist über weite Strecken recht dominant, wodurch der bereits erwähnte, stampfende Eindruck des gesamten Albums entsteht. Im achten und letzten Song „Rekviem“ werden all diese Stilmittel nochmals kumuliert eingesetzt und in eine sehr stimmige Konstellation zueinander gebracht, um ein wahrlich gelungenes Finale zu zelebrieren, das der triumphalen Melodie und dem siegessicheren Gelächter am Anfang des Stückes absolut gerecht wird.

Ulvehyrdes „Dødsdømt“ ist ein Album, das sich anfangs zwar ein wenig unscheinbar anhören mag, aber eins, das mit jedem Durchlauf wächst und die dunkle Saat im Herzen gedeihen lässt. Es ist auch definitiv kein kantenfreies, sich total rund anfühlendes Werk. Eher im Gegenteil: Es weist massig Kanten und Ecken auf, an denen man sich als Hörer verfangen, aufreiben und/oder hängen bleiben kann, es zerrt, reißt und rüttelt an der unbegreiflichen Substanz, so dass es einen irgendwann auch nicht mehr loslässt. Und das ist letztlich die wahre Stärke des Black Metals von Ulvehyrde!

Tracklist
1. Merraflåer
2. Jammerdalen
3. Dødsdømt
4. Dårekisten
5. Barnedrap
6. Fanitullen
7. Morder
8. Rekviem

Geschrieben von Adam am 13. Januar 2026