Satanath Records / Vegvisir Distribution / No Balls Records / Fetzner Death Records
☠ 2024 ☠
Abigorum können seit ihrer Gründung im Jahre 2012 auf eine sehr bewegte Bandgeschichte zurückblicken, die vor allem von der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit verschiedener russischer und deutscher Künstler geprägt ist. Mittlerweile sind Abigorum ein georgisch-deutsches Zwei-Mann-Projekt, das sich zuweilen Unterstützung von verschiedenen anderen Personen holt, wie es auch auf „Foretaste of Justice“ der Fall ist, und was zu einer stilistischen Verfeinerung dieses Black-Metal-Projekts führte. Waren die früheren Veröffentlichungen noch deutlich rauer, roher und zuweilen ungestümer, so kippt dieses dritte Album etwas mehr ins Getragenere bzw. Epischere ab. Die Noise-lastigen, doomigen Elemente sind verhältnismäßig runderem, schleppendem, aber dennoch düsterem Atmospheric Black Metal gewichen, der mit beinahe schon griffigen Melodien, Keyboards und einer – vergleichsweise – glatteren Produktion aufwartet.
Auffällig ist zunächst das wunderschöne, stimmungsvolle Cover. Im gleichen Sinne stimmungsvoll eröffnet „Die Blutflamme“ das Album mit langsamen, schwerfälligen Drums, trägen Gitarren, durchsetzt von Leadgitarrenmelodien und atmosphärischen Keyboards. Darüber setzt sich deutschsprachiges, recht gut verständliches Gekrächze, die Texte muten etwas kosmologisch, düster und melancholisch an. Sie handeln vom Sein und Nichts und sind durchaus philosophisch gefärbt. Doch insgesamt will die Flamme nicht so ganz überspringen zu wollen. Abigorum schaffen es in der folgenden knappen Dreiviertelstunde nicht so recht wirkliche Akzente zu setzen. Die Gitarren bewegen sich im eintönigen Mid-Tempo, Melodieläufe kommen und gehen, der Gesang bleibt im Großen und Ganzen recht unaufgeregt. Zuweilen mischen sich leicht schiefes, aber dadurch irgendwo auch düsteres und stimmungsvoll passendes Geigenspiel sowie klare Vocals dazu.
Das Schlagzeugspiel bleibt eintönig und klopft in aller Ruhe seine 4/4-Rockbeats. Rhythmisch interessantes Zusammenspiel oder gar das Ausformen einer Rhythmusgruppe bleiben leider aus. So rauschen die einzelnen Titel leider ein wenig durch. Einzelne gute Ideen werden nicht so recht ausarrangiert und bleiben immer wieder einfach auf der Strecke. Die Produktion ist teils etwas unausgewogen, insbesondere das Schlagzeug geriert sich recht dominant. Wegen des klinischen Sounds wirkt es zuweilen auch wie ein Fremdkörper im Bandgefüge. Das ist alles recht schade, weil es sich bei „Foretaste of Justice“ offensichtlich um ein absolutes Herzblutprojekt handelt. Allerdings schleicht sich der Eindruck ein, dass Abigorum ihren eigenen Ansprüchen nicht haben gerecht werden können. Die in den Bandsound aufgenommenen epischen und melodischen Elemente wirken teils nicht wirklich ausgegoren, Rhythmusgitarren, Bass und Schlagzeug sind zuweilen noch arg konturlos. Man muss schon sagen, dass die Band durch den Wegfall der trostlosen Doom-Elemente und der weniger rumpeligen, dafür stimmungsvollen Produktionen der Vorgänger einiges an Charme und Charakter eingebüßt hat.
Vielleicht soll ein Album aus dem Genre des Atmospheric Black Metals aber auch einfach kein nach Aufmerksamkeit heischendes Sinneseindrucksfeuerwerk sein. Vielleicht ist es auch einfach nur der Soundtrack für einen monotonen Spaziergang durch den düsteren herbstlichen Nebel. Vielleicht untermalt es klanglich auch einfach nur den langsamen Trott durch den kalten, verlorenen Wald, ohne Ziel, ohne Verharren. Manchmal ist Eintönigkeit auch gewünscht. Somit kann dieses Album nur denen empfohlen werden, die leicht verdauliche melodische Kost bevorzugen und ein Herz für Monotonie haben, einen Soundtrack für den Herbstspaziergang brauchen oder sich für bildhübsche Artworks begeistern können. Alle anderen müssen dann halt aufregendere Musik hören.
☠ Tracklist ☠
1. The Blood Flame (Die Blutflamme)
2. Effortlessly into the Darkness (Mühelos in die Dunkelheit)
3. Behind the Sea of Fog (Hinter dem Nebelmeer)
4. The Call of the Desperate Mountains (Der Ruf der verzweifelten Berge)
5. Spirit of the Earth (Geist der Erde)
6. Witness of the Demise (Zeuge des Niedergangs)
7. Sometime Is Now (Irgendwann ist jetzt)
8. At the End of a New World (Am Ende einer neuen Welt)
