Sumen - Pesthammer over Europe

Sumen – Pesthammer over Europe

Eigenproduktion (Pesthammer Records)
2021

Der in jedem schwarzmetallischen Ohr wohlklingende und, wenn man Pest durch Corona ersetzen würde, zum aktuellen Zeitgeschehen sehr passende Titel „Pesthammer over Europe“ gehört zum ersten Lebenszeichen der neugegründeten Berliner Death-Metal-Formation Sumen. Aktuell besteht das Projekt noch lediglich aus dem Initiator und Drumstickschwinger Michael Schulze, welcher noch fleißig nach weiteren Mitmusikern Ausschau hält, die mit ihm gemeinsam die zukünftigen Geschicke von Sumen zu lenken bereit wären. Und dass Michael sich auf eine sehr vielversprechende metallische Zukunft einstellen könnte, beweisen schon die vier vorhandenen, wirklich professionell aufgenommenen und mächtig viel Staub aufwirbelnden Tracks dieser EP-Aufnahme. Thematisch, was hier auch gestaltungstechnisch wirklich schön umgesetzt wurde, befasst sich das Material mit einigen ausgewählten und interessanten wie auch sehr dubiosen geschichtlichen Ereignissen. So besingt „Diabolical Suffering“ die nur wenig bekannte Geschichte der einstigen Doppelstadt Berlin-Kölln, von denen die zweite einem Großbrand zum Opfer fiel. Danach wird noch die im Schwarzmetal sehr oft gezogene Beulenpest ausgebuddelt, der wahnwitzige Kreuzzug der Kinder mit seiner gesamten Grausamkeit und Härte umrissen, bis man mit den nicht minder wahnsinnigen Hexenverbrennungen erneut eine im Metal-Milieu recht weitverbreitete Kiste aufgreift. Alles Sachverhalte also, die schon oft durchgekaut, aber dennoch immer wieder eine tiefschwarze Spannung und Faszination aufzubauen vermögen. Und solch eine, auf tatsächlich stattgefundenen Gegebenheiten beruhende Thematik ist auf jeden Fall viel greifbarer und bewegender als bei so manch anderen, musikalisch in gleiche Kerbe schlagenden Death-Metal-Acts wie z. B. Debauchery, wo irgendwelche blutigen wie stumpfsinnigen, mit Effekthascherei behafteten Zombie- und Splatter-Phantasien ausgelebt und besungen werden. Als ob das richtige Leben nicht genug an morbidem Stoff zu bieten hätte. Aber egal…

Auf der musikalischen Ebene gleicht die Band einer wutentbrannten Zerstörungsorgie, das jedoch auf eine recht intelligente und wohldosierte Art und Weise eingestielt. Während der Opener noch recht chaotisch, mit wilden Schlagzeugtakten und schnell züngelnden Gitarren (inklusive einem fixen, wohl mit brennenden Fingern eingespielten Solo) seine Fühler ausstreckend daherkommt, kommt der zweite Track „Pesthammer“ schon etwas bedachter um die Ecke. Mit einer genialen Riffwalze unterm Arm, werden hier um einiges anständiger die Rüben nur so von den Stümpfen gepflügt. Man spielt auch viel mehr mit den verschiedenen Geschwindigkeiten, zügelt – für Death-Metal-Verhältnisse natürlich – gekonnt das rasende Biest schon mal recht ordentlich, nur um ihm die knochigen Sporen dann nur noch umso fester in die nackten Flanken zu rammen. Echt fieser Song und definitiv ein Aushängeschild dieses noch sehr jungen Projektes! „Children’s Crusade“, vom aushelfenden Musiker Felipe Gruber ersonnen, zeigt Sumen sogar auch noch von einer leicht death-doomigen Seite, möchte ich behaupten. Mehr stampfende Rhythmen bestimmen hier das Bild, die Hilfs- und Mutlosigkeit der bis zum Erschöpfungstode wandernden Kinder akustisch gut einfangend. Im letzten Song „Hexenbrennen (Eternal Fire)“ wird dagegen nochmals so richtig auf die Pauke gehauen, der Doublebass wabert nahezu dauerhaft im Einsatz, während der sich ganz und gar klassisch gebende und sogar recht gut verständliche Death-Metal-Gesang dazu gemächlich hinterherhinkt. Wer Bands wie Fleshcrawl mag, der kommt bei Sumen voll auf seine Kosten, aber auch Freunde des schwedischen Todesbleis werden ihre pure Freude mit diesem Tape haben.

Tracklist
1. Diabolical Suffering
2. Pesthammer
3. Children’s Crusade
4. Hexenbrennen (Eternal Fire)

Geschrieben von Adam am 21. Juli 2021