Sons of a Wanted Man - Kenoma

Sons of a Wanted Man – Kenoma

Les Acteurs de l‘Ombre Productions
2020

Die Belgier von Sons of a Wanted Man legen mit „Kenoma“ ein spannendes und intensives Album vor. Wer die Jungs beim Blodfeast II in Oberhausen live erleben durfte, der weiß, dass die Gruppe aus Beringen mittlerweile mehr als nur ein Geheimtipp für gut informierte Black Metaller ist. Nicht umsonst unterschrieb die Band einen Vertrag bei dem französischen Label Les Acteurs de l‘Ombre Productions und legt mit ihrem ersten, in wunderschönem Digipak veröffentlichten Full-Length ein Zeugnis über ihre enorme Entwicklung in den letzten Jahren ab.

Das Vorhaben, die ekstatische Live-Darbietung der Band auf einen Hörträger zu bannen, ist mit „Kenoma“ hervorragend gelungen. Der titelgebende erste Track zeigt direkt die musikalische Vielfalt und Intensität auf, die Sons of a Wanted Man auszeichnen. Dazu verschmelzen Post-Metal-Riffs und epische Klangwände mit schroffen Schwarz-Metal-Vocals und schwelgerisch schönen Melodien. Die härteren Ausbrüche fügen sich toll ins Gesamtbild; würden Amenra Black Metal machen, so käme der gut zehnminütige und sehr abwechslungsreiche Titelsong des Albums dem schon recht nahe.

„Serpentine“ verspricht zuerst eine ähnliche Raserei zu sein, hat aber viel mehr Tempowechsel und wild groovende Post-Metal-Momente in der Hinterhand. Hier werden die Nackenmuskeln massiert und gleichermaßen Melodien und Klangbilder in die Landschaft gezimmert, dass es nur so eine Freude ist. Dabei ist die Atmosphäre nicht nur tiefschwarz, die Songs nehmen den Hörer vielmehr mit auf eine Reise.

„Canine Devotion“ startet mit gespenstischen weiblichen Vocals von Isa Holliday, die stilistisch an Aleah Starbridge erinnert… Gänsehaut pur als dann die niederträchtigen Black-Metal-Schreie einsetzen. Die Gitarren leisten sehr abwechslungsreiche Arbeit, die Riffs umschmeicheln das Ohr, während die Drums unermüdlich nach vorn treiben und die einzelnen Songparts sehr schön separieren. Das ist wirklich gutes Songwriting.

„Under a Lightless Sky“ spielt mit eher Black-Metal-artigen Riffs. Hier wird deutlich, dass die Band immer einen Hauch wärmer und nicht so schroff kalt und unterkühlt klingt wie beispielsweise Der Weg einer Freiheit. Auch das deutliche Mehr an Nachvollziehbarkeit steht den Sons gut zu Gesicht. Verglichen mit Downfall of Gaia passiert hier mehr und man verlässt sich nicht nur auf die eigene Klangästhetik, sondern lässt Einflüsse außerhalb des Post-Metals gekonnt zu. Das erlaubt dem Song zu atmen und verleiht ihm eine tiefe Sehnsucht und Melancholie. Große Kunst!

„Absent“ beginnt episch und für das zuvor gezeigte Tempo fast schon doomig-gemäßigt – der geneigte Hörer könnte hier aber schon eine Falle wittern. Und so ballert die Band mit den vielen Einflüssen plötzlich ordentlich nach vorne, nur um in ein Neurosis-artiges Riff zu verfallen und daraus mit einer Alcest-artigen Akkordprogression auszubrechen. Genrepuristen mag das verschrecken, wer sich aber in allen Nuancen zwischen Post-Metal und Black Metal wohlfühlt, der wird sich in den Song richtig hineinleben können.

„Amor Fati“ ist experimenteller und setzt die Gitarren stellenweise sehr in den Vordergrund, während der Bass und die Drums im Hintergrund mächtig grooven. Der Song klingt nun deutlich mehr nach Der Weg einer Freiheit, nur um kurz darauf alle Wiedererkennungsmerkmale über den Haufen zu werfen und wild auszubrechen.

Das wunderschöne und instrumentale „Pleroma“ schließt ein spannendes und intensives Album ab, auf dem sich – besonders in den ersten Zweidritteln der Spielzeit – wahre Songwriting-Perlen aneinanderreihen, so dass man zu keiner Zeit merkt, dass Black Metal und Post-Metal unterschiedliche, getrennte Genre sein könnten.

In den besten Momenten blitzen Alcest neben Amenra auf, dazu ein Hauch von Behemoth und jede Menge Eigenständigkeit. Das Album ist für jeden Freigeist mit Hang zum Post- und Black Metal eine wahre Freude und wird dieser Tage in einer sehr limitierten Box auf Vinyl wiederveröffentlicht. Schnell zugreifen!

Tracklist
1. Kenoma
2. Serpentine
3. Canine Devotion
4. Under a Lightless Sky
5. Absent
6. Amor Fati
7. Pleroma

Geschrieben von Sascha am 8. Juli 2020