Nebelgrund - Des Zornes Glut

Nebelgrund – Des Zornes Glut

Winterwolf Tonschmiede
2019

Mit „Des Zornes Glut“, dem dritten Album von Nebelgrund, wurde eine weitere Veröffentlichung der Winterwolf Tonschmiede (ehemals Winterwolf Records) aus dem Boden gestampft, gleichzeitig aber auch die vorletzte (die fünfte und letzte ist „Alder’s Heresy“ von Boötes Void), wodurch dieses Werk so gesehen mitunter auch die Grabmusik dieses Labels darstellt. Die Gründe für die Auflösung liegen, wie bekannt gegeben wurde, wohl vorrangig an schlechten Verkaufszahlen, was aber wiederum sicherlich mit der sehr schlichten DIY-Aufmachung der angebotenen Tonträger begründet werden kann. Als Label muss man einigermaßen professionell zu Werke gehen, das wird einfach so erwartet, und wenn man diesen Anforderungen, aus welchen Gründen auch immer, nicht nachkommen kann, dann ist es besser, einen sauberen Strich unter die Sache zu ziehen. Somit Hut ab vor dieser Entscheidung, denn es bedarf auch einen gewissen Mut, sich selber eine Niederlage eingestehen zu können. Die Winterwölfe, allesamt Musiker aus der Szene, werden uns aber so oder so in irgendeiner Form erhalten bleiben und uns weiterhin mit ihren Black-Metal-Kreationen versorgen. Wie das aussehen wird, das wird die Zukunft zeigen. Also auf mit frischem Wind ins neue Jahrzehnt!

Wenden wir uns aber nun der Musik aus den Tiefen des Nebelgrunds zu. Nach einem kurzen, aus ruhigen Gitarrenklängen zusammengefügten Intro, lässt Nebelgeist dem Titel des Albums folgend seinem Zorn freien Lauf. Ab „Die Wacht beginnt“ knattert und rattert es durchgängig im Gebälk, Gitarren, Bass und Drumcomputer dröhnen und scheppern als ob es einen heiligen Krieg zu gewinnen gäbe. Bei einer entsprechenden Lautstärke ist hier der Tinnitus garantiert! Der hallende Kreischgesang züngelt dazu zornig und unversöhnlich, alle Wut aus sich herausspeiend und die Welt damit befleckend. Doch all diese Aggressionen sind nicht stümperhaft irgendwie dahingeschmiert, sondern regelrecht mit einem schönen Tremolo-Picking, ähnlich wie schon beim Vorgänger „Wahn im Nebel“ von 2018, veredelt. Auf melodischen Schwingen gleiten die Songs daher, von Wind und Sturm gepeitscht, doch im Inneren voller Stolz und ungebrochener Würde. Gerade die Mitte, bestehend aus dem Titeltrack an vierter Stelle, „Der blutig Adler“ und „Von Krieg und verbranntem Land“, weiß mit seinen mitreißerischen Qualitäten zu überzeugen. Einen Abfall gibt es nur beim siebten, rein instrumentalen Track „Sturm im Inneren“ zu verzeichnen. Dieser Song wirkt irgendwie rudimentär, schauderhaft wie ein gewaltiges Gewitter eben, doch zum gewählten Titel schon irgendwie passend. Zum Schluss des Albums bäumt man sich aber mit „Verborgene Welt“ noch einmal gekonnt auf und geleitet den Hörer auf sicheren sowie vertraut melodischen Pfaden aus der Nebelwelt hinaus.

Was bleibt also unterm Strich bei „Des Zornes Glut“ übrig? Definitiv ein ziemlich starkes Werk aus dem allertiefsten Underground des deutschen Schwarzmetalls. Doch Nebelgeist wäre gut beraten, beim nächsten Release einfach einen Schritt weiter zu gehen. Ein Weggang aus dem stetigen Low-Fi-Gefilde zu einer besseren, professionelleren Produktion hin sollte auf jeden Fall als nächstes angegangen werden. Denn Nebelgrund könnte mehr sein. Davon bin ich überzeugt! Die Frage ist nur, ob Nebelgeist das auch möchte. Manch einer ist mit wenig glücklich, was auch völlig legitim ist.


Tracklist
1. Des Zornes Glut erwacht
2. Die Wacht beginnt
3. Krieg ist sein Weg
4. Des Zornes Glut
5. Der blutig Adler
6. Von Krieg und verbranntem Land
7. Sturm im Inneren
8. Verborgene Welt


Geschrieben von Adam am 3. März 2020