Hypnotic Dirge Records
☠ 2026 ☠
Italienische Bands haben, und das sicherlich nicht erst seit dem Barock, einen ganz speziellen Hang zur Melodie. Das macht sie auf Anhieb sehr reizvoll und für jedermann zugänglich, wie auch im Fall des Debüts „Let Water Flow“ von Moon Wisdom. Deren Erstling ist mit knapp einer halben Stunde Spielzeit zwar relativ kurz, doch dafür recht knackig. Und die gesamte optische Ausgestaltung – immer ein mehr als gewichtiger und nicht zu unterschätzender Faktor! – ist ebenfalls einfach nur berauschend, weil sehr klassisch ausgefallen; ein tolles Gemälde ziert, ähnlich wie es zum Beispiel bei den kultigen Frühwerken von Aeternus der Fall ist, großflächig die Front, das geschwungene Logo, vom Stil her etwas an das der deutschen Band Nagelfar erinnernd, ist absolut stimmig, wodurch das Auge des Betrachters jedes Mal aufs Angenehmste verwöhnt wird. Ganz klassisch ist auch die Konstellation: Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang natürlich. Der Sound wird also mit nichts überladen, und man kommt hier voll auf seine Kosten. Bekannte Bands wie zum Beispiel Immortal haben schon in der Vergangenheit mehr als eindrucksvoll bewiesen, dass gerade im Black Metal weniger manchmal mehr sein kann, die einzelnen Instrumente bekommen so mehr Raum zur Entfaltung, wobei deren Stärken um einiges besser ausgearbeitet und zur Geltung gebracht werden können. Und das ist auch etwas, was bei „Let Water Flow“ sofort auffällt und wunderbar funktioniert.
Kompositorisch bewegt man sich bei Moon Wisdom gleichermaßen auf der zweifellos sicheren Seite. Das Erbe vieler Wegbereiter des Black Metals schimmert hier und da geisterhaft durch, was die fünf Tracks des Albums (Intro und Outro nicht mit eingerechnet) im besten Mondlicht erstrahlen lässt. Zudem hat die Band mit der Bassistin und Sängerin Faith auch das richtige Biest am Mikro, deren fauchende Stimme einen hervorragenden Melodieträger abgibt. Das turbulente Zusammenspiel des Gesangs mit den Gitarrenmelodien mag zuweilen sogar ein wenig an die leider viel zu früh verblichenen Ordo Draconis und ähnliche Acts erinnern, doch ohne den Einsatz von Keyboard inszeniert, wirkt das hier dargebotene Songmaterial viel geerdeter sowie kraftvoller und geradliniger. Dennoch darf man auch hier gelegentlich in höhere himmlische Sphären entschweben, zum Beispiel während des langsameren Gitarrenspiels bei „Dark Shades“, welches in der Tat leichte Parallelen zu den Norwegern von Aeternus aufweist. Die Mischung von Moon Wisdom ist eindeutig von der zweiten Welle des Black Metals inspiriert, jedoch ohne eine übertriebene Rohheit oder elitäre Arroganz, wie man es bei vielen anderen neueren Black-Metal-Bands beobachten kann, an den Tag legen zu wollen. Mit Stolz, Edelmut und einer gewissen Demut gegenüber dem Ursprung geht das Trio hier ans Werk, und das macht die Musiker sympathisch und deren Schöpfung sehr angenehm fürs Ohr. Die organische Produktion, von der das rhythmische Schlagzeugspiel besonders profitiert, gibt „Let Water Flow“ noch den letzten Schliff, so dass man hier von einem sehr gelungenen Erstschlag sprechen kann. Jetzt heißt es hoffen, dass bald noch weitere Heldentaten aus der Feder von Moon Wisdom auf uns einprasseln werden.
☠ Tracklist ☠
1. Intro
2. As Rain
3. Ashen Winds
4. Frozen Soul
5. Solitude
6. Dark Shades
7. Lullaby of Woods
