Mavorim - Axis Mundi

Mavorim – Axis Mundi

Worship Tapes (Tape)
Purity Through Fire (CD)

2020

Nachdem Mavorims erstes Langspielalbum „Silent Leges Inter Arma“ in dem deutschen Schwarzmetall-Underground wahrlich wie eine Bombe detonierte, stand nur kurze Zeit später auch schon der heißersehnte Nachfolger fertig in den Startlöchern. Und „Axis Mundi“ enttäuscht in keinerlei Weise, im Gegenteil, auch das zweite Hauptwerk von Mavorim erfüllt mühelos alle musikalischen Erwartungen. Und es setzt nicht nur an den Vorgänger an, sondern setzt sogar noch einen drauf, weshalb man jetzt zweifelsfrei sagen kann, dass sich Einzelkämpfer Baptist zu DER Stimme des tiefgründigen deutschen Black Metals herausgemausert hat, also genau genommen zu dem, was andere krampfhaft zu erreichen versuchen, aber meist am eigenen, zu großen Ego oder einfach an der fehlenden Kreativität scheitern. Mavorims Entwicklung ging dagegen ganz natürlich vonstatten; unvoreingenommen, sich selber stets treu und ohne irgendeine Erwartungshaltung zu hegen, kam Baptist an einem Ziel an, das er gar nicht so anvisiert hatte, möchte ich behaupten. Aber egal wie glücklich sich da der Sachverhalt zusammenfügte, Fakt ist, dass Mavorim eine Musik erschafft, die alle Blackmetaller direkt anspricht und abholt. Egal, ob man es melodisch mag, oder doch lieber griffig und riffig und den Nacken stimulierend, und auch wenn man einfach nur grölen und die Faust nach oben recken möchte, die Kompositionen von Baptist bedienen all diese Wünsche auf einmal. Und das ist eine Kunst, die nur einem unbefangenen Geist entspringen kann und die ganz klar Führungsqualitäten aufweist.

Die Durchschlagskraft von „Axis Mundi“ beruht, wie auch schon bei allen bisherigen Veröffentlichungen von Mavorim mehr oder weniger zuvor, auf einem gesunden Mischverhältnis zwischen der stark fundamentalen Black-Metal-Säule und gut dosierten atmosphärischen Ambient-Zusätzen. Die Fusion dieser beiden Stile bildet ein komplementäres Musikbildnis, welches das Blut recht schnell zum Kochen bzw. sogar zum Überlaufen bringen kann. Dies ist nicht nur den zielsicheren, unter instrumentalem Dauerfeuer stehenden und durch abwechslungsreiche und stets melodische Rhythmik angetriebenen Kompositionen zu verdanken, sondern vor allem auch der fesselnden und sehr variablen Stimme von Baptist, die sich stets der Musik anpasst und regelrecht Öl ins lodernde Feuer gießt. Besonders deutlich wird dies, wenn man den Songtexten etwas mehr Aufmerksamkeit schenkt. Sinnbildlicher, blutiger Kampf um eine idealisierte sowie totalitäre Freiheit gegen nicht näher definierte, imaginäre Feindbilder bestimmen nach wie vor die meisten Lyrics von Mavorim. Sie beschwören Visionen einer natürlichen Gerechtigkeit, die von den meisten Hörern sicherlich gerne romantisiert und befürwortet wird, doch im Falle einer Wirklichkeitwerdung ganz gewiss nur von den allerwenigsten umgesetzt bzw. vorgelebt werden könnte. Seien wir mal ehrlich, eigentlich ist es doch wie immer: Im euphorischen Eifer und aus einer bequemen sowie ungefährlichen Position heraus ist es ein Einfaches vom Blutvergießen und irgendwelchen (sinnvollen oder unsinnigen) Heldentaten zu schwadronieren, wo es dagegen ein unheimlich Schweres ist, im Ernstfall sein eigenes Blut für irgendeine (selbst gute) Sache zu vergießen. Wer sich den Kampf und Krieg wünscht, der hat noch nie einen echten Kampf und realen Krieg erfahren. Doch wie immer es sich verhalten mag, ich neige dazu, Mavorims Lyrics als Metapher für eine grenzenlose Wut zu verstehen, eine (womöglich angestaute) Wut, welche sich auf der künstlerischen Ebene vollständig entladen und die vielen dafür anfälligen Menschen einfach nur satt machen kann. Unter diesem Gesichtspunkt hat diese Musik auch noch eine weitere, zusätzliche Daseinsberechtigung. Die primäre ist aber ganz klar in der genialen musikalischen Umsetzung begründet! Ein Beispiel? Der letzte Song „Kaiserjägerlied“, ein Cover von Minenwerfer. Normalerweise halte ich Cover-Songs für total überflüssig, weil sie nie besser als die Originale klingen. Doch in diesem Fall ist es anders, was mich echt überraschte. Erstaunlich!


Tracklist
1. Weltenberg
2. Aus Asche auferstanden
3. Wo kriegergleiche Kräfte walten
4. Wie ein Sturm
5. Die letzte Festung
6. Die Ufer von Thule
7. Der Himmel bricht entzwei
8. Verbannt in Dunkelheit
9. Königsjäger
10. Axis Mundi
11. Hyperborea
12. Wie ein Sturm
13. Kaiserjägerlied (Minenwerfer-Cover)


Geschrieben von Adam am 27. März 2020