Interview mit Beltez

Interview mit Beltez

Im Black Metal, aber auch in allen anderen Metal-Genres, gibt es viele Bands, die trotz sehr guter Veröffentlichungen ein mehr oder weniger einsames Nischendasein fristen. Vorwiegend deshalb, weil die breite Metal-Öffentlichkeit aufgrund mangelnder oder dürftiger Berichterstattung nichts vor ihrer Existenz weiß. Eine davon ist die Kölner Institution Beltez. Nach langen Zeitintervallen ist diese Meute wieder verstärkt im Underground aktiv und gerade dabei, ihren nächsten Hammerwurf zu vollführen. Der Sound ihres letzten Albums „Exiled, Punished… Rejected“ ist schon so wuchtig wie der von Helrunar zu Anfang ihres Schaffens, von daher ist es mehr als absehbar, dass das kommende, bereits angekündigte Werk mindestens dieselbe Klasse aufweisen wird. Dominic, der Bandkopf von Beltez, hat sich auch sofort bereit erklärt, uns ein paar Fragen zum Sachverhalt zu beantworten.

Sei gegrüßt Dominic! Zunächst würde mich interessieren, wie die aktuelle Lage bei Euch ist? Marc, Euer Sänger, wurde erst kürzlich aus den Latschen gehauen. Ist er wieder fit, geht es ihm wieder soweit gut, dass er das Mikro wieder genüsslich kauen kann? Oder hat dieser unerfreuliche Vorfall womöglich irgendwelche weitreichende, ungeplante Konsequenzen für das zukünftige Bandgefüge? Hoffentlich nicht!

Hi Adam! Da kann ich Entwarnung geben. Die aktuelle Lage bei uns ist gut. Marc hatte diese Art der OP schon einmal und es ist bei dieser Art zum Glück nur eine Frage der Zeit, bis er wieder fit ist. Dieser Zeitpunkt muss dann allerdings schon jetzt kommenden Dienstag (am 25.02.2020) sein, wenn wir den Gesang für das nächste Album aufnehmen. Ich bin da aber ganz optimistisch.

Das ist erfreulich, dass bei Euch alles wieder in Butter ist! Ein längerer Ausfall eines Bandkollegen wäre für Eure Pläne sicherlich nicht gut. Es ist im Allgemeinen eh schlecht, wenn gut funktionierende Bands Besetzungswechsel erfahren müssen. So war es z. B. auch bei Helrunar, als Dionysos die Band verließ, denn ihre neueren Werke lassen eine gewisse Kraft missen, welche die Alben davor auszeichnet, und auch bei den vielen Rhapsody-Bands ist mittlerweile der Ofen aus, was meiner Ansicht nach definitiv den vielen Umstrukturierungen im Bandgefüge geschuldet ist. Ich denke, und die Geschichte wird mir da wohl recht geben, dass nahezu jede Band oft nur in einer ganz bestimmten menschlichen Konstellation gut funktioniert. Sieht Du das bei Euch auch so? Oder seid Ihr so flexibel und Euer Musikstil derart konstruiert, dass Ihr problemlos und schnell mit neuen Musikern klarkommen würdet?

Im Endeffekt waren wir ja auch nicht davor gefeit. Unser alter Drummer hatte uns 2018 verlassen, nachdem sich abzeichnete, dass das ständige Pendeln zwischen seiner Arbeit und dem Wohnort und natürlich auch der notwendige Zeitaufwand für eine Band nicht mehr bei ihm funktionierten. Unser neuer, Sebastian, konnte dabei die Lücke gut ausfüllen, ist vom Spiel aber komplett anders. Hier mussten wir erst einmal eine gemeinsame Harmonie finden, was schon ein ziemlicher Kraftakt war, da ich vor allem auch jedem die Möglichkeit bieten möchte, sich mehr in das Songwriting einzubringen. Ich musste da allerdings auch erst einmal das Loslassen lernen. Ein Prozess, der immer noch andauert!

Ich kann aber zumindest jetzt schon im Hinblick auf das kommende Album spoilern, dass uns die Kraft und Energie nicht verlassen haben!

Spoilern tut Ihr ja schon bei Euren Live-Gigs, wie ich bei der Wintermelodei 2019 in Münster bereits feststellen musste, indem Ihr einen Song vom neuen Album spielt. Ein wirklich fetter Auftritt übrigens! Doch bevor wir uns Eurem vierten, sich im Aufnahmeprozess befindenden Album widmen, lass uns noch kurz in Eure Vergangenheit abtauchen. Zwischen „Beltane“ und „Tod: Part 1“ lagen mehr als über zehn Jahre, und auch der Weg von „Tod: Part 1“ bis zu „Exiled, Punished… Rejected“ betrug gute vier Winter. Ihr habt Euch in diesen beiden Zeitspannen relativ stark neu ausgerichtet bzw. umorientiert, so wie ich das überblicke. Eure Alben sehen nicht nur rein optisch alle sehr verschieden aus, sie klingen auch immer ganz anders. Wieso diese starken Kurskorrekturen? Wart Ihr mit den Ergebnissen nie vollauf zufrieden gewesen bzw. welche Umstände waren dafür verantwortlich, dass Ihr so lange auf der Suche nach dem für Euch passenden Sound/Stil gewesen seid? Mit „Exiled, Punished… Rejected“ habt Ihr diesen aber nun endlich gefunden, nicht wahr?

„Beltane“ ist ein Relikt seiner Zeit. Ich habe es auch schon in anderen Interviews klargestellt, dass die Aufnahmen im Endeffekt unsere Demos sind, die für den Geburtstag eines ehemaligen Kumpels gemacht wurden. Von unserer Seite bestand also kein Anspruch auf ein gutes und durchdachtes Songwriting, vielmehr stand der Spaß an der Sache im Fokus.

„Tod: Part 1“ ist da schon eine ganz andere Sache. Im Endeffekt war zu diesem Zeitpunkt noch keine wirkliche Band vorhanden, nur Flagg am Bass und ich, da unser früherer Sänger sich schon damals zurückgezogen hatte. Das Album ist deshalb über mehrere Jahre entstanden, aber ohne einen wirklich kohärenten Prozess im Songwriting. Finalisiert wurde das Album dann innerhalb einer Woche in purem Homerecording. Dass der Drumcomputer tatsächlich den wenigsten aufgefallen ist, wundert mich dabei bis heute.

Erst hinter „Exiled, Punished… Rejected“ stand dann zum ersten Mal wirklich eine komplette Band. Und auch wenn die Songs wieder nahezu vollständig von mir geschrieben und arrangiert worden sind, beim Proben wurde trotzdem noch das eine oder andere angepasst und vor allem mit Sounds experimentiert. Wir wollten ja die Stimmung und Texte des Konzepts möglichst optimal zur Geltung bringen, was rückblickend vom Feedback her wohl sehr gut funktioniert hat! Der Input der anderen war also maßgeblich für das Resultat.

Die Kurskorrekturen haben sich also automatisch ergeben, da jedes Album immer auch seiner Zeit geschuldet ist. Zur Wintermelodei 2019: Wir haben sogar zwei neue Songs gespielt, was irgendwie auch Deine letzte Frage beantwortet. Scheinbar haben wir also unseren Sound gefunden!

Damit einhergehend habt Ihr auch den True-Zusatz und das Galgenmännchen aus dem Logo und Programm gestrichen. Doch früher wolltet Ihr als true angesehen werden, nicht wahr? Sonst hättet Ihr das Logo nicht so gestrickt. Warum wollt Ihr es heute nicht mehr? Als True Raw Misanthropic Black Metal kann Eure Musik auch nicht mehr bezeichnet werden, würde ich jetzt mal behaupten. Was für eine Bezeichnung mögt Ihr hören? Vielleicht was moderneres wie Post-Black? Oder ganz und gar nicht zutreffend?

Der Logozusatz „The True“ war auch so ein Überbleibsel aus der Ära „Beltane“ und kann als ein Augenzwinkern in Richtung Mayhem verstanden werden. Für „Tod: Part 1“ hatten wir folgerichtig das „The True“ weiterhin verwendet, da ein Großteil des Songwritings ja noch aus der Zeit, in der auch „Beltane“ entstanden ist, stammte.

Bei der Arbeit an „Exiled, Punished… Rejected“ hatten wir aber schon recht früh festgestellt, dass das nicht mehr zu uns passen würde, denn dafür war der Sound einfach ein anderer geworden. Verstehen wir uns als true? Nicht wirklich, wenn man das auf die Corpse-Paint- und Nietenzeiten des Black Metals beziehen würde. Wenn jedoch true im Sinne einer finsteren Atmosphäre, dann muss ich das allerdings bejahen. Wie Du ja sicherlich weißt, geizen wir live nicht mit Nebel, da wir eher finden, dass die Musik im Vordergrund stehen sollte und nicht die einzelnen Musiker. Deshalb ist uns auch Kostümierung im klassischen Sinne nicht wichtig. Insofern kannst Du mir hier sicherlich sagen, ob Du uns live als true einschätzen würdest! Also, Gegenfrage an Dich: Wie hast Du den Auftritt denn empfunden?

Auch wenn wir sicherlich einige Elemente des Post-Black Metals, zum Beispiel in den atmosphärischen Parts, verwenden, ist der Kern der Musik dennoch im härteren Black Metal amerikanischer Prägung verwurzelt. Der Fokus steht dabei immer auf einer grundsätzlich finsteren Atmosphäre. Nicht dass wir persönlich auch die eine oder andere Post-Black-Metal-Band nicht wirklich schätzen würden, doch sehen wir uns weder optisch noch soundtechnisch dort beheimatet.

Um Deine Gegenfrage zu beantworten Dominic: Wie schon gesagt, fand ich Euren Gig richtig wuchtig, für mich wart Ihr ganz klar der Sieger des Abends gewesen. Ihr seid von der Kraft sowie der Authentizität, die der Black Metal verkörpert sollte, definitiv mehr true als so manch eine Band, die damit hausieren geht und sich sonst was darauf einbildet. Es ist besser, es so, wie Ihr es tut, zu handhaben: Einfach true sein, und es nicht offen nach außen zur Schau stellen. Anhand der Musik finden die Hörer eh immer von alleine heraus, ob eine Band true ist oder es nur vorgibt zu sein. Aber wie man es auch an Euch sehen kann, brauchen junge Bands Zeit, um sich entwickeln zu können. Sollte man also den zahlreichen jungen Bands von heute auch denselben Entwicklungsprozess zugestehen, oder ist es albern, wenn sie übertrieben einen auf true machen? Wie siehst Du das?

Vielen Dank dafür! Ich schwanke noch zwischen Gaerea und Laster (da ich Winterfylleth und Numenorean verpasst habe). Hier haben wir auch gleich einen guten Einstieg in Deine Frage. Beides sind ja noch recht junge Bands, welche die möglichen Facetten, die der Black Metal zu bieten hat, zeigen. Auch Äera und Numenorean haben die mögliche Vielfalt der Musik an diesem Abend gut veranschaulicht. Horn passten als Pagan-Band für meinen Geschmack nicht so ganz ins Konzept, aber sie waren ja auch – zu Recht – der gefühlte Publikumsliebling des Abends.

Wenn aber junge Bands in Interviews einem zu diktieren versuchen, wie Black Metal zu sein hat, was zugegebenermaßen eine sehr ermüdende Diskussion ist, muss ich immer schmunzeln. Dennoch, jeder soll da seinen ganz eigenen Entwicklungsschritt machen. Black Metal bedeutet für mich auch ein Stück Freiheit, und das nicht nur im musikalischen Sinne. Im Endeffekt ist es mir persönlich aber egal, ob sich jemand auf Teufel komm raus schminken muss, Kapuzen, Nietenarmbänder oder auch Flanellhemd und Dutt auf der Bühne trägt. Wenn der Musik dabei eine Authentizität anhaftet, ist es für mich gut.

Die Frage bleibt auch, auf welche Welle man sich dann bezieht. Waren Bathory oder Venom schon Black Metal? Oder fing das alles doch erst mit der zweiten Welle – und dem damit einhergehenden Sound – an? Mir ist das alles zu müßig und erfahrungsgemäß führen Diskussionen diesbezüglich nie zu einem Konsens, oder wie siehst Du das?

Es gibt für mich allerdings auch Bands, die ich von ihrer Attitüde definitiv nicht als Black Metal sehe, obwohl diese sowohl Corpse Paint als auch den mehr oder weniger passenden Sound als Kriterien für manche beinhalten.

Aus gemachter Erfahrung kann ich sagen, dass man bei solchen Grundsatzdiskussionen nie auf einen Nenner kommen wird. Viele sind in ihrer gefestigten Meinung einzementiert und können bzw. wollen keinen Zoll breit von der eine gewisse Bequemlichkeit bietenden Engstirnigkeit oder ihrer, sich in der Seele eingebrannten Argumentation abrücken. Vieles mag sicherlich auf noch mangelnder Lebenserfahrung beruhen, manchmal ist es aber bestimmt auch auf den Mangel an gesundem Menschenverstand zurückzuführen. Vor allem wenn es in ganz fragwürdige, andere Menschen diffamierende und/oder ausgrenzende Richtungen oder Ecken des Black Metals geht. Vieles wird oftmals auch nur an winzigen Details dingfest gemacht, während das große Ganze von vielen gar nicht erst überblickt werden kann, meistens, weil persönliche Probleme sehr oft eine gesunde Weitsicht verhindern oder nicht zulassen. Das ist aber ganz natürlich, ja menschlich, denn persönliche Erfahrungen und/oder Elternhäuser prägen die Menschen und deren Meinungen doch am allermeisten, nicht wahr? Nicht jeder ist von Haus aus zu einem Dichter geboren. Davon mal abgesehen, ich hab schon im Leben viele Beispiele gesehen, wie sich Menschen auf einmal um 180 Grad wandeln können, auch von einem eingefleischten, „böse“ aussehenden Black-Metal-Fan zu einem liebevollen Anzugträger. Mich überrascht da nicht wirklich viel. Letztendlich ist es im Grunde auch vollkommen egal, wer der erste oder der authentischste Wegbereiter war oder ist, wichtig sind die musikalischen Qualitäten einer Band sowie eine sehr gesunde Einstellung zu der Sache an sich. Sehe es also ähnlich wie Du.

Doch um wieder auf Euch zurückzukommen, wie ist nun der Aufenthalt im Liquid-Aether-Tonstudio verlaufen? Alles direkt beim ersten Mal geklappt? Mit dem Studiobetreiber Mario Dahmen habt Ihr sicherlich auch den richtigen Mann an Eurer Seite, der genau weiß, wie der Beltez-Sound klingen muss, oder?

Wir sind tatsächlich gerade (Stand Ende Februar 2020) noch im Liquid-Aether-Studio zugange. Genau genommen fehlen nur noch ein paar zusätzliche Vocals. Die Vorgehensweise unterschied sich dieses Mal sehr stark von der bei „Exiled, Punished… Rejected“. So wurde das Schlagzeug von unserem Drummer zu Hause aufgenommen und von Mario dann nur noch bearbeitet und gemischt. Die Gitarren wurden auch nahezu vollständig in Heimarbeit erledigt und im Studio nur noch gereampt. Vorteilhaft ist, dass wir jetzt auch endlich unsere Boxen benutzen durften, um unseren Live-Sound auf diese Weise möglichst einfangen zu können. Das war im vorherigen Studio aufgrund der Gegebenheiten nicht möglich.

Der wichtigste Punkt für uns ist aber der, dass Mario unsere Vision des Albums und des beabsichtigten Sounds teilt und genauso wie wir sehr begeistert und fokussiert am Album mitarbeitet. Der Sound wird insgesamt deutlicher drückender und finsterer als noch bei „Exiled, Punished… Rejected“ werden, passend zum gesamten Konzept des Albums. Wir sind ja auch nicht in den Anfängen der 90er oder eine Band wie Sanguine Relic (auch wenn ich beides sehr schätze).

Der Sound des neuen Albums wird also noch fetter als der von „Exiled, Punished… Rejected“? Geht das denn überhaupt noch? Die Spannung steigt! Vielleicht kannst Du auch schon ein paar Eckdaten zum Album durchgeben? Titel, Anzahl der Tracks, die Art des Cover-Artworks und so…

Ich möchte da jetzt noch nicht zu viel verraten, aber ein paar Eckdaten kann ich bestimmt schon nennen. Es wird sieben eigentliche Songs geben, die durch zwei oder drei Interludien ergänzt werden. Zusätzlich wird es noch ein zum Konzept des Album passendes Hörbuch geben, welches von einem Mitglied einer jetzt (noch) nicht näher genannten englischen Band eingesprochen wurde. Das textliche Konzept der Musik basiert dabei auf einer Geschichte, die Ulrike Serowy (Autorin von u. a. „Skogtatt“) exklusiv für uns geschrieben hat. Diese ist recht untypisch für den Black Metal, weshalb das Album von der textlichen Seite her nicht wirklich im Black Metal beheimatet sein wird. Das Cover lassen wir dabei noch als ein wohlbehütetes Geheimnis. Wer mit den Werken von unserem „Haus- und Hofzeichner“ Benjamin Harff von Kodex Barbaricus (u. a. für die Booklets von Atlantean Kodex verantwortlich) vertraut ist, der weiß, dass das Bild sehr stimmig sein wird.

Da uns das Gesamtkunstwerk immer sehr wichtig ist, treiben wir es dieses Mal also noch einen Schritt weiter als bei „Exiled, Punished… Rejected“. Mir persönlich ist es immer sehr wichtig, wenn alles miteinander im Fluss ist. Die schon genannte Band Atlantean Kodex schafft das jedes Mal in perfekter Form, aber auch die schon eingangs erwähnten Helrunar überraschen mich dabei immer wieder. Wobei „Sól“ immer noch meinen persönlichen Meilenstein der Band darstellt. Hattest Du eigentlich „Sól“ in Deiner anfangs erwähnten Frage bezüglich der „verlorenen Kraft“ mit einbezogen oder meintest Du da eher die neueren Werke?

Wie genau das Ganze dann in physischer Form erscheinen wird, das planen wir dann mit Avantgarde Music zusammen, sobald das Album komplett gemischt und gemastert ist.

Ich sehe schon, Ihr wollt hier nicht schon zu viel Pulver im Vorfeld verschießen. Das mit Ulrike war mir schon bekannt, da sie es mir schon auf der Wintermelodei zuraunte. Um was für eine Thematik es sich genau dabei handelt, dazu möchtest Du nichts verraten, oder? Und kann es sein, dass Dan Capp der Narrator sein wird? Er hat sich letztens ziemlich oft hier in der Gegend herumgetrieben, haha… Na ja, egal, die Zeit wird schon alles ans Tageslicht befördern. Wir sind auf jeden Fall sehr gespannt! Und wieso nun der Wechsel zu Avantgarde Music? Wart Ihr mit der Arbeit zum letzten Album bei Bret Hard Records (Jewelcase-CD), Throats Productions (Digipak) und The Crawling Chaos Records (Tape und LP) nicht ganz zufrieden gewesen? Oder war das etwas zu viel der Labels?

In Bezug auf Helrunar betrachte ich eher die neueren Werke als die schwächeren, wobei ich das Album „Sól“ als eine Art Grenzgänger betrachte. Es besitzt noch die Stärken der früheren Werke, gerade bei „Zweige der Erinnerung“, die Thematik ist aber meiner Ansicht nach zu sehr in die Länge gestreckt worden. Man hätte das sicherlich etwas strammer auf nur einer CD unterbringen können, aber das ist nur – wie immer – eine rein subjektive Betrachtungsweise. „Rattenkönig“ gehört aber auf jeden Fall zu den besten Songs, die Helrunar geschrieben haben. Hoffe, Deine Frage ist damit ausreichend beantwortet, Dominic…

Du investigativer Reporter! Ich werde das weder bestätigen noch verneinen, ha!

Wieso der Wechsel zu Avantgarde? Nun, mit Bret Hard Records ist das Ganze am Ende sehr unschön verlaufen, weshalb die LP dann auch zum Glück im Teamwork über The Crawling Chaos Records veröffentlicht werden konnte. Bret Hard ist mittlerweile eh geschlossen, insofern ist dieses Thema hinfällig.

Wir waren mit The Crawling Chaos Records sehr zufrieden, da gibt es nichts zu meckern. Holger arbeitet zuverlässig, hätte aber beim Angebot von Avantgarde Music als – hoffentlich nicht mehr lange – kleineres Label nicht mithalten können. Die Zusammenarbeit mit Throats Productions lief im Vorfeld reibungslos, allerdings wurden diverse Digipaks von der mexikanischen Post verschlampt. Die angekommenen Digipaks waren zwar tadellos, aber wir wollen hier erst einmal von einer weiteren Zusammenarbeit absehen. Wenn die Hälfte der zugesicherten Lieferung nicht ankommt, wirft das einfach kein gutes Licht auf das Label.

Avantgarde Music hatten direkt nach der Veröffentlichung von „Exiled, Punished… Rejected“ Interesse an uns gezeigt und hätten auch gern die LP produziert, wenn wir nicht schon einen Tag vorher mit Holger den Deal dingfest gemacht hätten. Und Hand aufs Herz, wer möchte nicht gerne mit einem der ältesten Labels, welches immer ein Gespür für – auch kleinere – Künstler hatte, arbeiten? Das Angebot von Avantgarde Music entsprach dabei exakt unseren Vorstellungen, weshalb wir auch keine Vergleichsangebote herangezogen haben.

Hahaha! Nun gut, also vertagen wir uns bis zum Release oder kurz davor, wenn Du dann etwas mehr über das neue Album zwitschern kannst. Doch bevor ich Dich wieder ins Studio entlasse, noch eine Frage: Es ist doch nur konsequent, dass Ihr, nachdem Ihr ein Album mit dem Zusatz „Part 1“ betitelt habt, auch noch einen Nachfolger abliefern werdet, nicht wahr? Oder wollt Ihr diesbezüglich nicht konsequent sein und „Tod: Part 2“ nicht mehr raushauen? So ein Song wie „Frosttod“ aus „Beltane“, der über ein sehr schönes Gitarrenleitmotiv verfügt, könnte doch erneut dafür aufgegriffen werden, oder nicht? Fände es zumindest sehr interessant ihn in einem neuen Gewand zu hören…

Da hast Du auf jeden Fall recht. Ein zweiter Teil ist nach wie vor in unserem Hinterkopf, und in dem Zusammenhang stand es auch schon zur Debatte, alte Songs noch einmal neu aufleben zu lassen. Das Thema ist also noch lange nicht abgeschrieben, aber derzeit natürlich auch noch nicht spruchreif. Es findet sich aber tatsächlich ein (recht kurzes) Motiv aus der Post-Beltane-Zeit auf dem kommenden Album wieder!

Das ist natürlich eine interessante Neuigkeit! Bin wirklich schon gespannt, wann und wie Ihr in der Lage sein werdet den zweiten Teil von „Tod“ realisieren zu können. Dominic, ich danke Dir für das angenehme Gespräch! Wir machen weiter, wenn das neue Album erschienen ist, in Ordnung?

Ha! Das sind wir auch! Und sehr gerne! Später werde ich bestimmt etwas mehr zum neuen Album sagen können und Du dann sicherlich auch. Vielen Dank für diese Möglichkeit zum Interview und das angenehme Gespräch Adam! Wir sprechen uns bald wieder!

Geschrieben von Adam am 31. März 2020