Ash of Ashes - All Must Wither

Ash of Ashes – All Must Wither

Metalloscope Music
☠ 2026 ☠

Mittlerweile ist es schon etwas über dreieinhalb Jahre her, als das zweite hervorragende Album von Ash of Ashes veröffentlicht wurde. Danach hat sich Skaldir erneut in seinem stillen Kämmerlein verschanzt, um weiter an seiner Musik und dem Nachfolger von „Traces“ zu feilen. Und da er in seinem Perfektionsdrang ein noch um einiges besseres Werk als alles bisher Ersonnene kreieren wollte, hat es dann eben so lange gedauert, wie es halt eben dauert, bis die Kreativität die schönsten Blüten und die schmackhaftesten Früchte trägt. Und „All Must Wither“, so der Titel des neuen Albums, kann/darf/muss wahrlich als ein Meisterwerk des epischen Metals gehandelt werden. Allein nur die erlesenen Melodien; egal welchen Song man auswählt, sie alle sind dermaßen catchy ausgearbeitet, dass sie einem direkt beim allerersten Hören wie reines Zucker instant ins Blut gehen. Doch freilich lebt die Musik von Ash of Ashes nicht nur von der melodischen Raffinesse. Galantes Riffing, eingestreute Gitarrensoli, fließende Übergänge zwischen Refrain und Strophe, hier ist nichts dem Zufall überlassen, jeder Ton wirkt quasi wie behutsam abgerundet, damit die musikalischen Zahnräder so smooth wie nur möglich ineinander und dem Hörer ganz ungezwungen und wohlig ins Ohr gehen können. Doch in all den meisterhaft mitreißenden Klängen und Harmonien schwingt stets eine gewisse Melancholie am fernen Horizont mit, welche von dem gewählten Albumtitel „All Must Wither“ stark unterstrichen wird. Thematisch passt dies natürlich bestens in die aktuelle Zeit, wie der Opener „The Great Deceiver“ es ohne Umschweife darlegt. Da geht es um den großangelegten (Selbst)Betrug, wohl primär um jene alten und kranken Greise und Kriegstreiber, die sich eisern an ihre irdische Macht klammern, unfähig ihren Hunger zu stillen, sich davon zu lösen und den eigenen inneren Frieden zu finden. Stattdessen tun sie so, als ob sie ewig leben und alles beherrschen würden, wobei sie mit ihren eigennützigen Aktionen die gesamte Welt mit in den Untergang zu reißen drohen. Letzten Endes hat nichts dauerhaften Bestand, denn irgendwann wird alles dem Verfall anheimfallen, dem kosmischen Gesetz der immerwährenden Veränderung, dem ewig mahlenden Zahn der Zeit. Das zu erkennen und vor allem auch zu akzeptieren, dass fällt vielen schwer. Die Angst vor dem Unbekannten nach dem persönlichen Zerfall, dem unausweichlichen Tod, lässt sicherlich nicht wenige innerlich verzweifeln, da kommen Illusionen und Lügen, die Schutz und Heil versprechen, doch gelegen. Aber egal was man sich auch ausdenken oder ausmalen mag, dem endgültigen Schicksal kann nichts und niemand entkommen. In zig Milliarden Jahren, wenn die Erde und gar unser Sonnensystem nicht mehr existieren werden, wird auch von uns kein einziges Staubkörnchen übrigbleiben. Selbst all unser Wissen und Erinnerungen finden in der unheimlichen Vergessenheit irgendwann ein jähes Ende…

Gleichermaßen herausragend wie die Musik ist auch Skaldirs heller Gesang, welcher den Großteil der Melodien mitträgt und sich nach wie vor regelmäßig mit Mortens harschen Vocals abwechselt. Es ist unglaublich, wie mühelos – Michael Kiske lässt grüßen! – das alles klingt! Ash of Ashes sind zwar nur ein kleines Projekt, aber ein sehr sympathisches und authentisches, und auch eines, an den musikalisch selbst viele große Namen nicht herankommen. „All Must Wither“ ist definitiv ein majestätisches Werk von nobler Größe! Besonders deutlich wird dies im siebten und letzten, über 17-minütigen Track „The Chronicler“. Dort wird nämlich der Epic Storyteller Metal in seiner vollen Bandbreite ausgefahren, die Gitarren spielen mit Tempi und Stimmungen, man entfernt sich deutlich noch etwas mehr von der paganen Schlagseite Skaldirs Vorgängerband Hel, indem man sich bewusst und verstärkt progressiven Rock-Einflüssen – Asia, The Alan Parsons Project und Co. lassen grüßen! – zuwendet. In seiner opulenten Länge funktioniert der Song dann auch genauso wie solch Meisterwerke des progressiven Metals wie etwa „The Odyssey“ von Symphony X oder „Lionheart“ von Adamantra. Und das ist unbestritten die oberste Liga des Musizierens!

☠ Tracklist ☠
1. The Great Deceiver
2. My Old Friend
3. King of the Fallen
4. The River
5. All Must Wither
6. Ash of Ashes
7. The Chronicler

Geschrieben von Adam am 29. Oktober 2026