Illum Adora - Infernum et Necromantium

Illum Adora – Infernum et Necromantium

Folter Records
2020

Es gibt solche Anfragen, die man unmöglich ablehnen kann… Genau eine solche stellte mir Adam vor einer Weile, als er mich fragte, ob ich nicht Lust hätte, mich an Rezensionen für sein kleines aber umso feineres Magazin zu beteiligen. Klar, dass ich da nicht lange nachdenken musste, auch wenn es mir intuitiv widerstrebt, mich an irgendjemanden zu binden oder mich einem Magazin verpflichtet zu fühlen. Ich betrachte dies also auch durchaus als Experiment…

Als Einstieg für Schattenpfade habe ich mir das aktuelle, fraglos nicht uninteressante Werk der Koblenzer Horde Illum Adora herausgepickt, auch wenn die Veröffentlichung bereits im März erfolgte. Ganz taufrisch ist die CD ergo nicht mehr, aber dass ich nicht immer auf dem neuesten Stand bin, hat mich ja ohnehin nie sonderlich gestört.

Zunächst aber ein paar Eckdaten zu der Band: Illum Adora wurde im Jahre 2011 durch Hurricane Hellfukker (jener Hurricane war auch Sänger der Black-Metal-Kapelle Zarathustra aus dem Bergischen Land und ist der schöpferische Geist hinter der Tonschmiede Kneel Before the Master‘s Throne) ins Leben gerufen und ursprünglich als Solo-Projekt gegründet. Das erste Demo entstand aber erst satte vier Jahre später mit Hilfe von Session-Musikern. Inzwischen besteht das Projekt mit Mortüüm (Schlagwerk) in der Stammbesetzung aus zwei Personen, und mit „…of Serpentine Forces“ aus dem letzten Jahr 2019 kann man sogar ein Vollalbum vorweisen. Auch auf der aktuellen Scheibe der beiden Mannen werden sie in den insgesamt fünf Liedern wieder von verschiedenen Session-Musikern unterstützt. Man muss dazu aber sagen, dass es sich hier eigentlich nur um vier Eigenkompositionen handelt, denn das letzte Stück „Blackvisions of the Almighty“ stellt lediglich eine Nachspielversion des Klassikers von Behemoth dar. Allerdings muss ich gestehen, dass mir das, was Illum Adora aus dem Stück herausgeholt haben, sehr gut gefällt. Es hat so ein wenig etwas von dem alten Spirit der frühen Aufnahmen der Polen, und doch eine unverkennbare eigene Note. Wie auch auf dem Rest der EP, wird hier mit hymnischen Momenten und Keyboard-Einsatz nicht gespart, was jedoch nicht heißt, dass man den Black Metal verweichlichen würde… Eher ganz im Gegenteil! Die Tasten werden hier sehr gekonnt atmosphärisch in Szene gesetzt, so dass dem morbiden Treiben eine gewisse erhabene Stimmung hinzugefügt wird, die im ersten Moment vielleicht hier und da etwas seltsam anmutet, letztendlich aber sehr viel zur düsteren und satanischen Atmosphäre beiträgt. Auch zieht sich dies nicht einfach stupide durch das gesamte Werk – ein Lied wie etwa „Oscurità Medievale“ zelebriert tiefschwarzen Black Metal ohne Schnörkel und lässt sich so schlicht und ergreifend als durch und durch finster beschreiben. Gerade in dem erwähnten Stück wird auch gerne einmal ein Gang höher geschaltet, und es erklingen auch leichte thrashige Anklänge im Gitarrenspiel (neben dem alten Black Metal mit Sicherheit auch ein Lieblingsgenre von Herrn Hurricane Hellfukker, wenn man seine früheren Arbeiten und Veröffentlichungen bedenkt). Ansonsten lassen sich auch einige Verweise auf den Black Heavy Metal oder Occult Rock ausmachen, was der Gesamtstimmung nur dienlich ist und dafür sorgt, dass „Infernum et Necromantium“ zu keiner Zeit langweilig wird und durchgehend spannend bleibt – zu einem gewissen Grad sollte man aber schon bereit sein, sich auf dieses Werk einlassen zu wollen.

Letztendlich bleibt mir eigentlich nur noch zu sagen, dass ich ebenfalls die Aufmachung sehr gelungen und im gesamten Kontext zur Musik mehr als stimmungsvoll finde. Schwarze Messen, Knochen, Nieten, Pestmasken, mit Kerzen beleuchtete Katakomben und Kellergewölbe – dazu viel nackte Haut, umgedrehte Kreuze (ja, wer denkt da nicht sofort an Marduk?!) und geisterhafte Momentaufnahmen… Da ist eigentlich für jeden etwas dabei, und wie schon gesagt, beschreibt das alles auch sehr gut, um was es bei „Infernum et Necromantium“ im Grunde auch geht: Das Aufleben des alten Geistes… „Gott ist im Chaos gestorben!“

Erschienen ist die CD bei Folter Records, und für einen jeden Anhänger des ursprünglichen, rotzigen Black Metals kann ich eine unbedingte Empfehlung aussprechen!

Tracklist
1. Infernum et Necromantium
2. Oscurità Medievale
3. Master of Contempt
4. Heroine des Grauens
5. Blackvisions of the Almighty (Behemoth Cover)

Geschrieben von Kraehenblut am 23. Juli 2020