Fornhem - Stämman från Berget

Fornhem – Stämman från Berget

Trollmusic
2021

Weltflucht, die Abkehr ins Innere, der Blick zurück, weg von der modernen Welt in eine abstrakte, nicht näher benannte „alte Zeit“, traditionalistisch orientiert, und das Ganze auserzählt in fünf überlangen Tracks voller Kälte und Nostalgie. Wollte man ein Schlagwortregister für die aktuelle Scheibe von Fornhem erstellen, würde man in etwa bei sowas rauskommen. Die drei Schweden sind quasi völlig aus der Zeit gefallen. „Stämman från Berget“ tut nämlich einfach so, als wären die etlichen Opera Magna des Black Metals noch gar nicht geschrieben worden und transformiert seine Hörerinnen und Hörer schnurstracks in die skandinavische Wintereinöde der ganz frühen Neunziger. Auf ganz obskure Weise vermitteln Fornhem dabei aber noch nicht einmal den Eindruck, als wären sie sonderlich inspiriert von den althergebrachten Urvätern des skandinavischen Schwarzstahls. Vielmehr machen sie ihre eigene Timeline auf, in der „Stämman från Berget“ für sich allein ohne andere Referenz steht. Mit einer rumpeligen, ungeschliffenen, aber trotzdem organischen Produktion, fast schon minimalistischen Riffs in traditioneller eisig-skandinavischer Manier und in zähflüssig-schleppendem Tempo kämpfen Fornhem gegen jede technische Ausgereiftheit, Überproduktion und das Schneller-Größer-Weiter der (Metal-)Welt.

Auf dem Papier mag sich das jetzt womöglich nicht ganz so aufregend darstellen. So etwas in der Art haben wir doch schon alle die letzten dreißig Jahre zur Genüge gehört. Trotzdem erweist sich „Stämman från Berget“ als unerhörter, kruder Charmebolzen, gerade weil Fornhem jedem prätentiösen Gehabe den blanken Mittelfinger zeigen. Denn trotz ihrer reduzierten, minimalistischen Mittel gelingt es ihnen, eine sehr eigenartige Form von altbackener Atmosphäre zu erschaffen, die sich geradezu wie eine Blaupause des skandinavisch-nordischen Black Metals liest. Das Songwriting ist so simpel gehalten, die Riffs derart aufs Nötigste reduziert, dass diese fast schon naive Form des Musikmachens aus sich heraus ihren eigenen Zauber und Charakter erschafft.

Dass fünf Stücke auf nahezu fünfzig Minuten in diesem schlichten musikalischen Gewand bisweilen auch ganz schön zäh und langatmig sein können, versteht sich von selbst. Fornhem klingen auf ganz selbstverständliche Weise nach eiskaltem Schneesturm, nach dem Ausharren in einer abgelegenen Hütte irgendwo im skandinavischen Niemandsland. Die Platte trieft nur so vor Wehmut, Nostalgie und Fernweh, was man es bei einem derart reduzierten musikalischen Vokabular eigentlich gar nicht erwartet hätte. Das bitterkalte Cover-Artwork tut dann dazu sein Übriges. Wer sich also für eine knappe Stunde in die monotone, aus der Zeit gefallene Einsamkeit entführen lassen möchte, der ist mit „Stämman från Berget“ ganz wunderbar beraten.

Tracklist
1. Den Längsta Dagen
2. Uþarba Spa
3. Förlist
4. Stämman från Berget
5. Untergang

Geschrieben von Jonas am 15. Juni 2022