Eigenproduktion
☠ 2025 ☠
Passend zum kalten, grauen Herbst erscheint das neue Werk von Triste Tage. „Auf ferner Höhe steht er kahl…“ behandelt den Verfall wie die Vergänglichkeit, die Zerstörung der Natur durch den Menschen und die Hoffnung auf eine bessere Zeit, in der die Menschen wieder zur Natur finden und durch den Tod ein Teil des großen Ganzen werden. Als Bild hierfür wird in einer frühneuzeitlichen Szenerie die Geschichte eines Baumes erzählt, der im Herbst seine Blätter abwirft und dabei miterleben muss, wie man seine Brüder fällt und in die nahe Stadt verfrachtet, wo sie schließlich zu einem Galgengerüst gezimmert werden. Letztlich macht die hungrige Säge aber auch vor ihm nicht halt, sein Holz wird ebenfalls in die Menschenwelt gebracht und zu dem furchterregenden Galgen verarbeitet. Diesem dunklen Akt entgegen und um dem tristen Stadtleben zu entkommen, zieht daraufhin eine Gruppe Menschen zurück in die Natur, wo sich mit dem unvermeidlichen Sterben der Kreislauf des Lebens wieder schließt. Die Lyrics dieses Konzepts sind alle sehr harmonisch und poetisch geschrieben, sie bedienen sich ihrer eigenen Epigrammatik, wodurch die Geschichte absolut rund erscheint und angenehm zu lesen ist. Die Musik transportiert dabei die Stimmung von Einsamkeit, Zurückgezogenheit und Verzweiflung. Die vier langen Stücke sind noch etwas abwechslungsreicher als die älteren Sachen vom ersten Album „Und die Hörner des Sommers verstummten“ und der EP „Herbst“ und dabei fortwährend sehr atmosphärisch und äußerst dicht. Geschwindigkeitswechsel werden aufgefangen, indem gewisse Elemente in getragenem Tempo beibehalten werden; so bleiben die Songs stets im Einklang und schaffen ein Gefühl von Ruhe und Innenschau. Die Musik erzeugt richtig ausschweifende Klangwände, und das üppig und stabil, woraus immer wieder Elemente einzelner Instrumente oder stimmlicher Akzente erklingen, die aufblitzende Einblicke auf die andere Seite ermöglichen. Und das ist die wahre Stärke von Triste Tage.
Während die Musik und Texte nach wie vor von Draugr verfasst werden, wird er fortan von der Sängerin Nova (Convictive und Asarhaddon) unterstützt, die durch ihren dunklen Gesangsstil mit Growls, einigen Spracheinlagen bis hin zum Flüstern eine einzigartige Atmosphäre erschafft. Am Schlagzeug sitzt dieses Mal der Drummer Marlek (u. a. Plutonyan, Dystertid und ex-Eis), dessen exaktes Spiel die Songs regelrecht vorantreibt oder auch an den richtigen Stellen zügelt.
Draugr hat mit „Auf ferner Höhe steht er kahl…“ erneut ein phantastisches musikalisches sowie lyrisches Gesamtkunstwerk erschaffen, dessen spitzfindige Botschaften zu innerer Einkehr und (Selbst)Reflexion einladen. Von daher: Unbedingt supporten!
☠ Tracklist ☠
1. Die goldene Zeit ist längst vergangen
2. Auf ferner Höhe steht er kahl
3. Denn was der Mensch in Stein gebannt
4. Es sind die Gassen eurer Städte
