House of Inkantation
☠ 2025 ☠
„Maa Soi“ von Taival wirkt nicht wie eine reguläre Veröffentlichung, eher wie eine verschollene Aufnahme, die man irgendwo in einem finnischen Wald ausgegraben hat. Die Musik trägt den Geruch von feuchter Erde, nassem Holz und alten Pfaden in sich – ein finnisches Dark-Folk-Relikt, das die moderne Welt einfach übersprungen zu haben scheint. Für alle, die instinktiv zu den Landsleuten Tenhi greifen, ist das Pflichtprogramm: „Maa Soi“ ist nichts anderes als eine knorrig umwucherte Zeitkapsel, die eine kurze, aber erstaunlich stimmige Schaffensphase dokumentiert.
Auch wenn House of Inkantation diese Demo-Sammlung erst 2025 zusammengestellt und veröffentlicht hat, stammen die Aufnahmen selbst aus den Jahren 2004 bis 2006 und sind komplett das Werk von Anssi Mäkelä. Man hört sofort diese besondere, unpolierte Intimität, die viele frühe nordische Veröffentlichungen auszeichnet. Akustikgitarren, leise, holzige Percussion und eine zurückgenommene, fast schüchterne Flöte: Taival bewegen sich in denselben Koordinaten wie frühe Tenhi („Kauan“ sowie „Väre“) und vertonen eine organische, naturverbundene Ästhetik, die Stimmungen und Landschaften evozieren will.
Der eröffnende Titeltrack „Maa Soi“ (was übersetzt „Die Erde klingt“ heißt) legt die Stimmung fest: Einfache Akkorde, darüber eine ebenso simple aber fesselnde Melodie. Schon nach kurzer Zeit entsteht so etwas wie ein innerer, leiser Monolog der im Hörer Widerhall findet. Diese subtile Intensität prägt das ganze Demo – Taival jagen keinem großen Höhepunkt hinterher, sondern versuchen, diesen seltenen Moment einzufangen, in dem Außenwelt und Innenleben für einen Augenblick im Gleichklang schwingen.
„Katoava“ ragt besonders heraus und bietet das klarste Echo der frühen Tenhi, ohne je zur Kopie zu werden. Wie sich die Gitarrenlinien im Kreis bewegen, wie einzelne Töne im langen Nachhall Raum bekommen, wie der Gesang mehr nach Ur-Atem als nach klassischem Vortrag wirkt – all das erinnert an die prägenden Prophecy-Veröffentlichungen der Landsleute. Taival klingen dabei jedoch noch roher, unmittelbarer, weniger um Arrangement bemüht.
Der Abschluss „Etäisyys“ („Distanz“) führt die Veröffentlichung zu einem stimmigen Ende. Die Melodien sind hier etwas klarer konturiert, ohne den introspektiven Charakter preiszugeben. Wenn Tenhi die finnische Landschaft in weite, malerische Tableaus übersetzen, dann liefern Taival nur flüchtige Skizzen. Diese vermögen es jedoch, mit nur wenigen Strichen überraschend viel Tiefe einzufangen.
Das kurzweilige Tape ist somit ein feines Geschenk für alle, die Dark Folk eher als innere Landschaft begreifen denn als reines Genre. Wer mit Tenhi schöne Naturerfahrungen verbindet und den organischen, erdigen Klang dieser frühen finnischen Schule schätzt, der wird sich bei Taival sofort zu Hause fühlen – nur eben in einer spärlicher eingerichteten, privaten Hütte (natürlich trotzdem mit rudimentärer Sauna) am Waldrand.
☠ Tracklist ☠
1. Maa Soi
2. Hetkenvieamä
3. Katoava
4. Etäisyys
