Schwermut - S/T

Schwermut – S/T

Auric Records
2020

Die erste Existenzbekundung der deutschen Ein-Frau- und Ein-Mann-Truppe Schwermut ist ein wahrlich schwerer Metallbrocken. Ebenso zu „Schwermut“ betitelt, setzt sich der hier thematisierte Gemütszustand gleich doppelt so schwer auf den Schultern des Hörers nieder. Die ersten wabernden, tiefgestimmten Gitarrentöne von „Wiederkunft“ fühlen sich in etwa wie massive Zementschuhe an, welche einen in die aus purer und auswegloser Verzweiflung bestehende Gefühlstiefe der Schlagzeugerin Astrega und von MD (Vocals, Bass und Gitarren) hinabzureißen und zu ertrinken drohen. Dass dies auch so ist, wird schnell mit dem einsetzenden und recht engen, die Luft zum Atmen abschnürenden Black-Metal-Korsett erhärtet. Und allerspätestens wenn MDs schmerzverzerrte Stimme erschallt und solch absolut und unverrückbar klingende Phrasen wie „Keine Stimmen, keine Sonne“ formuliert, findet man sich gewiss auf dem Grund des schwermütigen Ozeans ohnmächtig liegend wieder. Und mag es anfangs einem eventuell noch widerstreben, sich auf ein derartiges Trauerspiel einlassen zu wollen, wird man während der andauernden Beschallung doch feststellen müssen, dass die erdrückende Musik dem Hörer nicht noch mehr Narben auf der Seele zufügen, sondern ihn vielmehr beschützend umarmen möchte. Sich auf diese Art und Weise herauskristallisierender Eindruck kann meines Erachtens nach nur entstehen, wenn in ein Musikprojekt tatsächlich gemachte Lebenserfahrungen eingeflossen sind, mit einer grundlegender Ehrlichkeit verknüpft. Und bei Schwermut, dessen bin ich mir sicher, ist dies ganz bestimmt der Fall! Der darauffolgende Song „Zehrend“ unterstreicht auch diese These. Aufbauender, einen positiveren Funken versprühender Gitarrenreigen eröffnet den mittig positionierten Track, der mit seiner vielfältigen Instrumentierung besticht und ganz klar das Aushängeschild dieser recht kurzen EP darstellt. Nachhallender Gesang, etwas Sprechgesang, das gibt noch etwas zusätzliche Würze in dem schattenhaften Zwielicht. Wirklich angenehm ist auch das rhythmische Schlagzeugspiel von Astrega. Sie agiert stets taktvoll, ist bei einem Gefühlsausbruch direkt mit an vorderster Front, wirkt jedoch nie aufdringlich. Vielmehr eher so, als ob sie die depressiven Harmoniekreise nicht unnötig mit ihrer Anwesenheit aufwühlen wollte. Eine sehr gefühlsbestimmte und saubere Arbeit! Mit „Dein Abschied“ entlassen uns Schwermut auch schon wieder in die Realität des Seins, die nach diesem schweren Musiktrip doch gar nicht mehr so düster erscheinen will. Das aber nicht, ohne uns noch eine Kostprobe einer ziemlich atmosphärischer Gitarrenarbeit mit auf den Weg zu geben, die einen sehr gelungenen Abschluss einer wahrlich gelungenen EP bildet und alle möglichen Facetten des Duos auslotet. Das verlangt definitiv nach mehr!


Tracklist
1. Wiederkunft
2. Zehrend
3. Dein Abschied


Geschrieben von Adam am 11. April 2020