Melkor - Brandmale

Melkor – Brandmale

The Crawling Chaos Records
2021

Beim Erklingen der ersten Töne des brandaktuellen Melkor-Werkes musste ich zunächst an die begnadete finnische Kapelle Draugnim denken, die es mir mit ihrem schummrig-gemütlichen Dark Metal sehr angetan hat. Nun kann man Patrick Baumann, dem Mann hinter Melkor, nicht unbedingt einen Plagiatsvorwurf machen, denn Melkor entwickelt sich im weiteren Verlauf von „Brandmale“ dann doch noch in eine etwas andere Richtung. Was man aber gemeinsam hat, sind eine gewisse angenehme Eingängigkeit der Songs, das eher getragene Tempo, der knurrig-fauchende Gesangsstil und die schwermütige Grundstimmung.

Die zwei weitere Vorgängeralben umfassende Historie von Melkor ist mir leider nicht weiter bekannt. Nach eigenen Angaben handelt es sich hierbei aber um die härteste und schroffste Veröffentlichung der Diskographie. Allerdings würde ich „Brandmale“ auch nicht unbedingt die typische Black-Metal-Aggression attestieren – dafür ging man beim Songwriting mit einer etwas zu feinstofflichen Introvertiertheit vor, was auch in den Texten deutlich wird. Selbst bei den Blastbeat-Passagen steht eher Melancholie als Angriffslust im Vordergrund. Der warme und behaglich-klare Sound trägt weiterhin dazu bei, dass ich das Werk nicht unbedingt dem Die-Hard-Black-Metal zuordnen würde, was die Qualitäten von „Brandmale“ aber nicht schmälert. Doch leider lässt die etwa ab dem sechsten Track „Parzival“ einkehrende Monotonie die zweite Hälfte des Albums etwas zähflüssig und unspektakulär erscheinen. Vielleicht hätten gerade die weggelassenen Keyboards aus früheren Tagen hier noch etwas mehr Akzente setzen können, was ich aber aufgrund meiner Unkenntnis jetzt nur vermuten kann. Denn so stehen die eher standardmäßigen Gitarrenriffs oft noch etwas allein auf weiter Flur.

Abschließend kann man das Album jedem empfehlen, der es gerne etwas nachdenklicher und finster-gemütlich mag und beim Black Metal nicht unbedingt immer den 90er-Jahre-Kellersound braucht. Ein paar Namen, bei denen sich der geneigte Hörer angesprochen fühlen darf, wären: Draugnim, Nocte Obducta und Agrypnie.

Tracklist
1. Sündflut
2. Neugeburt
3. Abgott
4. Manche Nacht
5. Fremd
6. Parzival
7. Burn
8. Treibgut

Geschrieben von Niko am 8. Juli 2021