B. von Doom, sei mir erneut gegrüßt! Leider hat diese erneute Zusammenkunft – wie vieles – etwas länger gedauert als geplant, aber letztendlich haben wir doch wieder zusammengefunden. Diese längere Pause war aber sicherlich nicht verkehrt, denn zwischenzeitlich ist bestimmt so einiges und berichtenswertes bei Euch passiert… Seit „Sathanas Grand Victoria“ ist Pestlegion in den Reihen von Osmose Productions anzutreffen. Seid Ihr mit dieser Entscheidung nach wie vor vollauf zufrieden? Hat sich dadurch etwas Gravierendes für Euch verändert? Kriegt Ihr vielleicht irgendwelche Auflagen von Osmose? Werdet Ihr evtl. unter Druck gesetzt? Oder ist das Dasein bei diesem französischen Major-Label eher entspannt?
Adam, ich grüße Dich! Vielen Dank für die erneute Möglichkeit eines Interviews.
Zu Deiner Frage: Wir fühlen uns sehr wohl bei Osmose Productions. Wir haben keinerlei Auflagen und werden auch in keinster Weise unter Druck gesetzt. Wir haben Hervé von Osmose Productions beim UTBS 2025 getroffen und hatten eine gute Zeit mit ihm und den zahlreichen anderen Bands von Osmose Productions vor Ort. Wir werden nach „Sathanas Grand Victoria“ noch ein weiteres Album bei Osmose veröffentlichen, und dann schauen wir mal wie es weitergeht.
Alles in Butter also. Und ein neues Album ist auch schon in Planung? Sehr schön! Doch Euer letztes Output, die 7“-Split mit Euren Brüdern von Kapala, mit denen ihr Euch – so wie ich informiert bin – den Proberaum teilt, habt Ihr in Eigenregie sowie mit unserer Support-Hilfe realisiert. Wieso wollte da Osmose nicht einspringen? Vielleicht, weil Kapala nicht unter ihrer Flagge segelt?
Was den Proberaum betrifft, so ist es leider nicht mehr so. Kapala und Pestlegion waren Nachbarn. Wir waren allerdings gezwungen unseren Proberaum zu wechseln, da dieser baufällig war, um es mal vorsichtig zu formulieren. Kapala sind aber noch weiterhin in dem Gebäude. Wir teilen unseren Proberaum, wie schon seit Jahren, mit Sabiendas und konnten zum Glück in einem Bunkerkomplex am anderen Ende der Stadt Recklinghausen unterkommen.
Was die Single betrifft: Wir haben sie natürlich Osmose angeboten, die auch interessiert reingehört haben. Allerdings war ihre Entscheidung, auf diese zu verzichten, rein wirtschaftlicher Natur gewesen, da 7“-Vinyls aktuell nicht so gefragt zu sein scheinen. Von daher nochmals vielen Dank an Dich & Schattenpfade für das Vertrauen und die Unterstützung! Ein neues Album ist gerade in der Mache bzw. wir befinden uns im Songwriting-Prozess. Es geht voran!
Sehr gerne! Das ist auch der Sinn unseres Support Circles, nämlich aus purer Überzeugung dort einspringen, wo die Überzeugung dem Mammon geopfert wurde. Schließlich wird leider auch der Underground immer mehr und mehr kommerzialisiert, und das sogar von ganz keinen, sich selbst als absolut linientreu und true betrachtenden Akteuren. Das sind zumindest die von uns gemachten Feldbeobachtungen. Dem möchten wir, zumindest soweit wie es in unserer Macht steht, ein wenig entgegenwirken… Aber zurück zu Pestlegion. Da Du schon das neue Album erwähnst: Gibt es dazu schon etwas Konkretes zu sagen? Oder ist es noch viel zu früh, um Dich jetzt schon nach irgendwelchen Details zu fragen? Aber vielleicht stehen schon irgendwelche Eckdaten fest, die Du der Welt mitteilen könntest? Wird sich das neue Album evtl. um die Horror-Welt von H. P. Lovecraft drehen? Der Song „Of Gods and Stars (Evoke Hastur)“ auf der aktuellen Split-Veröffentlichung würde so eine Vermutung zumindest zulassen.
Es ist definitiv zu früh, um irgendwelche Details zu nennen. Auf jeden Fall wird „Of Gods and Stars (Evoke Hastur)“ auch mit auf dem Album vertreten sein. Es wird aber anders klingen als auf der Single-Auskopplung, schon allein deswegen, weil dort Tehom von Kapala mitgewirkt hat. Ansonsten kann ich so viel verraten, dass die Texte thematisch variieren werden. Es wird aber sicherlich auch noch weitere Ausflüge in das Lovecraft-Universum geben. Musikalisch werden wir genauso verfahren, wie wir es immer getan haben: Eine Mischung aus eiskalten Blasts und sägenden Riffs. Alles Weitere wird die Zeit zeigen.
Geduld ist eine Tugend, also üben wir uns darin. Bis es soweit ist, kann man sich ja Eure beiden Alben „Dominus Profundum“ und „Sathanas Grand Victoria“ regelmäßig einwerfen. Aber sage mal, welches der beiden Alben ist Dein Favorit? Wenn man sich all die vorhandenen Kritiken zu beiden so anschaut, dann scheint das Debüt da etwas besser abzuschneiden. Könnte es vielleicht sein, dass mit dem Beitritt zu Osmose doch ein gewisser Druck auf Euch lastet, so dass Ihr einen unbestimmten Drang verspürt in einer bestimmten Zeitspanne fertig werden zu müssen? Womöglich, weil Ihr unbewusst das Label nicht allzu lange auf Euch warten lassen möchtet? Und wenn wir schon dabei sind: Welcher Song liegt Dir ganz besonders am Herzen?
Also einen Favoriten habe ich eigentlich nicht, was unsere Veröffentlichungen angeht. Jedes Album, EP oder Single ist ein Monument seiner Zeit.
Was Kritiken betrifft: Klar, die nimmt man natürlich wahr, aber am Ende sind diese ja immer subjektiv. Die einen feiern ein Album, die anderen mögen es nicht.
Unser Augenmerk liegt auch daran, wie die Songs live ankommen. Da habe ich tatsächlich noch keinerlei Beschwerden gehört. Die Reaktion der Leute ist bei den neuen Songs genauso gut wie bei unseren vorherigen Nummern. Oftmals werden wir sogar darauf angesprochen, dass gerade die neuen Nummer live richtig knallen. Das ist uns sehr wichtig. Was „Sathanas Grand Victoria“ betrifft, hatten wir damals einen Besetzungswechsel am Drumkit, als Tyyn zu Sodom wechselte. Das ging natürlich nicht Hand in Hand, es hat schon seine Zeit gedauert. Wir haben da ein paar Nummern geschrieben, die mit weniger Blastbeats versehen waren. Zum Glück ist damals Daementhor zu uns gestoßen, so dass wir wie bisher weitermachen konnten. Seitens von Osmose gab und gibt es – wie bereits gesagt – keinerlei Druck. Osmose Productions haben uns kontaktiert, als „Sathanas Grand Victoria“ schon so gut wie fertig war, und sie waren vom Endprodukt begeistert.
Mein persönlicher Favorit vom „Sathanas Grand Victoria“? Hmm… Eigentlich gefällt mir das Album in Gänze, doch wenn ich einen Song auswählen müsste, würde ich „Ketzer Reim“ wählen, da dieser eine Hommage an unseren viel zu früh verstorbenen Freund Timo Knopf von Eternal Dirge ist.
Ihr seid ja auch eine richtige Live-Band, stets mit Power und Spielfreude unterwegs, wie es sicherlich ein jeder, der schon ein Konzert von Euch besuchte, bestätigen wird. Doch wie stark werdet ihr angefragt? Musstet Ihr evtl. schon irgendwelche Gigs absagen, weil es vielleicht Überschneidungen mit zeitgleich stattfindenden Veranstaltungen gab oder es einfach mal zu viel wurde?
Wenn es nach mir ginge, könnten wir ruhig viel öfters live spielen, weil es quasi das Salz in der Suppe ist. Angefragt werden wir schon hin und wieder. Wir kommen aktuell auf ca. sechs Gigs per annum. Das ist so auch vollkommen in Ordnung, da zwei von uns (Caladrius und Daementhor) ja noch in anderen Bands aktiv sind. Da muss man schon gucken, dass alles gut organisiert ist. Für solche Fälle haben wir sogar einen fünften Mann an Bord geholt: Unseren ehemaligen Gitarristen J., der schon auf dem Album „Dominus Profundum“ zu hören war. J. probt mit uns und hilft aus, wenn einer unserer Gitarristen einen Gig nicht wahrnehmen kann. Terminüberschneidungen gab es tatsächlich schon mal, so dass wir eine Anfrage schweren Herzens absagen mussten. Dies kommt aber eher selten vor. Generell suchen wir immer nach Auftrittsmöglichkeiten und nehmen diese, wenn alles passt, auch sehr gerne wahr. Wir haben auch keine Booking-Agentur, sondern sind diesbezüglich noch wirklich old-school-undergroundmäßig unterwegs. Unser Freund und Manager Didi aus Berlin übernimmt da meistens die Kommunikation. Ihr wollt Pestlegion in einem Klub in Eurer Nähe sehen, sprecht den lokalen Booker an und schreibt uns an. Wir sind bereit!
Wo werdet Ihr als nächstes zu sehen sein? Schon was dahingehend geplant? Under the Black Sun 2025 war Euer letztes Live-Ritual gewesen, richtig? Und gab es da im Nachgang vielleicht irgendwelche Probleme? Man hört so gewisse Gerüchte, dass man mittlerweile auch schon durch den Auftritt beim UTBS in Verruf geraten kann, weil da schon einige Bands aus der sogenannten Grauzone aufgetreten sind. Es ist noch nicht so extrem wie beim Steelfest in Finnland, aber die Tendenz soll sich in eine ähnliche Richtung bewegen… Habt Ihr irgendetwas davon mitbekommen? Und da wir noch beim Live-Gigs sind: Gibt es bestimmte Songs, die Ihr live noch nie gespielt habt? Falls ja, aus welchen Gründen?
Wir werden im Oktober noch in Bonn und Wuppertal spielen. Das wird es dann aber vorerst auch für dieses Jahr gewesen sein. Für 2026 laufen schon Gespräche, aber konkret ist noch nichts bestätigt.
Ja, wir sind zuletzt auf dem UTBS aufgetreten. Dazu kann ich nur sagen, dass es ein sehr gut organsiertes und professionelles Black-Metal-Festival ist. Wir haben uns dort sehr wohl gefühlt und wurden auch mit offenen Armen empfangen. Und wir haben dort keinerlei rechte Tendenzen wahrgenommen. Im Gegenteil: Sowohl Publikum als auch die Bands aus dem Billing waren sehr international aufgestellt, und wir konnten dort viele coole Gespräche führen. Zum Steelfest in Finnland kann ich nichts sagen, da wir dort noch nicht zu Gast waren. Man sollte sich immer erst ein eigenes Bild von etwas machen, und sich anschließend eine Meinung dazu bilden.
Natürlich gibt es Songs, die wir noch nie live gespielt haben. Du hast auf jedem Album Nummern, die es eher selten in die Setlist schaffen. Es ist einfach so, dass man die Songs spielt, die unserer Ansicht nach am besten in den Kontext passen, und bei einem Live-Set sollte es natürlich immer eine homogene Mischung aus allen Releases geben. Da bleiben manche Songs einfach auf der Strecke. Das heißt aber nicht, dass sie schlecht sind oder sie nie mehr live gespielt werden.
Ich glaube Dir aufs Wort, dass der UTBS absolut unproblematisch ist! Dennoch, da der Black Metal mittlerweile auch in der breiten Gesellschaft immer mehr Anerkennung und Toleranz erfährt, entsteht drum herum eine immer größer werdende „Aufpasserszene“, um es mal vorsichtig zu formulieren. Was hältst Du von dieser, meist von linken Strömungen ausgehenden Entwicklung?
Nun, der Black Metal steht in unseren Augen nicht für Anpassung und Toleranz, sondern für eine gepflegte Fuck-off-Attitüde! Die „Aufpasserszene“, wie Du sie nennst, geht gar nicht! Diese „Cancel Culture“ ist schlicht und ergreifend einfach nur zum Kotzen. Es wird ja teilweise gar nicht mehr objektiv auf Bands geschaut, sondern in großem Maße pauschalisiert. Mal etwas überspitzt gesagt: Wenn ein Drummer, der vor sieben Jahren mal in einer Band spielte, einen Großvater hat, der einen deutschen Schäferhund hatte, so wird die Band inzwischen sofort in eine Schublade gesteckt, auch wenn die betroffene Person gar nicht mehr dabei ist. Leute, die sich ihr vermeintliches Wissen „angoogeln“ und dann versteckt hinter ihren Keyboards am PC die Klubs und Veranstalter unter Druck setzen, sind echt ein Unding. Wir lehnen sowohl die extrem linke wie auch rechte Seite ab!
Ja, das sehe ich ähnlich, denn leider gibt es ganz viele Leute, die gar keine Ahnung vom Metal grundsätzlich, geschweige denn explizit vom Black Metal haben, aber verallgemeinernd auf alles aus der Richtung kommende mit dem Finger draufzeigen und es als die einzig böse und/oder braune Musik abstempeln. Gründe dafür? Wahrscheinlich fehlende Lust sich wirklich intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen oder einfach nur die ganz simple Angst, geboren aus dem simplen Unbehagen mit dem Schuh in die Hundescheiße zu treten. Differenziert wird da leider so gut wie gar nicht mehr. Dabei gibt es genug andere Black-Metal-Ausrichtungen, die sich z. B. nur mit der Natur beschäftigen, dem Seelenschmerz oder der LotR-Thematik. Rein brauen NS-Mist gibt’s allerdings auch. Das ist aber die Minderheit. Alleine deswegen muss man da einfach exakt differenzieren, alles andere ist Dilettantentum und fragwürdige Hexenjagd. Und da der Black Metal mittlerweile so breitgefächert wie bunt und schon längst nicht nur rein schwarz-weiß ist: Welchen speziellen Black- und auch anderen Heavy-Metal-Ausrichtungen kannst Du viel abgewinnen? Schöpft Ihr evtl. auch Inspirationen aus ganz anderen Musik-Genres? Und was für eine aktuelle heiße Scheibe kannst Du uns empfehlen?
Es freut mich, dass Du meine persönliche Ansicht teilst, Adam! Was neue bzw. andere Musikrichtungen betrifft: Da fragst Du den Richtigen, haha… Ich bin musikalisch recht breit aufgestellt und höre in fast alle Bereiche des Metals hinein. Die letzten neuen Alben, die ich mir gegeben habe, sind: „Demon Steel“ von Urn (geiler Black Thrash), „Dawn of a Malefic Dominion“ von Dehuman Reign (geiler Death Metal aus Berlin und „Necro“ von Lik (erstklassiger Schweden-Death). Auch die letzten Releases von Sargeist, Sodom und Midnight haben mir gefallen. Aktuell muss ich auch sagen, dass ich aufgrund des Ablebens der Legende viel Ozzy Osbourne höre. „Blizzard of Ozz“, „The Ultimate Sin“ oder „No More Tears“ sind echte Meilensteine des Heavy Metals. Ich könnte da noch mehr aufzählen. Von Black Sabbath möchte ich gar nicht erst anfangen. Hier kann man nur vor Ehrfurcht erstarren. Es ist schon krass, wie es einen mitnimmt, wenn eine unberechenbare Legende wie Ozzy abtritt, obwohl man ihn nicht persönlich kannte. Rest in power, madman! Legends never die!
Unsere Inspiration für neue Songs kommt aus vielen dieser Genres zusammen. Ich denke, wir finden hier immer einen guten Mix, und dadurch, dass sich niemand nur in eine Richtung orientiert, haben wir immer die Möglichkeit über den Tellerrand hinauszuschauen, ohne die Wurzeln der Band zu vernachlässigen.
Ja, irgendwann muss jeder abtreten, selbst eine Musiklegende ist nicht davor gefeilt, noch der reichste oder klügste Mensch der Welt. Es empfiehlt sich deshalb so früh wie möglich mit dem Sensenmann gut Freund zu werden, haha… Und ja, es ist auch gut, wenn man nicht nur in einem Genre zu Hause ist, denn das kann auf Dauer doch sehr eintönig werden. Denke ebenso, dass dadurch kreative Prozesse quasi ausgetrocknet werden können. Aber bei Euch muss man sich ja zum Glück keine Sorgen machen! Ich bin auf das kommende Album sehr gespannt und freue mich schon teuflisch drauf! B., ich danke Dir für Deine Zeit!
Klar, da hast Du natürlich Recht. Vor dem Gevatter Tod sind wir alle gleich. Only death is real! Adam, ich danke Dir und wünsche dem Schattenpfade Support Circle und allen Fans und Freunden nur das Beste. Keep the flame burning!
