FB 1964 - Dreams & Nightmares

FB 1964 – Dreams & Nightmares

Bornkamp Records / Guma Records
2020

Der Regenwaldkämpfer Frank Badenhop ist mit seiner mittlerweile auf fünf Personen angewachsenen Stammband FB 1964 wieder mal im Studio gewesen und hat dort sein viertes, wie immer aus reinem und klassischem Heavy Metal geschmiedetes Langeisen aus dem Feuer herausgeholt. Und wieder einmal ist ein Konzeptalbum dabei zu Stande gekommen, diesmal eins mit einer sehr persönlichen Note, welches seinen Träumen bzw. Alpträumen entsprungen ist. Das klingt definitiv nach einer echt runden Sache, die schon anhand des stimmigen und kontrastreichen Artworks auf Anhieb ersichtlich ist. Auch musikalisch geht man hier natürlich auf Nummer sicher, nach dem bewährten Rezept mit vielen Gastsängern und Solisten also, was jede Nummer zu einer wirklich guten Nummer macht. Mit dem Opener „Mile to Mile“ mit Tim Ripper Owens am Mikro geht man direkt ohne groß zu fackeln und mit viel Power richtig straight nach vorne und dürfte alle, die das Metal-Herz am richtigen Fleck sitzen haben, sofort für sich gewinnen können. Dasselbe lässt sich aber eigentlich von allen Kompositionen des Albums behaupten. Trotz des teils relativ unterschiedlichen Charakters entwickeln sich nicht wenige von ihnen zu echt hungrigen Ohrwürmern, die immer wieder mit ihrer Lieblingskost gefüttert werden wollen. Vielleicht passiert dies nicht direkt beim ersten, aber garantiert beim wiederholten Male. Die Songs reifen zunehmend mit der im Player verbrachten Zeit, und das ist immer ein sicheres Merkmal für eine bodenständige Qualität. Zusätzliche Aufwertung erfährt „Dreams & Nightmares“ auch durch den Einsatz der Violinistin Ally Storch in den Tracks „Fever“ und „Seven Deadly Dreams“, aber auch die Engelsstimme der Dark-Lightning-Sängerin Lea von der noch jungen Symphonic-Metal-Band aus Wolfenbüttel im zehnten Stück „Mechanics“ bringt eine sehr angenehme Farbe in das von rhythmischen  und zuweilen auch sehr melodischen E-Gitarren beherrschte Spiel. Noch etwas Keyboard-Feeling hier und da, einige Samples wie die Marschgeräusche bei „Army of Darkness“, und fertig ist ein ziemlich abwechslungsreiches Werk.

„Dreams & Nightmares“ ist ein wirklich sehr solides Album, auf jeden Fall das rundeste von FB 1964, würde ich behaupten. Als Kritikpunk, von dem viel zu dicken Booklet, welches sich kaum wieder in die schmalen Schlitze des Jewelcases einlegen lässt (empfehle in Zukunft auf plastikfreie Verpackung umzusteigen) jetzt mal abgesehen, wäre eigentlich nur das ein wenig zu fundamental geratene musikalische Grundgerüst der Hauptband, z. B. bei dem relativ konstanten Schlagzeugspiel, zu nennen. Einige gekonnte Ausbrüche, etwas mehr Mut zur Lücke, wie man so schön sagt, das hätte hier sicherlich nicht geschadet. Aber auch so macht das Album von vorne bis hin zum letzten Stück „Coming Home“ mit Chris Boltendahl von Grave Digger in der Gastrolle einfach nur Spaß, und das ist doch auch das, was man als Hörer von einem echten Heavy-Metal-Brett auch erwartet, oder? Fans von mindestens einer der hier zu hörenden, allesamt sehr melodisch agierenden Stimmen, die zugegeben auch den größten Reiz dieser Aufnahme ausmachen, dürfen blindlings zuschlagen. Wie immer wird der Erlös der CDs zum Schutz des Regenwaldes gespendet, und das ist eine mehr als unterstützungswürdige Angelegenheit!


Tracklist
1. Mile to Mile
2. Blood-Red Sky
3. Chaos
4. Falling Deep
5. Dreams and Nightmares
6. Fever
7. Seven Deadly Dreams
8. Guilty Conscience
9. Army of Darkness
10. Mechanics
11. Evil Awaits
12. Coming Home


Geschrieben von Adam am 13. März 2020