Signal Rex
☠ 2022 ☠
Während man bei „All Is Silent“ für rund zwei Minuten dem Regen lauschen darf (denn aus nichts anderem, als eben diesem entspannenden Klang besteht das so benannte Intro), wird bei den ersten nachfolgenden Tönen sofort eines klar: Armnatt intonieren puren Raw Black Metal ohne Zugeständnisse in irgendeine andere Richtung. Somit werden alle Hörer, die differenziertere Klangbilder, komplexere Arrangements und instrumentale Verspieltheit brauchen und schätzen, hier eher nicht auf ihre Kosten kommen.
Die grimmigen Herren aus Portugal, die (nach einem Split-Release) mit „Immortal Nature“ schon ihr viertes Full-Length-Album vorgelegt haben (ein neueres fünftes ist auch bereits erschienen), gehen ausgesprochen ungehobelt zu Werke und springen uns mit unerhörter Direktheit mitten ins Gesicht bzw. genauer gesagt in die Ohren, welche am besten schon einiges an Erfahrung in Sachen roher Black Metal mitbringen sollten, damit Armnatt dort auch wirklich zünden können. Klappt das, ist das als Vinyl, Tape und CD erhältliche Werk eine Angelegenheit, die viel Freude bereitet. Allerdings ist dabei zu beachten, dass die Subgenre-Bezeichnung Raw Black Metal für das, was man hier zu hören bekommt, ein wenig irreführend sein kann, wenn bestimmte Elemente erwartet werden, die viele aktuelle Werke dieser Ausrichtung charakterisieren. So verzichtet der Gitarrist meistens auf das für einen überwiegenden Teil der zeitgenössischen Bands so typische Tremolo-Picking, und auch der Drummer lässt nicht vorrangig die gängigen Blastbeats ertönen. Stattdessen wird man von massiven Riffwänden umgeblasen, die gemeinsam mit der eher durch klassische Double-Bass-Rhythmen geprägten Schlagzeugarbeit eine geradezu hypnotische Energie entfalten, was schon deutlich der Old-School-Ausrichtung nahekommt. Mit dem Ansatz, dass schon zwei einfache, sich im Wechselspiel bestens ergänzende Riffs ausreichen können, um die Hörerschaft zu packen, erinnert Armnatts Ansatz an die legendäre Band Hellhammer bzw. die frühen Celtic Frost, ohne diese aber zu imitieren.
Das Klangbild verströmt eine wohlige Nähe zu den kraftvoll agierenden Musikern. Vor dem inneren Auge entsteht spontan das Bild eines ganz kleinen Klubs, in dem Armnatt einer zahlenmäßig überschaubaren, dafür aber eingeschworenen Ansammlung von Black-Metal-Jüngern ordentlich die Gehörgänge freiblasen, währenddessen die eine oder andere Hopfen-Kaltschale gemütlich geleert wird. Die Kompromisslosigkeit, mit der die Portugiesen ihre Musik zelebrieren, ist schon beeindruckend, und so bleibt zu hoffen, dass sie uns noch mit vielen weiteren Werken im Stil von „Immortal Nature“ beglücken werden. Luft nach oben kann eventuell bei der Stimme gesehen werden. Der typische, eigenwillige Kreischgesang passt grundsätzlich sehr gut zur Musik, könnte aber noch weitaus kultiger klingen, wenn es in Zukunft gelänge, die durchaus angenehme Monotonie hier und da mit einigen Wahnsinn versprühenden Varianten zu durchbrechen. Aber auch so ist das Gehörte bestens geeignet, um nach einem anstrengenden Tag einmal alles Belastende abzuschütteln und neue Kräfte zu tanken.
☠ Tracklist ☠
1. All Is Silent
2. Immortal Nature
3. Imponent Ruins
4. Eternal Entity
5. Black Flame
6. Images of the Past
7. Wilderness Domain
8. Shadow Dust
9. Infinite Darkness
10. Nature Take Its Course
